»Kommt der Heimerdinger?« fragte der alte Fink.

»Er kommt!« antwortete der Bürgermeister und lachte selbstgefällig dazu. – »Hast ihn bestellt?«

»Nein, aber du wirst sehen: er kommt. Zehn Pferde hielten ihn heut nicht aus dem Wirthshaus.«

»Nun, so sprich, alter Sünder! Brauchst bei mir nicht so wichtig zu thun mit deiner Klugheit – wir kennen uns.«

»Es ist ja weiter nichts. Ich habe ihm nur heute früh im Vorbeigehen gesagt, Du hättest die Schuldverschreibung von seinem Haus und wolltest sie aufkündigen. Den Schrecken und den Brast, den ihm das macht, kann er nicht ohne Schnaps bewältigen. Wirst sehen. Aber hast Du auch die Verschreibung?«

»Freilich habe ich sie und theuer genug. Das Lumpenpapier kostet mich fünfhundert Gulden. Du hast Dich auch einmal wieder verrechnet mit dem »Krämerheimbuk«, – alter Schlaukopf. Der ist so gescheut wie ein Mensch. Als ich so zu flankiren anfing und von der Schuld sprach, die der Heimerdinger bei mir hätte und wie mir es lieb wäre, wenn ich Alles beisammen hätte, damit ich ihm besser zu Leib rücken könnte, wußte er gar nicht, was ihn das anging. Und als ich ihm geradezu sagte, ich wüßte, daß der Heimerdinger ihm sein Haus verschrieben habe, gab er lauter ausweichende Antworten. Und je mehr ich drängte, desto zäher wurde er. Endlich als ich zornig ward und fortging und die Thür hinter mir zuwarf, daß das Haus zitterte, ward er manierlich. Er rief mich zurück und wir wurden handelseinig. Aber ich mußte dem Halunken die rückständigen Zinsen und noch fünfzig Gulden extra bezahlen. Der Heimerdinger will auch noch etwas Baar in die Finger haben. Das Mädchen kostet mich sechshundert Gulden, so gut wie einen Kreuzer. Was machte meine »Alte« Augen, als sie so viel herausrücken mußte! Ich habe auch mein Lebtag noch nie soviel gegeben. Die »Anne-Mile« war die theuerste und die kostete vierhundert Gulden. Mit dem Heimerdinger hätte es alle die Umstände nicht gebraucht, aber die Frau, die Frau! Die ist nicht anders zu ködern. Aber das Haus läßt sie nicht, denn sie ist merkwürdig stolz.«

»Baue nicht zu sicher d'rauf, sagte der Bürgermeister. Es sind Weiber. Und die Babett bringst Du gar nicht in Rechnung.«

»Ein Gewitter soll Dich und Alle verzehren«, schrie da der alte Fink, »wenn der Anschlag mißlingt und ich die Babett nicht bekomme. Ich muß sie haben und wenn ich einen Mord thun müßte! Du weißt, wie es mit mir steht. Ich muß Geld haben, sonst bin ich verloren. Ich spüre auch schon das Alter in den Knochen. Es wird meine letzte Reise sein und da will ich Etwas für meine alten Tage haben. Zehntausend Dollars muß sie mir wenigstens einbringen.«

»Bist Du denn der anderen sicher?«