Der anfang Caedmon’s lautet:
|
[70]Us is riht
micel, þæt ve rodera veard, vereda vuldorcining, vordum herigen, môdum lufien. |
Uns ist sehr recht, dass wir der himmel wart, der heere herrlichen könig, mit worten ehren, mit gemüth loben. |
|
He is mægna spêd, heáfod ealra heáhgesceafta,[71] freá ælmihtig. Næs him fruma æfre, òr gevorden; ne nû ende cymð èccan drihtnes; ac he bîð â rîce ofer heofenstôlas. |
Er ist der kräfte ursprung, haupt aller hochgeschöpfe, herr, allmächtiger. Nicht war ihm anfang jemals, ursprung geworden; nicht nun ein ende kommt des ewigen herrn; sondern er ist immer mächtig auf himmelsthronen. |
|
Heágum þrymmum, sôðfæst and svîðfeorm, sveglbôsmas heold, ða væron gesette vîde and sîde, ðurh geveald godes, vuldres bearnum, gàsta veardum. |
Mit hohen kräften, wahrhaft und mächtig, himmelsräume hielt er, die gesetzt waren, weit und breit, durch gottes gewalt, den kindern der herrlichkeit, den beschützern der geister. |
|
Hæfdon gleám and dreám and heora ordfruman engla þreátas, beorhte blisse væs heora blæd micel; þegnas þrymfæste þeóden heredon, sægdon lustum lôf heora lîffreán démdon drihtnes, dugeðum væron svîðe gesælige. |
Sie hatten freude und lust und ihren uranfang der engel scharen; glänzende herrlichkeit war ihre grosse seligkeit: kraftfeste diener priesen den herrn, sagten mit lust das lob ihres lebensherrn, rühmten des herrn, waren in tugenden sehr selig. |
|
Synna ne cûðon, firena fremman, ac hie friðe lifdon èce mid heora aldor. Elles ne ongunnon ræran on roderum, nymðe riht and sôð, ærþon engla veard for oferhygde dveal on[72] gedvilde. |
Sünden konnten sie nicht. (nicht) verbrechen begehen, sondern sie lebten in frieden ewig mit ihrem vater. Anderes begannen sie nicht aufzurichten in den himmeln, als recht und wahrheit, ehe denn der engel wart wegen überhebung ....... irrthum. |
|
Noldan dreógan leng heora selfra ræd, ac hie of siblufan godes âhvurfon. Hæfdon gielp micel, þæt hie við drihtne dælan meahton vuldorfæstan vîc, verodes þrymme, sîd and svegltorht. |
Sie wollten nicht lang ausdehnen ihren eigenen rath, sondern sie von der kindesliebe Gottes wendeten sich. Sie hatten viel anmassung, dass sie mit dem herrn theilen möchten den herrlichfesten ort, mit heeresmacht, bahn und himmelslicht. |
|
Him þær sâr gelamp, æfst and oferhygd, and þæs engles môd, þe þone unræd ongan ærest fremman, vefan and veccean. þâ he vorde cvæð, nîðes ofþyrsted, þæt he on norðdæle hâm and heáhsetl heofena rîces âgan volde. |
Ihm da schmerz zustiess, neid und überhebung, und jenes engels gemüth, der diesen unrath begann zuerst zu fassen, weben und wecken. Dann er mit wort sprach, durstig nach bösem, dass er am nordtheil heimath und hochsitz des himmelreiches besitzen wollte. |
|
þâ vearð yrre god and þâm verode vrâð, þe he ær vurðode vlîte and vuldre; sceôp þam vêrlogan vræclîcne hâm, veorce tô leáne helleheáfas, hearde niðas; hêht þæt vîtehûs vræcna bîdan, deóp dreáma leás, drihten ure, gâsta veardas. |
Da ward Gott ergrimmt und dem heere zornig, das er vorher würdigte mit glanz und herrlichkeit; er schuf jenen verlogenen eine verbannungs-heimath, zum schweren lohne höllklagen, harte strafen, hiess das strafhaus der verbannten bleiben tief, freudenlos, unser herr, der geister warten. |
|
þa he hit geare viste, sinnihte beseald, sûsle geinnod, geondfolen fyre and færcyle, rêce and reáde lêge, hêht þâ geond þæt rædleáse hof veáxan vîtebrôgan. |
Da er es fertig wusste, mit ewiger nacht versehen, mit schwefel geschwängert, überfüllt mit feuer und mit überkälte, mit rauch und rother flamme, hiess er dann über jenen rathlosen hof wachsen die strafschrecken. |
Judith. Ausser den unter Caedmon’s namen herausgegebenen dichterischen bearbeitungen der heiligen schriften ist noch eine andere erhalten, deren verfasser ebenfalls unbekannt ist. Es ist dieses das bruchstück eines längeren gedichtes, welches seinen stoff aus dem apokryphischen buche Judith entlehnt und mit Judith c. 12, v. 10 beginnt. Die schilderungen und die reden der handelnden personen gehören dem dichter an, welcher nur den stoff und zusammenhang aus der bibel entnommen hat. Das ganze bestand einst aus zwölf abschnitten, von denen jedoch die ersten acht und ein theil des neunten verloren sind. Das erhaltene bruchstück dieses schönen gedichtes befindet sich in demselben Ms. (Cotton. Vitellius, A. XV), welches uns den Beowulf bewahrt hat. Es ist oft gedruckt worden, am besten in Thorpe’s Analecta p. 131, woraus es in Leo’s alt- und angelsächsische sprachproben seite 65 u. f. und in Ettmüller’s scôpas and bôceras seite 140 übergegangen ist.
Judith XI.
|
[73]þa seo
gleave het, golde gefrætevod, hire þinenne, þoncolmode, þæs herevæðan heafod onvriðan and hit to behðe[74] blodig ætyvan þam burhleodum hu hire æt beaduve gespeov. |
Dann die kluge hiess, mit gold geschmückt, ihre mägde, gedankenvoll, des heerführers haupt enthüllen und es zum zeichen blutig zeigen den burgleuten, wie ihr im kampfe gelang. |
|
Spræc þa seo æðele to eallum þam folce: Her ge magon sveotole, sigerofe hæleð! Leoda ræsvan! on þæs laðestan hæðenes heaðorinces heafod starjan, |
Sprach dann die edle zu allem dem volke: hier mögt ihr offenbar, siegreiche helden! volkes führer! auf dieses gehasstesten heiden-häuptlinges haupt starren, |
|
Olofernus, unlifigendes, þe us monna mæst morðra gefremede, sarra sorga, and sviðor git ycan volde; ac him ne uðe God lengran lifes, þæt he mid læððum us eglan moste; ic him ealdor oðþrang, þurh Godes fultum. |
Holofernes, des leblosen, der uns von menschen die meisten der morde anthat, bittere sorgen, und mehr noch hinzufügen wollte; aber ihm nicht zuliess Gott längeres leben, dass er mit verletzungen uns bekümmern sollte; ich ihm das leben nahm durch Gottes hülfe. |
|
Nu ic gumena gehvæne, þissa burhleoda, biddan ville, rondviggendra, þæt ge recene, eov, fysan to gefeohte, siððan frymða God, ærfæst cyning, eastan sende leohtne leoman. |
Nun ich der männer jeden, dieser burgleute, bitten will, der schildträger, dass ihr schleunigst, ihr, eilet zum gefechte, seit der anfänge Gott, der ehrenfeste könig, von osten sendet einen glänzenden strahl. |
|
berað lind forð bord for breostum and byrnhomas, scire helmas, in sceaðena gemong, fyllan folctogan fagum sveordum, fæge frumgaras. |
Traget die banner vor, den schild vor den brüsten, und panzerhemden, glänzende helme, in der räuber gemeng, zu fällen die führer mit blitzenden schwerdtern, die feigen fürsten. |
|
Fynd sindon eovere gedemed to deaðe, and ge dom agon, tir æt tohtan, swa eov getacnod hafað, myhtig drihten, þurh mine hand. |
Es sind euere feinde dem tode geweihet, und ihr habet die vollstreckung, sieg von dem feldherrn, wie er euch gezeigt hat, der mächtige herr, durch meine hand. |
Juliana. An diese biblischen stoffe epischer dichtung reihen sich solche, welche sich an die heiligenlegenden anschliessen, sämmtlich von unbekannten verfassern. Hierzu gehört das in der exeterhandschrift befindliche christliche epos Juliana, welches die martergeschichte dieses in der christenverfolgung Maximian’s zu Commedia geopferten mädchens enthält.
Andrêas. Elêne. Ein zu Vercelli in Piemont von Blume[75] aufgefundenes manuscript, seitdem unter dem namen der Vercellihandschrift bekannt, enthält ausser einigen bruchstücken zwei grössere christliche epopöen, die legende des heiligen Andreas und die auffindung des heiligen kreuzes durch Helena, mutter Constantin’s des grossen. Diese gedichte hat Thorpe für die mitglieder der Record Commission im jahre 1836 zu London veröffentlicht,[76] und die beiden darunter befindlichen christlichen epopöen sind unter den namen Andrêas und Elêne mit sachlichen und sprachlichen erklärungen und bemerkungen über das wesen der angelsächsischen poesie im jähre 1840 zu Cassel von J. Grimm herausgegeben worden.
Für den muthmasslichen Verfasser des Andreas wird von dem herausgeber Aldhelm gehalten (vergl. seite 35), und der dichter der Elene giebt sich im epilog mit eingeflochtenen runenbuchstaben (seite 88 der ausgabe Grimm’s) als „Cynewulf“ zu erkennen, ganz in derselben weise, wie dieses in einigen räthseln der exeterhandschrift geschieht. Wright (Biog. Brit. Liter. A. S. Period. Seite 501-505) schliesst aus dieser übereinstimmung in der art der namensanführung auf einen und denselben verfasser, den er, obgleich nicht mit gewissheit, für denjenigen Cynewulf hält, welcher um das jahr 992 abt des klosters zu Peterborough war. Wenn diese annahme richtig wäre, dann würde J. Grimm unrecht haben, das gedicht Elene zugleich mit Beowulf in den beginn des achten Jahrhunderts zu setzen. Bemerkt möge noch werden, dass die im facsimile von Grimm mitgetheilte handschrift des Ms. zu Vercelli mit dem von Thorpe gegebenen facsimile des Codex Exoniensis viele ähnlichkeit hat und dem ende des zehnten, oder dem anfang des elften jahrhunderts angehört. Folgendes ist der anfang des epos Andreas, genau nach der redaction von J. Grimm:
|
Hvät ve gefrunon on fyrndagum tvelfe under tunglum tìreádige häleð þeódnes þegnas (no hira þrym âläg camprædenne) þonne cumbol hneótan, |
Was wir vernahmen in fernen tagen: zwölf unter den sternen vorzügliche männer, des herren diener, (nicht ihre herrlichkeit erlag im kampfzustande) erhoben damals die fahne, |
|
siððan hie gedældon, svâ him dryhten sylf heofona heáhcyning hlyt getæhte. þät væron mære men ofer eorðan, |
seitdem sie sich theilten, wie ihnen der herr selbst, himmels hochkönig, das loos zeigte, das waren grosse menschen auf erden, |
|
frome folctogan and fyrdhvate, rôfe rincas, þonne rond and hand on herefelda helm ealgodon on meotudvange. |
fromme volksführer und kräftige herzöge, berühmte krieger, da schild und hand auf dem heerfelde den helm schützten, auf dem gottesplatze. |
|
Väs bira Matheus sum, se mid Judêum ongan godspell ærest vordum vrîtan, vundorcräfte. |
Da war unter ihnen ein Matthäus, der bei den Juden anfing das evangelium zuerst mit worten zu schreiben in wunderkraft. |
|
Þâm hâlig god hlyt geteóde ût on þät îgland, þær ænig þâ git ellþeódigra êðles ne mihte blædes brûcan. |
Dem der heilige Gott das loos bestimmte, hinaus auf jene insel, wo irgend einer bis jetzt der fremden edlen lebens nicht möchte geniessen. |
|
Oft him bonena hand on herefelda hearde gesceód, eal väs þät mearcland morðre bevunden feóndes fâcne, folcstede gumena, häleða êðel. |
Oft ihn der frevler hand auf dem heerfelde hart bedrückte. Ganz war das grenzland mit mord umwunden, mit feindes betrug im lager der männer, der edlen helden; |
|
näs þær hlâfes vist verum on þâm vonge ne väteres drync to brûcanne. ah hie blôd and fel, fira flæschoman feorran cumenra þêgon geond þâ þeóde. |
nicht war da des brodes speise den menschen in dem lande, noch des wassers trank zu gebrauchen, sondern sie blut und haut, menschliche leiber der fernkommenden nahmen sie bei jenem volke. |
|
svelc väs þeàv hira, þät hie æghvylcne ellþeódigra dydon him tô môse mete þearfendum, þâra þe þät eáland ûtan sôhte. |
Solches war ihre sitte, dass sie von allerlei fremden tödteten sich zur tafel, den nahrung bedürftigen, derer, die das eiland von aussen besuchten. |
Guthlac. Endlich gehört noch hierher die legende des angelsächsischen heiligen Guthlac, welche sich ohne angabe des verfassers im Codex Exoniensis in einem verstümmelten zustande befindet.[77] Das gedicht gründet sich auf die Vita Guthlaci des Felix von Croyland, von welchem auch eine ungedruckte angelsächsische übersetzung in prosa vorhanden ist. Auch die legenden des heiligen Cuthbert[78] und des heiligen Edmund, königs der Ostangeln, welche in form versificirter homilien in Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica seite 74 und seite 131 veröffentlicht worden sind, können zu den epischen stoffen angelsächsischer dichtkunst gerechnet werden.