Das durch die christlichen sendboten und kirchenobern eingeführte Studium der klassischen sprachen, besonders der lateinischen, hatte einen so günstigen boden in England gefunden, dass die früchte desselben bald auch in Deutschland und Frankreich genossen werden konnten, indem England den genannten ländern nicht nur lehrer, sondern auch bücher lieferte. Der eifer für die christliche religion und das studium der römischen spräche führte seit dem ende des siebenten jahrhunderts Engländer in grosser anzahl auf jener strasse nach Italien und Rom, welche noch jetzt die grosse heeresbahn der reisenden Engländer ist.

Der Glossator Aldred. Diese beschäftigung der Angelsachsen mit den wissenschaften musste auch einen wohlthätigen einfluss auf ihre muttersprache ausüben, indem in dieser nun für das verständniss der grösseren menge eine grosse zahl übersetzungen und paraphrasen von den gebildeteren geschrieben wurden. Dadurch bekam die angelsächsische sprache, welche bis dahin nur umgangs- und dichtersprache war, einen festen boden. Zu der zeit, als die kenntniss der lateinischen sprache den mönchen und geistlichen schwand, und dafür dem volke die allgemeine bildung zugänglicher ward, also in der mitte des neunten jahrhunderts, beginnen auch die glossen und übersetzungen zwischen den zeilen in heiligen wie profanen schriften. In dem sogenannten Durham buche und dem Durham Ritual[91] nennt sich der glossator Aldred. Folgendes ist ein beispiel, wie die glossen des Durham buches beschaffen sind:

Glossen.

Luc. 1, 6. 7.
Wæsin dagumHerodescynigesJudæsacerdsummið noma
Fuitin diebusHerodisregisJudææsacerdosquidamnomine
of londAbia,andwifþæm oððe himof dohterum Aaron,and
Zachariasde viceAbia,etuxorillide filiabus Aron,et
nomahisElisabeð.
nomeneiusElisabet.
Wœronuutsoð-fæstobœgofore Godefærendoin allum
Erantautemiustiamboante Deumincedentesin omnibus
bodumandsoðfæstnissumDrihtnesbuta gnornunge.
mandatisetjustificationibusDominisine quærella.

Zur vergleichung der angelsächsischen sprache, wie sie an verschiedenen orten und zu verschiedenen zeiten bei der bibelübersetzung im gebrauch war, folgt hier die parabel vom säemann (Marc. IV, 3-8): [92] [C]