§ 1. Godes feoh and ciricean XII gylde; biscopes feoh XI gylde; preosles feoh IX gylde; diacones feoh VI gylde; clerices feoh III gylde; ciricfrið II gylde; mynsteres frið II gylde. § 1. Gottes- und kirchen-gut gelte zwölffach; bischof’sgut elffach; priestergut gelte neunfach; diakonusgut gelte sechsfach; clerikergut gelte dreifach; kirchenfrieden gelte zwiefach; klosterfrieden gelte zwiefach.

Von den kentischen königen Hlothar, Eadric und Wihtræd, sind gleichfalls gesetze erhalten. Die des letzteren sind unter zuziehung des brittischen erzbischofs Birhtwald (Bretone heahbiscop) und des bischofs von Rochester nach vorher gepflogener berathung mit den mächtigen des landes erlassen worden. In diesen gesetzen findet sich im § 13 schon eine strafe auf götzendienst gesetzt:

§ 13. Gif ceorl buton wifes wisdome deoflum gelde, he sie ealra his æhtan scyldig and healsfange. Gif butwu deoflum geldað, sion his healsfange scyldige and ealra æhtan. § 13. Wenn ein ehemann ohne wissen der frau den götzen diene, sei er aller seiner güter verlustig und des halsfanges. Wenn beide den götzen opfern, seien sie des halsfanges und aller güter verlustig.

Alfred’s Gesetze. Dann folgen die gesetze der westsächsischen könige Ine und Alfred, welcher letztere seinen gesetzen die mosaischen vorsetzte und die gesetze seiner Vorgänger Ine, des königs Offa von Mercia und Athelbert’s von Kent benützte, wie er selbst in einfacher rede erzählt:

Ic þa Aelfred cyning þæs togædere gegaderod and awritan het manega þara, þe ure foregengon heoldon þara þe me licedon, and manege þara þe me ne licodon ic awearp mid minra witena geþeahte and on oðre wisan bebead to healdenne. Ich, könig Alfred, sammelte da diese und liess viele von denen, welche unsere vorgänger hielten, wenn sie mir gefielen; und viele derer, die mir nicht gefielen, verwarf ich mit meiner witan rathe und gebot, sie in anderer weise zu halten.
Forþam ic ne dorste gedyrstlæcan þara minra awuht feala on gewrit settan; forþan me wæs uncuð, hwæt þæs þæm lician wolde, þe æfter us wæron; Denn ich wagte nicht es zu unternehmen, von den meinigen viel in die schrift zu setzen; denn es war mir unbekannt, was davon denen gefallen würde, die nach uns wären;
ac þa þe ic gemette awðer on Ines dæge mines mæges, oððe on Offan Mercna cyninges, oððe on Aeðelbyrhtes, þe ærest fulluht onfeng on Angelcynne, þa þe me ryhtoste þuhton, ic þa her on gegaderode and þa oðre forlet. aber die, welche ich fand entweder in Ine’s meines verwandten tagen, oder in Offa’s, des königs der Mercier, oder in Athelbert’s, der zuerst die taufe empfing im Angelvolke, die, welche mir am wichtigsten schienen, die sammelte ich hier, und die anderen liess ich weg.
Ic þa Aelfred Westseaxna cyning eallum minum witum þæs geeowde and hy þa cwæðon þæt him þæt licode eallum wel to healdenne. Ich nun Alfred, könig der Westsachsen, zeigte diese allen meinen witan (räthen), und sie erklärten dabei, dass ihnen allen dieses wohl gefiel zu halten.

Cnut’s Gesetze. Ausser den Alfred’schen gesetzen zeichnen sich die von Cnut gegebenen durch milde und edle humanität aus, welche gegen die barbarei und härte der mittelalterlichen, ja selbst vieler neueren gesetze bedeutend absticht. Als eine probe der sprache sowohl wie der grundsätze in Cnut’s gesetzen mögen folgende bestimmungen hier einen platz finden:

2. And we lærað, þæt þeah hwa agylte and hine sylfne deope forwyrce, þonne gefadige man þa steore, swa hit for gode sy gebeorhlic and for woruld aberendlic. 2. Und wir ermahnen, dass, obwohl jemand etwas verbreche und sich selbst tief verwirke, dann man eine strafe anordne, wie sie vor Gott gebührlich und vor der weit erträglich sei.
And geþence swiðe georne se þe domes geweald age, wæs he sylf georne, þonne he þus cweð: Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, þæt is on englisc: and forgif us, drihten, ure gyltas, swa we forgyfað þam þe wið us agyllað. Und es bedenke sehr sorgfältig der, welcher des urtheils gewalt habe, was er selbst gern habe, wenn er also spricht: Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, das ist auf Englisch: und vergieb uns, herr, unsere schuld, wie wir vergeben denen, die sich gegen uns verschulden.
And we beodað, þæt man cristene men for ealles to lytlum huru to deaðe ne forræde, ac elles geræde man friðlice steora folce to þearfe, and ne forspille man for litlum godes handgeweorce and his agene ceap, þe deore gebohte. Und wir gebieten, dass man christenleute für alles zu geringe wenigstens nicht zum tode verurtheile, sondern man vielmehr milde strafen feststelle dem volke zum nutzen, und nicht den menschen, das geschöpf Gottes, und sein eigenes gut, das er theuer erkaufte, um geringes zerstöre.
66. And utan don, swa us þearf is, helpan a þam raðost, þe helpes best behofað; þonne nime we þæs lean þær us leofast byð. Forþam a man sceal þam unstrangan men for godes lufe and ege liðelicor deman and scryfan, þonne þam strangan, for þam þe ne mæg se unmaga þam magan, we witon, ful georne gelice byrðene ahebban, ne se unhæla þam halan gelice. 66. Und möchten wir thun, wie wir sollen, helfen immer dem zunächst, welcher der hilfe am besten bedarf; dann empfangen wir den lohn da, wo er uns am liebsten ist. Denn immer soll man den schwachen mann aus Gottes-liebe und furcht gelinder richten und büssen, als den starken, denn nicht kann der unmächtige, wie wir wissen, mit dem mächtigen eine völlig gleiche bürde haben, noch der sieche mit dem gesunden eine gleiche.
And þy we sceolan medmian and gesceadlice todælan ylde and geogoðe, welan and wædle, freot and þeowæt, hæla and unhæle, and ægðer man sceal ge on godcundan scriftan ge on woruldcundan doman þæs þinge tosceadan. Und darum sollen wir maass halten und unterschiedlich zutheilen dem alter und der jugend, dem reichthum und der armuth, der freiheit und der knechtschaft, der gesundheit und dem siechthum, und jeder mann soll sowohl bei göttlichen büssen als bei weltlichen urtheilen diese dinge scheiden.
Eac on mænigre dæde, þonne man bið nydwyrhta, þonne bið se man gebeorges þe bet wyrðe, þe he for neode dyde þæt þæt he dyde. And gif hwa hwæt ungewealdes gedeð, ne byð þæt ealum na gelice, þe hit gewealdes gedeð. Auch bei mancher handlung, wenn der mensch nothgedrungen ist, ist der mensch des schutzes würdiger, weil er aus noth das that, was er that. Und wenn jemand etwas unabsichtlich thut, ist er nicht in allem dem gleich, der es absichtlich that.
67. Þis is þonne seo lihtinge, þe ic wylle eallon folce gebeorgan, þe hig ær þyson mid gedrehte wæron ealles to swiðe. Þæt is þonne ærest, þæt ic bebeode eallum minan gerefan, þæt big on minan agenan rihtlice tilian and me mid þam feormian, and þæt him nan man ne þearf to fearme fultume nan þinge syllan, buton he sylf wylle. 67. Dieses ist denn die erleichterung, die ich allem volke angedeihen will, da sie vor diesem damit zu sehr gedrückt wurden. Das ist das erste, dass ich gebiete allen meinen amtleuten, dass sie auf meinem eigenthum ordentlich bauen und mich damit beköstigen, und dass ihnen niemand zur beköstigung als unterstützung irgend etwas geben darf, ausser er will es selbst.
77. And ic wille þæt ælc man sy his huntnoðes wyrðe on wuda and on felda on his agenan. And forga ælc man minne huntaðloce hwær ic hit gefriðod wille habben, be fullan wite. 77. Und ich will, dass jedermann seiner jagd würdig sei in wald und feld auf seinem eigenthum. Und es vermeide jedermann mein jagdgehege, we ich es gefriedigt haben will, bei voller strafe.

Die Gesetze Wilhelm’s des Eroberers. Die alten angelsächsischen gesetzsammlungen[90] sind fortgeführt bis zu Wilhelm dem eroberer, welcher ebenfalls noch einige verordnungen in angelsächsischer sprache erliess, obwohl er sich im allgemeinen der französischen und lateinischen sprache bei seinen erlassen bediente.

Das folgende angelsächsische gesetz Wilhelm’s zeigt ausser der sprache auch die geringe achtung, in welcher die sächsische tapferkeit bei dem eroberer stand. Es ist aufbewahrt im Codex Roffensis, welcher eine reiche, von Arnulf, bischof von Rochester (starb 1124), angelegte sammlung angelsächsischer urkunden enthält.

Willelmes cyninges asetnysse. König Wilhelm’s Satzungen.
Wilhelm cyng gret ealla þa þe þys gewrit tocymð ofer eall Englaland freondlice, and beot and eac cyð eallum mannum ofer eall Angel-cynn to healdenne, þæs is: König Wilhelm grüsst alle, denen diese schrift zukömmt, über ganz England freundlich, und gebietet und heisst auch allen mannen im ganzen Angelvolke zu halten, nämlich:
1. Gif Engliscman beclypað ænigne Frænciscne man to orneste for þeofte oððe for manslihte, oððe for ænigan þingan, þe gebyrige ornest fore to beonne oððe dom betweox twam mannum, habbe he fulle leafe swa to donne. 1. Wenn ein Engländer einen fränkschen mann zum ernstkampfe fordert wegen diebstahls, oder todtschlages, oder wegen irgend einer sache, wegen der sich ernstkampf gebührt oder gottesurtheil zwischen zwei männern, habe er volle erlaubniss, es zu thun.
And gif se Englisca forsæcð þæt ornest, þe Frencisca, þe se Englisca beclypað, ladige hine mid aðe ongean hine mid his gewitnesse æfter Norðmandiscere lage. Und wenn der Engländer jenen kampf aufgiebt, reinige sich der Franke, den der Engländer belangt, mit eid gegen ihn mit seinem zeugniss nach normännischem gesetz.
2. Eft gif Frenciscman beclypað Engliscne man to orneste for þam ylcan þingan, se Englisca be fulre leafe hine werige mid orneste oððe mid irene, gif him þaet gecwemre byð. And gif he untrum byð and nelle þæt ornest oððe ne mæge, begyte him lahlicne spalan. 2. Dann wenn ein Franke einen Engländer zum ernstkampfe wegen derselben dinge fordert, so vertheidige sich der Engländer nach willkür mit kämpf oder mit eisen-(ordal), wenn ihm das bequemer ist. Und wenn er schwach ist und den kampf nicht will oder mag, so schaffe er sich einen gesetzlichen vertreter.
3. Und wenn der Franke überwältigt ist, gebe er dem könige drei pfund. Und wenn der Engländer sich nicht mit ernst wehren will, oder mit zeugniss, reinige er sich mit eisen. 3. And gif se Francisca byð ofercuman, he gyfe þam cynge III pund. And gif se Englisca nele hine werian mid orneste oððe mid gewitnesse, he ladige hine mid irene.
4. Aet eallan ullagan þingan se cyng geselle, þæt se Englisca ladige hine mid irene. And gif se Englisca beclypað Frenciscne mid utlagan þingan, and wille hit þonne on him gesoðian, se Frencisca bewerie hine mid orneste. 4. Bei allen verbrecherischen dingen setzt der könig fest, dass der Engländer sich mit eisen reinige. Und wenn der Engländer einen Franken mit verbrecherischen dingen beschuldigt und will es an ihm bewahrheiten, wahre sich der Franke mit kampf.
And gif se Englisca ne durre hine to orneste beclypian, werige hine se Fræncisca mid unforedan aðe. Und wenn der Engländer ihn nicht zum kämpf zu fordern wagt, wahre sich der Franke mit ungebrochenem eide.