J. Foxe. W. L’Isle. Der berühmte John Foxe druckte im jahre 1571 die angelsächsischen evangelien mit einer englischen übersetzung, nachdem er bereits früher einige auszüge aus Alfric und dessen ganze homilie gegen die Transsubstantiation herausgegeben hatte. Im jahre 1623 druckte William L’Isle Alfric’s angelsächsische abhandlung über das alte und neue testament und dessen „Sermon of the Paschall Lambe,“ welche schrift für so wichtig erachtet wurde, dass fünfzehn englische bischöfe und erzbischöfe deren ächtheit mit ihrer unterschrift beglaubigt hatten.[112] Darunter befand sich auch die des erzbischofs Parker, des grossen beschützers angelsächsischer literatur. In der vorrede zu der ersten dieser abhandlungen beklagt sich L’Isle bitter über die vernachlässigung, mit welcher die angelsächsischen schriften behandelt worden seien; „having,“ sagt er, „in our libraries so goodly monuments of reverend antiquitie, divine handwritings, in so faire and large character that a man running may read them: we do not make them known to the world, but let them lie still like a treasure hid to no use, and even till they be almost forgotten of ourselves.“
Hickes. Wheloc. Junius. Spelman. Wanley. Somner. Gibson. L’Isle’s bericht von dem umwege, auf welchem er seine kenntniss des Angelsächsischen erlangt hatte, zeigt uns deutlich, wie wenig bis zu seiner zeit geschehen war, um das Angelsächsische der vergessenheit zu entreissen. Er erzählt uns, dass er sich zuerst etwas mit dem Hoch- und Niederdeutschen bekannt machte. Dann las er zu seiner erholung alles Altenglische, dessen er habhaft werden konnte, und bemerkte, dass er dem Angelsächsischen um so näher kam, je älter das Englische war, aber er fand auch, dass das Angelsächsische je älter, desto grössere schwierigkeiten bot. Nach einiger zeit las er die übersetzung Virgil’s von Gawin Douglas und setzte sich so allmälig in den stand, die alten denkmäler der angelsächsischen sprache zu lesen und zu verstehen. Man sieht aus L’Isle’s geständnissen, mit welchen mühseligkeiten im anfange des siebzehnten jahrhunderts derjenige zu kämpfen hatte, welcher die verborgenen schätze der angelsächsischen literatur heben wollte. Doch war der anstoss einmal gegeben, und dasselbe jahrhundert wurde noch fruchtbar für die angelsächsische sprache. Hickes’s Thesaurus (3 vols. fol. Oxon. 1705) und Institutiones Gram. A. S. (4 Oxon. 1689) werden stets denkmäler des fleisses und der gelehrsamkeit ihres autors bleiben, so viele fehler diese werke auch enthalten; Wheloc veranstaltete eine ausgabe von Alfred’s übersetzung des Beda (fol. Cantab. 1644) und der angelsächsischen gesetze (fol. Camb. 1644), welche 1568 zu London von Lambard zum ersten male veröffentlicht worden waren; Junius gab den Caedmon zum ersten male heraus; Spelman veröffentlichte die angelsächsischen kirchengesetze; Wanley bearbeitete einen catalog der damals bekannten angelsächsischen handschriften (catalogus librorum septentrionalium); Somner machte den ersten versuch eines angelsächsischen wörterbuchs; Gibson liess die angelsächsische chronik drucken.
Wilkins. Barrington. Manning. Rask. Grimm. Während des achtzehnten jahrhunderts kam das studium des Angelsächsischen etwas in verfall, obwohl Miss Elstob in den ersten jahren desselben die angelsächsische homilienliteratur pflegte und förderte, auch eine grammatik schrieb, und Wilkins eine neue und vermehrte auflage (fol. Lond. 1721) der angelsächsischen gesetze veranstaltete, auch die alfred’schen schriften in Barrington und Manning gegen ende dieses jahrhunderts bearbeiter fanden. Im neunzehnten jahrhundert wurde die sprache der Angelsachsen auf dem wege der comparativen grammatik und der geschichtlichen sprachforschung von dem Dänen Rask und dem deutschen sprachgelehrten Jacob Grimm untersucht und damit der grund zu weiterer wissenschaftlicher bearbeitung des Angelsächsischen gelegt, auf dem seit den letzten zwanzig jahren englische und deutsche gelehrte eifrig und erfolgreich weiter gebaut haben. Rask verglich in seiner grammatik das Angelsächsische mit dem Isländischen, welches freilich nicht gerade der am nächsten verwandte dialekt ist, weshalb manche irrthümer unvermeidlich waren. Englische und deutsche Bearbeiter. Trotzdem brach dieses buch dem Studium des Angelsächsischen in England eine neue bahn. Mehr noch als Rask’s grammatik bewirkte das lehrgebäude der germanischen sprachen von J. Grimm, welcher eine vergleichung sämmtlicher deutschen dialekte mit philologischer schärfe und philosophischem sinne durchführte. Erst diesem buche ist die verhältnissmässig grössere sicherheit und gründlichkeit des urtheiles über den organismus der angelsächsischen sprache zu verdanken, welche man bei den neuesten deutschen und englischen bearbeitern des angelsächsischen sprachschatzes vorfindet, wie selbst letztere mit anerkennungswerther offenheit eingestehen. Die auf Rask’s und Grimm’s arbeiten bauenden sprachforscher in England nennen sich daher mit recht die „new school“ angelsächsischer philologen. Die anwendung der comparativen grammatik ist bei der angelsächsischen spräche um so nothwendiger, als die aus verschiedenen zeiten herrührenden handschriften mit ihrer verschiedenen rechtschreibung[113] und behandlung der sprache durchaus keinen sichern halt gewähren. Um nur einen fall anzuführen, sind die accente, welche offenbar die langen vokale bezeichnen sollen, in den handschriften theils weggelassen, theils bei einem und demselben worte verschieden gesetzt, so dass in dieser beziehung die handschriften oft irre leiten, während die vergleichung der verwandten sprachen gewöhnlich zu begründeten resultaten führt. Im übrigen muss bemerkt werden, dass die angelsächsischen philologen England’s, denen eine grosse anzahl handschriften zu gebote stehen, ihren hauptfleiss auf die förderung des sprachschatzes verwenden und in der neuesten zeit die in England aufbewahrten manuscripte mit grösserer genauigkeit als in früherer zeit benützen, während deutsche philologen das von den Engländern zu tage geförderte erz kritisch sichten und einzelnes zu reinem metall verarbeitet haben. Wenn indessen die englischen ausgaben angelsächsischer werke im besten falle das zu grunde gelegte manuscript getreulich wiedergeben, weshalb bei der sehr verschiedenen orthographie und grammatik der einzelnen handschriften beinahe jedes in England aufgelegte angelsächsische buch von den andern in diesen beiden principien jeder sprache abweicht, haben dagegen die Deutschen, auf Grimm’schen grundsätzen fussend, eine angelsächsische sprache in ihren ausgaben geschaffen, wie sie in keinem manuscripte zu finden ist.
Thorpe. Kemble. Ingram. Wright. Halliwell. Das wiederaufleben des studiums der angelsächsischen sprache machte zu derselben zeit auch den mangel gedruckter bücher fühlbar, da es nur wenigen vergönnt sein konnte, die reichen, aber in bibliotheken zerstreuten handschriften selbst einzusehen, noch viel weniger aber, sie zu benützen. Die Society of Antiquaries beschloss daher zu anfang des jahres 1831, um diesem mangel abzuhelfen, die veröffentlichung der überreste der angelsächsischen und ältesten englischen literatur, welche nur handschriftlich vorhanden, oder unvollständig herausgegeben, oder äusserst selten geworden waren. Bereits im folgenden jahre erschien eine vorzügliche ausgabe Caedmon’s mit einer wörtlichen englischen übersetzung von Benjamin Thorpe, der sich schon durch seine übersetzung von Rask’s angelsächsischer grammatik vortheilhaft bekannt gemacht hatte. Von demselben sprachforscher erschien im jahre 1842 eine gute ausgabe der unter dem namen Codex Exoniensis bekannten exeterhandschrift mit einer übersetzung, nachdem er kurz vorher die angelsächsische evangelienübersetzung (Ða halgan godspel, on Englisc), nach den handschriften revidirt, herausgegeben hatte. Der lang vernachlässigte Beowulf wurde von Kemble bearbeitet und der zweiten auflage desselben ein zweiter band mit einem guten glossarium, einer wörtlichen übersetzung des gedichtes und einigen anmerkungen beigegeben. Bald nach der ersten auflage Beowulf’s erschienen Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica, eine sammlung bisher ungenau, oder noch nicht herausgegebener prosaischer und poetischer stücke angelsächsischer literatur mit einem vollständigen glossarium; demselben gelehrten verdanken wir auch eine ausgabe der angelsächsischen übersetzung des Apollonius von Tyrus aus einem in Cambridge aufbewahrten manuscripte, welcher eine englische übersetzung und ein glossarium beigefügt sind. Im jahre 1823 erschien eine neue ausgabe der angelsächsischen chronik mit einer englischen übersetzung und kritischen und erklärenden anmerkungen von J. Ingram. In neuerer zeit hat sich auf dem gebiete der angelsächsischen literatur Thomas Wright besonders ausgezeichnet. Seine Essays on subjects connected with the literature, popular superstitions and history of England in the middle ages erschienen 1846, die Biographia Britannica literaria (Anglo-Saxon-Period) 1842, welchem werke eine auch besonders erschienene abhandlung, Introductory Essay on the state of Literature and learning under the Anglo-Saxons, vorangeht. Die Reliquiæ Antiquæ oder Scraps from ancient Manuscripts, welche ebenfalls einiges interessante aus der angelsächsischen literatur enthalten, sind von Wright in gemeinschaft mit J. O. Halliwell herausgegeben worden. Grammatiken. Lesebücher. Bosworth’s Wörterbuch. Das studium des Angelsächsischen ist auch durch herausgabe mehrerer hilfsbücher erleichtert worden. Ausser der Übersetzung von Rask’s grammatik erschienen: An Introduction to Anglo-Saxon Reading, comprising Aelfric’s Homily on the Birthday of St. Gregory, with a copious Glossary etc. By L. Langley, und ein Guide to the Anglo-Saxon Tongue, on the basis of Professor Rask’s Grammar, to which are added extracts in verse and prose, with notes for the use of learners. By E. J. Vernon. The Elements of Anglo-Saxon Grammar, with a Praxis and Vocabulary. 12. Leeds, 1819. By J. L. Sisson. The Elements of Anglo-Saxon Grammar with copious notes, illustrating the structure of the Saxon and the formation of the English language. 8. London, 1823. By J. Bosworth. Von demselben: A compendious grammar of the primitive English or Anglo-Saxon language. 8. London, 1826. Rudiments of a grammar of the Anglo-Saxon tongue. 8. London, 1829. By J. Gwilt. An Anglo-Saxon grammar and Derivatives. By W. Hunter. 8. London, 1832. In Deutschland gab im jahre 1838 H. Leo in Halle altsächsische und angelsächsische sprachproben heraus, mit einer freilich ungeordneten und unvollständigen erklärung der angelsächsischen wörter versehen. In diesem buche ist überall eine gleichmässige orthographie nach den von Grimm aufgestellten grundsätzen der lautveränderung eingeführt worden. Unter den Deutschen haben sich besonders beide Grimm, Mone, Ettmüller und Bouterwek durch kritische und wissenschaftliche behandlung der von den Engländern an das tageslicht geförderten schätze der angelsächsischen literatur ausgezeichnet. Ihr streben ist nicht ohne rückwirkung auf die englischen forscher geblieben, unter denen sich Kemble offen als schüler Grimm’s bekennt, dem (J. Grimm) er auch seinen Beowulf gewidmet hat. Von J. Bosworth ist ein reichhaltiges, obwohl nicht vollständiges und kritisch gesichtetes wörterbuch, A dictionary of the Anglo-Saxon language. 8. London 1838, mit einer ausführlichen einleitung veröffentlicht worden, so dass seit dieser zeit das studium dieser reichen sprache jedem leicht zugänglich gemacht ist. Zu hoffen bleibt, dass Kemble englischen fleiss und deutsche gründlichkeit zur bearbeitung eines angelsächsischen „sprachschatzes“ verwende.[114]
Die angelsächsischen Beugungsformen. Das Angelsächsische hat, wie das Deutsche, drei sprachliche geschlechter, und eine deklination des artikels, der pronomina, adjectiva und substantiva, welche den casus zugleich mit dem geschlechte bezeichnen. Die pronomina der ersten und zweiten person besitzen ausser dem singular und plural auch eine dualform. Die deklination der nomina zerfällt in eine starke und schwache, wie die conjugation der verba, welche neben dem indicativ auch eine form für den conjunctiv besitzt. Als anhaltspunkte für die vergleichung der ausartenden formen in der späteren halbsächsischen und englischen sprache folgen hier die wesentlichen eigenthümlichkeiten der angelsächsischen sprachbildung nach J. Grimm’s deutscher grammatik:
Substantiva.
Substantiva.
Starke Deklination.
Masculina.
| Sing. | Plur. | |||||||
| (fisch) | (hirt) | (sohn) | (leute) | |||||
| N. | fisc | hird-e | sun-u | — | fisc-as | hird-as | sun-a | leod-e |
| G. | fisc-es | hird-es | sun-a | — | fisc-a | hird-a | sun-a | leod-a |
| D. | fisc-e | hird-e | sun-a | — | fisc-um | hird-um | sun-um | leod-um |
| Ac. | fisc | hird-e | sun-u | — | fisc-as | hird-as | sun-a | leod-e. |