Ich schlug mit beiden Armen aus und trommelte mit den Fäusten gegen die feste Balkenwand. »Lex!« rief ich, »Lex! I bin im Hennenstall. Wir haben 's Fensterl verfehlt! Mach' auf, Lex!«
Keine Antwort erfolgte. Ich glaubte jedoch ein unterdrücktes Lachen von draußen zu hören.
»Aufmachen, Lex! Hast g'hört!« trommelte ich weiter. Keine Erhörung. So polterte ich wohl noch eine Viertelstunde.
Während dieser Zeit kam es mir zur Erkenntnis, daß der verflixte Lex mir einen Possen gespielt hatte. Je mehr ich wütete, desto rasender wurden die Hennen.
Daß man im Haus von dem Spektakel im Hennenstall nichts hörte, dafür fand ich erst später die Erklärung. Der Tennen lag weit nach rückwärts und war von dem Haus durch den Stall und durch den mächtigen Heustadel getrennt. Zudem gingen die Fenster der Schlafkammern alle nach vorn heraus. Bei dem gesunden Schlaf, den ein Bauer hat, hätte ich also wohl noch die halbe Nacht toben können.
Ich beruhigte mich aber schließlich und kauerte mich in stumpfer Verzweiflung in eine Ecke des Hennenstalles, durch dessen Türl mich der Lex statt durch Vroneles Fensterl hatte schlüpfen lassen. Ich kam mir unsäglich dumm vor. Ich glaube sogar, ich habe vor Zorn geweint.
Mit mir beruhigten sich auch die Hennen. Sie schienen sich mit meiner Anwesenheit abgefunden zu haben. Nur hie und da flatterte eine herum. Dann aber hockten sie offenbar wieder auf.
Es kommt mir vor, als ob ich einige Zeit geschlafen hätte. Neuerliches Geflatter brachte mich wieder zu mir selber.
Durch die Ritzen im Holzbau des Hennenstalles brachen die Strahlen der Morgensonne. Ich hörte, wie sich Schritte näherten. Ein Riegel wurde zurückgeschoben. Das Türl tat sich auf. Der helle Morgen schien herein.