Schöpfung, den Sündenfall des ersten Menschen, die Menschwerdung Jesu Christis, die Erwählung, welche Gott an dem heiligen Petrus vollzog, damit er sein großer Stellvertreter auf Erden werde, die auf die Päpste übertragene Macht des heiligen Petrus und die vom Papste Alexander, dem König von Castilien gemachte Schenkung aller Ländereien der neuen Welt darlegte. Nachdem er diese ganze Lehre auseinandergesetzt hatte, lud er Atahulpa ein, die christliche Religion zu umarmen, die Machtvollkommenheit des Papstes anzuerkennen, sich dem König von Castilien als seinem rechtmäßigen Oberherrn tributpflichtig zu erklären, und wenn er also thäte, er zu regieren fortfahren und der König, sein Gebieter, Peru unter seinen Schutz nehmen würde; er ihm aber, wenn er zu gehorchen sich weigerte und auf seiner Gottlosigkeit bestünde, unter Androhung der fürchterlichsten Rache den Krieg erklärte.
Atahulpa verstand wenig von dieser sonderbaren Rede, da sie unbegreifliche Mysterien und unbekannte Thatsachen enthielt, wozu die ganze menschliche Beredsamkeit nicht ausreichte, einem Peruaner in so kurzer Zeit deutliche Begriffe beizubringen. Auf die allereinfachsten Dinge jedoch, die er verstanden hatte, antwortete er mit höchster Mäßigung, daß er mit dem größten Vergnügen ein Freund des Königs von Spanien, aber niemals sein Tributpflichtiger wäre, daß der Papst auch gar zu unverschämt sein mußte, um so freigebig das zu verschenken, was ihm nicht gehörte; daß er seine Religion niemals verließe und daß, wenn die Christen ihren auf der Schädelstätte
am Kreuz gestorbenen Gott anbeteten, er die erhabene Sonne verehrte, die niemals stürbe; und schließlich frug er den Verweser, wo er das, was er ihm von Gott und der Schöpfung gesagt hatte, gelernt habe. In diesem Buche,antwortete Luque, ihm das Brevier darreichend, bereits entflammt. Atahulpa nahm das Buch mit Verwunderung, besah es von allen Seiten, hielt es an sein Ohr und bestätigte dem Redner: »Das, welches ihr mir da gebt, spricht nicht, sagt nichts,« und er warf es verächtlich weg. Da wandte sich Luque, wüthend, an seine Gefährten, indem er schrie: Rache, ihr Christen; das Wort Gottes ist entweiht worden, rächt diese Schmach, verzehrt diese Ungläubigen.
Pizarro, der kaum die Ungeduld seiner Soldaten zügeln konnte, um sich über die Reichthümer herzustürzen, die ihnen in die Augen stachen, gab das Zeichen zum Angriff und die Trommeln und Trompeten spielten zum Einhauen. Die Infanterie und Artillerie gab eine geschlossene Salve ab, die Kavallerie griff mit dem Säbel in der Hand an und Pizarro mit den zwanzig Auserwählten warf sich kurz entschlossen auf den Inka. Voller Schrecken ergriffen die Indianer verzagt die Flucht, so unerklärlich waren ihnen die Pferde, welche sie niederrannten, sowie das Getöse der Infanterie und Artillerie, die sie zerfleischte und wie ein unsichtbarer Strahl versengte, und die Eindringlinge richteten auf der ganzen ausgedehnten Flur eine Niederlage und ein wahres Blutbad an. Vergebens umgaben, mit ihren wehrlosen Brüsten eine Mauer für
ihn bildend, den Inka seine Edeln. Sie fielen alle unter der Wucht der Klinge Pizarros, welcher den Monarchen an den Haaren schleppte und ihn gefangen nahm, und die Kavallerie fuhr bis zur Tagesneige mit dem Gemetzel fort. Eine Menge Prinzen von dem Geschlechte der Inkas, die Minister, die Blüthe des Adels, Alles, was den Hof Atahulpas ausmachte, und viertausend Soldaten und Frauen, Kinder und Greise, welche hinausgegangen waren, um die prächtige Feier zu sehen, fielen unter der Wucht der Waffen auf dem Schlachtfelde von Cajamalca; es war nichts als Tod, Trostlosigkeit und Entsetzen.
Die Nacht breitete ihren traurigen Schleier aus und das von Blut geröthete, leichenbedeckte Feld bot für das jungfräuliche Amerika den entsetzlichsten Auftritt dar. Einige der Angreifer drangen noch in die Stadt hinein, aber vereinzelt und zerstreut, mußten sie wieder zu ihren Zelten zurückkehren, wo in Ketten gebunden der Unglücklichste aller Sterblichen, jener Herrscher seufzte, der, von einem prunkvollen Hofe umgeben, von den ersten Adeligen des Staates auf den Achseln getragen, einen Augenblick vorher ein Bild der Götter schien. Eine schreckliche, nur von dem Wehklagen der Verwundeten unterbrochene Stille herrschte auf dem Felde der Niederlage, bis daß, nachdem sich die Eindringlinge wieder in ihre Zelte zurückgezogen hatten, der von den tiefen Seufzern der Sterbenden untermischte Siegestaumel die Umkreise zu betäuben begann.