Menge aller Art Geräthschaften aus kostbaren Metallen, Alles war für die Boten ein Anblick, der jede Idee, welche sich ein Europäer aus dem sechszehnten Jahrhundert von der Ueppigkeit machen konnte, bei Weitem übertraf.

Inzwischen vermochte Almagro, obwohl auf den Schlachtfeldern aufgewachsen und unter Blut und Greuel großgezogen, die durchdringenden Reize der schönen Coya, einer ebenso verführerischen wie kriegerischen Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, nicht unempfindlich zu sehen. Angethan mit einem kurzen, luftigen Unterkleide von weißem Leinen, mit quer umgehängtem Köcher, und in der Linken den Bogen, stand sie an der Spitze der peruanischen Krieger, welche hinausgezogen waren, um die Abgesandten aus dem spanischen Lager zu empfangen. Weiß, wie die Gipfel der schneeigen Anden, frisch wie eine Nelke im Monat Mai, schlank und niedlich wie ein flüchtiges Reh, im achtzehnten Frühling ihres Alters, wogte ihr welliges Haar in der Gewalt der leichten Winde, ihre Blicke durchdrangen die eisernen Waffenrüstungen, kein Mensch widerstand ihrem Zauber und Alle fielen als Sklaven ihrer Liebe nieder. Noch jung und von Natur aus hübsch, fühlte Almagro die ganze Macht der Schönheit Coyas und im Innersten seines Herzens brannte die Liebe mit unauslöschlichem Feuer.

Endlich ging die Botschaft aus Cajamalca heraus und kehrte in das Lager Pizarros zurück. Mit von dem Anblick, dessen Zeugen sie gewesen waren, noch entflammter Einbildungskraft machten die Botschafter

ihren Gefährten von dem, was sie gesehen hatten, eine so verführerische Beschreibung, daß Pizarro in dem Vorsatz, worüber er bereits nachgedacht hatte, bestärkt wurde. Durch das, was er an den Sitten der neuen Welt beobachtete, wußte er, wie vortheilhaft es für ihn wäre, sich der Person des Inkas zu bemächtigen, und er entwarf einen Plan, der ebenso große Kühnheit als Geistesgegenwart erforderte. Mit Umgehung des ernsten Charakters, den er annahm, wenn er sich als Gesandten eines großen Machthabers anzeigte, der mit dem Inka ein Bündniß einzugehen wünschte, mit Umgehung der wiederholten Freundschaftsbetheuerungen, die er an ihn verschwendet und der Anerbietungen, die er ihm gemacht hatte, beschloß er, sich der leichtgläubigen Einfalt, womit Atahulpa seinen Betheuerungen vertraute, zu bedienen und sich bei der Zusammenkunft, zu der er ihn eingeladen hatte, der Person dieses Fürsten zu bemächtigen.

Am Morgen des 16. November 1522, als der Inka ihn besuchen sollte, bereitete er die Ausführung seines Planes mit so großer Kaltblütigkeit und so geringem Bedenken vor, wie wenn nicht andern Tags seine Entehrung und der Schandfleck der Waffen seines Vaterlandes sein könnte. Er theilte seine Kavallerie in zwei von Soto und Benalcazar, verwegenen Offizieren, befehligte Flügel, welche die Flanken seiner zum Kampfe entfalteten Infanterie bedeckten; in der Mitte behielt er zwanzig seiner unerschrockensten Gefährten, die ihm bei dem gefährlichen Unternehmen, das er sich vorbehielt, halfen, seine Artillerie brachte

er gegenüber dem Wege, durch den der Inka kommen mußte, unter und gab der Division Befehl, nicht anzugreifen, bis daß seine Stimme das Zeichen zum Ausbruch gäbe. Bedauern wir den Fanatismus und die Rohheit des sechszehnten Jahrhunderts, um ein so großes Verbrechen zuzudecken!...

In aller Frühe fingen peruanische Regimenter an, aus der Stadt zu ziehen und sich auf dem Felde aufzustellen, und das ganze Volk war in der größten Aufregung, weil Atahulpa Pizarro in aller Pracht besuchen wollte. Obschon die Vorbereitungen sehr frühzeitig begannen, war die Feierlichkeit und das Gepränge so groß, daß der Morgen bereits zu Ende ging und der Inka nicht in das Lager seines Gastfreundes kam. Ungeduldig, befürchteten die Eindringlinge bereits irgend ein Mißtrauen seitens des Kaisers, das ihre Pläne vereitelte, als der unschuldige Inka, von fünfhundert auf das Prächtigste ausgerüsteten Adeligen umgeben, die beim Tone einfacher Militärmusiken einherzogen, mit der ganzen Majestät unschuldigen Stolzes erschien. Atahulpa, der auf einem goldenen, mit prächtigen, vielfarbigen Federn verzierten und mit Edelsteinen beladenen Throne saß, wurde im Mittelpunkte des Hofes auf den Schultern der edelsten Höflinge getragen und hinterher folgten ihm desgleichen seine ersten Beamten. Ganze Truppen von Tänzern und Musikbanden gingen einem so feierlichen Aufzuge voran und belebten ihn und die mit mehr als dreißigtausend Soldaten bedeckte Flur bot das Bild des mächtigen Reiches dar.

Der Tag war ruhig und heiter und die strahlende Sonne stand hoch am Himmel. Ein lieblicher Wind bewegte sanft die farbigen Federn und die weißen und faltigen Gewänder des prunkhaften Hofes, und in den Strahlen der reinen Sonne Perus erglänzten die goldenen Tragbahren und die todbringenden Waffen der Eindringlinge. Als Atahulpa sich dem Lager Pizarros näherte, ertönten lärmend die dumpfen Trommeln und die schmetternden Trompeten und die spanische, mit dem prächtigen rothen Kreuz verzierte Fahne entfaltete sich im Winde. Wenn die Peruaner überrascht den Achtung gebietenden Anblick der von Osten Gekommenen, ihre mit langen Bärten bedeckten Gesichter und die Pracht und die Herstellung ihrer grimmigen Waffen betrachteten, sahen Pizarro und seine Gefährten nicht weniger mit Erstaunen den Glanz und die Pracht des peruanischen Hofes und die anscheinende Mannszucht ihrer unzähligen Soldaten. Der goldene Thron jedoch und die ungeheuren Reichthümer, welche ihnen ein Sieg anbot, erregten zu sehr deren Einbildung, als daß sie die Gefahren der Entzweiung berechneten. Inzwischen langte Atahulpa, indem er fortwährend zu seinen ersten Beamten sagte: »Es sind vom Himmel Gesandte, hütet euch wohl, sie zu beleidigen,« im Lager seiner Feinde an.

Kaum hatte er den Lagerplatz betreten, als Luque, das Cruzifix in der Linken und sein Brevier in der Rechten, auf den Inka zulief und dem Monarchen in einer langen Rede und den dunkeln Glaubensansichten des sechszehnten Jahrhunderts nach die Lehre von der