Endlich langten sie vor Cajamalca an, wo auf einer ausgedehnten Ebene grobe Lagerzelte mit genügenden Vorräthen an Lebensmitteln zubereitet worden waren, in denen sie sich sehr bequem dem Schlafe

und der Ruhe hingeben konnten. Bei ihrer Ankunft ließ Atahulpa sie ihre Freundschaftsschwüre erneuern und schickte ihnen noch reichere und auserlesenere Geschenke als zuvor und Pizarro, welcher die Denkungsart und die Großmüthigkeit der unschuldigen Bewohner der neuen Welt bereits kannte, überließ sich, in Erwartung des neuen Tages, wo er seinen Plan der Zerstörung und der Eroberung in’s Werk setzen konnte, dem Schlafe und der Ruhe. Die Peruaner kamen ihrem Schwure nach, weil sie es mit Göttern zu thun zu haben glaubten; die von Osten Gekommenen hielten sich nicht zu dieser religiösen Auffassung verpflichtet, weil sie Götzendienern schwuren, die im sechszehnten Jahrhundert verfluchte und verabscheuungswürdige Ungeheuer waren.

Kapitel 7.
Huldigung.

Das Reich schwankte zwischen Vertrauen, Furcht und Zweifel; alle Peruaner wollten die neuen Söhne der Sonne, die von Osten gekommen, sehen und bewundern; aber ein unerklärlicher Schrecken hielt sie ebenfalls in den Mauern von Cajamalca zurück, und sie wagten nicht, sich dem Lager ihrer Gastfreunde zu nähern. Schon hatte die Nacht ihren schwarzen Schleier ausgebreitet, als die Eindringlinge ihre Zelte bezogen, und die Bewohner jener bevölkerten Stadt konnten die Sehnsucht nicht stillen, die Männer, welche nach ihrer Annahme den Göttern gleich kamen, weder zu sehen, noch zu unterscheiden. Doch der neue Tag fing an, den Horizont zu erhellen, und die Zinnen und die Anhöhen der Stadt erschienen von einem ungeheuren Volke überdeckt, das seine Blicke erstaunt auf das Lager der von Osten Gekommenen heftete.

Es wäre Pizarro ein [Leichtes] gewesen, von dem Inka den Eintritt in die Stadt zu erlangen und sich seines Palastes zu bemächtigen, es schien ihm aber klüger, kein solches Opfer zu fordern, da er wegen der

Vortheile, die ihm seine Kavallerie und Artillerie gab, vorziehen mußte, sich auf freiem Felde zu schlagen, als sich mit einem Volke einzulassen, das er nicht kannte, wo er nicht mit so großer Unbefangenheit handeln konnte. Um seine geheimen Pläne vorwärts zu bringen, schickte er an jenem selben Morgen Almagro mit einem glänzenden Gefolge ab, damit sie den Inka beglückwünschen, ihn von Neuem ihrer friedlichen Anordnungen versichern, und um mit ihm den Zweck, der die Söhne der Sonne in sein Land brachte, ausführlicher zu besprechen, ihn um eine Zusammenkunft bitten sollten. Seine Abordnung wurde mit allen den Aufmerksamkeiten der Gastfreundschaft empfangen, welche die Peruaner den besten Freunden erweisen konnten. Atahulpa umarmte Almagro, empfing ihn mit den zärtlichsten Ausdrücken und ließ ihn bei Tafel von Prinzen seines Geblütes bedienen, verhehlte aber das Verlangen nicht, welches er hatte, daß die Spanier sein Land verlassen möchten, und um das Alles zu ordnen, versprach er ihm, Pizarro am folgenden Morgen besuchen zu wollen.

Die anständige Tafel des Monarchen, die Ordnung, welche an seinem ganzen Hofe herrschte, die Achtung, mit der sie mit ihm sprachen und dessen Befehle entgegennahmen, wunderte die Spanier, welche noch nichts als schwache Caziken herumziehender Stämme gesehen hatten. Noch mehr aber hefteten sie ihre Aufmerksamkeit auf die ungeheuren Reichthümer, welche so verschwenderisch den Palast schmückten, den kostbaren Zierrath des Inkas und seines ganzen Hofes, die Gefäße und goldenen und silbernen Tafelgeschirre, die