seien, daß die von Osten Gekommenen nicht Söhne der Sonne sein konnten, daß es Sterbliche waren und der Tapferkeit erlägen.
Der Rath der Aeltesten, welcher einberufen wurde, berathschlagte bedächtig über das Verhalten, das man mit den von Osten Gekommenen zu wahren hatte, und über die Art, den Krieg zu führen und sich kräftig auf die Rache vorzubereiten. Sie kamen überein, daß eine Botschaft in das Lager Pizarros abgehen sollte, um, wenn er noch nicht gestorben war, das Schicksal des Monarchen bestimmt zu erfahren und um jeden Preis seine Freilassung zu erwirken; aber an den Mangel an Glauben der Eindringlinge erinnernd, glaubte man mit Recht, daß sie die Abordnung umbrächten und sie in keiner Weise ihren Zweck erreichen würde. So groß jedoch war die Liebe der Peruaner zu ihren Inkas, so groß das Interesse an der Gesandtschaft, so groß die Vaterlandsliebe jener unschuldigen Bewohner, daß sich, so sicher sie ihrem Tode entgegensahen, Alle anerboten, in das Lager Pizarros zu gehen. Die Umsicht des Rathes durfte nicht gestatten, daß sich die Abordnung aus den ersten Persönlichkeiten des Reiches zusammensetzte, aber dessen ungeachtet konnten sie den flehentlichen Bitten Ocollos und Coyas nicht widerstehen.
Ocollo, die Schönste, die Tugendhafteste von Atahulpas Konkubinen, diejenige, welche am Meisten die Liebe des Monarchen verdiente, stellte sich, in Trauer gekleidet und in Thränen gebadet, dem Rathe vor und trug ihren Entschluß vor, in das Lager Pizarros
zu gehen, um das Schicksal des Inkas, den sie verehrte, zu erfahren, und um, wenn er in Ketten seufzte, sich zu Füßen seiner Unterdrücker zu werfen, um mit ihren heißen Thränen deren Mitleid zu rühren. Coya, die berühmte Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, jene schöne Coya, welche dem stattlichen, artigen Almagro so große Liebe eingeflößt hatte, war bei den schmachtenden und durchdringenden Blicken des kriegerischen Spaniers ebensowenig unempfindlich gewesen, sie liebte ihn im Innersten ihres Herzens, sie hatte erkannt, daß sie geliebt wurde, und sie verlangte nach dem Augenblicke, ihren Angebeteten wieder zu sehen.
Die beiden unschuldigen Opfer der Liebe überredeten den Rath und man verfügte, daß sie in das Lager der von Osten Gekommenen gehen sollten. Die Aeltesten kannten die heiße Liebe Ocollos zu Atahulpa sehr wohl und sie waren überzeugt, daß die Europäer ihre Waffen nicht so leicht an einer Schönheit mit Blut besudeln würden und hielten es für vortheilhaft, daß sie die Botschaft auf sich nahm. Nicht so meinten sie von Coya, die, vertraut mit den Gefahren, tapfer in den Schlachten, mit zarter Hand geschickt die Pfeile zu lenken wußte, sich der Liebe des Heeres erfreute und muthig die Krieger in den Tod trieb. Berühmt durch ihre Geburt, ihrer Reize wegen angebetet, würde, wenn sie Ocollo nicht nothwendig begleiten müßte, ihr Tod das Reich in Trauer versetzen. So wiederholt und rührend waren aber ihre Bitten beim Rathe, der die Ursache, welche dieselben
hervorbrachte, nicht kannte, daß er am Ende nachgab und die beiden Schönen ziehen ließ.
Die Sonne war bereits nahe der Mitte ihrer friedlichen und strahlenden Laufbahn, sie belebte mit ihrem göttlichen Einflusse die Peruaner, welche, ein wenig von ihrem Schrecken erholt, auf besseres Glück hofften, wie es ihnen die wohlthätige Gottheit in ihrem Glanze verkündigte. Schon bereiteten sich die Krieger, welche die Mauern besetzten, von Neuem vor, beim Zischen der Strahlen der Eindringlinge zu fallen, aber ihre Furcht war nicht so groß, weil sie anfingen zu bezweifeln, daß es Götter waren. Bei der Betrachtung der Niederlage ihres ganzen Hofes und ihres Adels bot das mit Leichen bedeckte Feld mit dem Lager Pizarros, worin Schwelgerei und Gelächter herrschten, den schrecklichsten Gegensatz dar. Nachdem die Botschaft vorbereitet, richteten die unschuldigen Bewohner von Cajamalca, in schwermüthige Erinnerungen versunken, von einem stürmischen Uebel der Beunruhigung erfaßt, die sehnsüchtigsten Blicke an ihren Gott, und die beiden Schönen schickten sich an, nach dem Lager der Sieger zu gehen.