»Warte, Coya, wenn du mich liebst, wie ich dich verehre, wird dir, fern von mir, das Leben eine unerträgliche Last sein; gewähre mir, nun der Verkehr der Lager gestattet ist, daß ich dich in Cajamalca aufsuche, daß meine Augen vor lauter Liebe in den Deinen tauchen....«

»Ja, in Cajamalca und auf der Flur werden wir uns sehen, lebe wohl.«

Aufrichtige Thränen rannen über die Wangen der beiden Geliebten; Coya wandte sich schwankenden Schrittes ihren Bataillonen zu und Almagro bestieg in starrer Betäubung sein Pferd und suchte Soto auf, der, die peruanischen Streitkräfte beobachtend, mit dem Vortrab zurück geblieben war. Vielleicht befürchtete die schöne Coya, indem sie Almagro ihre Liebe gestand, die Schamhaftigkeit einer züchtigen Jungfrau überschritten zu haben, allein bald war sie davon durchdrungen, daß sie auf Antrieb einer unwiderstehlichen Macht, auf Antrieb der Liebe handelte, welche die brennenden Herzen, die sie in heftiger Ausdehnung zu ersticken drohen, endlich durchbricht. Entzückt, fühlte Almagro das ganze Glück seines Triumphes, er hielt sich für den Glücklichsten der Menschen, sah aber, wie es Coya prophezeit hatte, ebenfalls voraus, daß seine Liebe ein schwarzer Unstern sein sollte.

Die Priester und das peruanische Volk erhoben in einmüthigen Chören ihre Gebete zur Gottheit, und trotz des ganzen Gepränges war das Begräbniß schon zu

Ende. Die dunkle, stille, nur von den Scheiterhaufen der Spanier, und den Trauerfackeln erhellte Nacht, ging dem Ende ihrer trägen Laufbahn entgegen, als Atahulpa, der seinen schwermüthigen Erinnerungen nicht mehr widerstehen konnte, Pizarro inbrünstig darum bat, ihm zu einem glücklichen Tode zu verhelfen, um an dem Ruhm seines Hofes, seiner Adeligen und seiner Krieger theilzunehmen, aber Pizarro und Luque vertrösteten ihn mit schmeichelhaften Hoffnungen und erinnerten ihn an seinen baldigen Loskauf.

Schließlich waren die Priester, neue Gebete murmelnd, mit der Feierlichkeit bereits zu Ende, und zogen sich, gefolgt von der ungeheuren Menge, nach Cajamalca zurück. Coya marschirte ebenfalls mit ihren Bataillonen, Almagro zog sich mit seinem Vortrab zurück, und es herrschte wieder eine Grabesstille auf der Flur. Der Schatten Columbus’, so geht das Gerücht, erschien in jener Nacht, in strahlende Wolken eingehüllt, und reichliche Thränen auf die Erde, welche so viele menschliche Ueberreste bedeckte, vergießend ob dem spanischen Lager, um abermals in den weiten Himmelsräumen zu verschwinden.

Kapitel 11.
Taufe.