»Almagro«, sagte er zu ihm, »die Wege des Herrn sind unerforschlich, er will es, und Atahulpa wird, wenn nicht durch die Wucht der spanischen Waffen, so doch am Feuer der Strahlen, welche er über dessen Haupt schleudert, sein Leben beendigen. Der Inka ist ein verblendeter gottloser Ketzer, dieses ausgedehnte Reich gehorcht blos den Einflüsterungen des bösen Geistes, und die Fahne Zions soll auf der ganzen Erde wehen.«

Almagro gab endlich nach, der Fanatismus hatte von jeher mehr Gewalt, als die Unschuld und Tugend; und der Rath verurtheilte, obschon sich Almagro zu stimmen enthielt, den Inka zum Tode. Aber als Majestätsverbrecher sollte Atahulpa sein Leben damit enden, erschossen zu werden; doch Luque stritt das Opfer ab, und da man das Verbrechen der Ketzerei noch für größer hielt, sollte er auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt werden. Wirklich wurde, welch’ ein Greuel! der Urtheilsspruch: »Als Ketzer und Majestätsverbrecher soll der Inka Atahulpa angesichts des Heeres verbrannt werden.« unterzeichnet.

Ocollo, welche die spanischen Zelte betreten durfte, damit Pizarro seine unzüchtigen Blicke an ihr sättigen konnte, war es, die die Mittheilungen zwischen Atahulpa und dem Rathe von Cajamalca aufbewahrte, und die, um den Inka zu retten, vergebens ihr Wehgeschrei bis zur Sonne erhob. Sie war eben daran, ihn in seinem Unglück zu trösten, als der gefühllose Soto dem Herrscher von Peru das Todesurtheil zu melden kam. Wer vermöchte die Lage und die Seufzer der beiden unglücklichen Gatten zu schildern!

Vielleicht, daß die Betrübniß Ocollo Kraft verlieh, denn sie sandte die traurige Nachricht nach Cajamalca, und flog, um Pizarro aufzusuchen. In einem Meer von Thränen zu seinen Füßen knieend, flehte sie ihn bei der Sonne und beim Kreuze an, sich ihrer Leiden zu erbarmen, an ihren Qualen theilzunehmen und auf das Mitleid zu hören.... Pizarro jedoch hob sie ruhig in seine Arme, »Du, Ocollo«, sagte er zu ihr, »du kannst ihn retten«.

»So unauslöschlich, so heftig ist die Liebe, die du in mir entzündetest, daß in dir allein seine Rettung liegt. Ergieb dich meinen Schmeicheleien....« Zitternd betrachtete die Unglückliche den Helden bald mit Entrüstung, bald warf sie sich ihm zu Füßen, bald war sie in tiefer Betäubung ein Opfer heftiger Zuckungen. Alles war umsonst, Pizarro in seiner Raserei war bei Thränen unempfindlich.

Ocollo kehrte nach dem Zelte Atahulpas zurück. »Nein«, sagte sie zu ihm, »weder meine Liebe, noch meine Schwäche, noch mein Gott erlauben mir, es an

der ehelichen Treue fehlen zu lassen; es wäre denn, um mich den barbarischen Liebkosungen Pizarros zu ergeben, so hätte ich die Fesseln, die dich bedrücken, schon gesprengt«.

»Oh!« rief der Unschuldige aus, »und zitterst du nicht davor, diese abscheulichen Worte auszusprechen.«

»Ja, Atahulpa, komm mit deiner Hand an meinen Busen, du wirst seine Erregung sehen. Aber noch verdiene ich deine Liebe, noch bin ich würdig, dich zu retten, gewähre die letzte Bitte. — Ich werde mich dem Unmenschen ergeben, werde deine Ketten brechen, und werde auf die Spitzen der beschneiten Anden fliehen, und werde mich in die Fluthen stürzen, und dort meine Schande begraben; aber ich werde Atahulpa retten.«