»Nein, hoffe nicht, mich in noch größere Verbrechen zu stürzen. Deinetwegen habe ich meinen Gott verlassen, verlasse meinetwegen deine höllischen Gefährten; die Peruaner werden dich mit offenen Armen empfangen, du wirst ein Held der Freiheit sein und deine Tugend wird ewig währen.«

»Und du wagtest, Coya ... niemals ... niemals....«

Die beiden unglücklichen, zärtlich umschlungenen Geliebten vergossen zahlreiche und heiße Thränen. »Laufe nicht dem Tode nach,« sagte Almagro zu ihr; »Blitz auf Blitz wird über Cajamalca hereinbrechen,

die Stadt wird in Staub und Asche versinken; fliehe vor dem Tode, vermeide die Gefahren, mögest du mich nicht in die bitterste Trostlosigkeit begraben.«

Da die Verführung auf der einen und andern Seite nutzlos verlief, kehrte Coya, nachdem sie über die Art und Weise, sich in der Folge zu sehen, übereingekommen waren, nach der Stadt und Almagro nach seinem Lager zurück.

Pizarro und Luque erkannten, daß sie nicht länger auf Nachrichten von Panama hoffen durften, und daß Cajamalca ihnen sehr geringen Widerstand entgegensetzen würde. Sie brachten in einer nahen Gebirgsgegend zwei Feldstücke unter, und vierhundert Mann in verschiedenen Stellungen ausbreitend, fingen sie an, die Stadt zu beschießen. Trotzdem es nur Feldstücke waren; waren die Mauern und Gebäude so schwach, daß sie die größten Verheerungen anrichteten, und nach eintägigem Feuern hatten sie Bresche geschossen. Die Peruaner kannten die Kriegskunst, eine Belagerung auszuhalten, nicht, ihre Waffen waren machtlos auf Kanonenschußweite und ihre Anstrengung wäre umsonst gewesen. Huascar lief tapfer die Mauern und die Stadt ab und ermuthigte das Heer; aber Ausfälle gegen den Feind wären, wie es ihnen die Erfahrung zeigte, als sie den Inka retten wollten, wirkungslos und theuer erkauft, und Cajamalca zu behaupten, war nicht von der größten Bedeutung. Ein ehrlicher Rückzug, der das Heer rettete, um Cuzco zu befestigen und sich bis auf den Tod zu schlagen, wäre für das Reich das Vortheilhafteste und der

Oberbefehlshaber und der Senat ordneten auf Mitternacht den Rückzug an.

Pizarro konnte mit wenig Leuten nicht erwarten, alle Punkte zu decken, er hatte aber gleichwohl Vorposten, welche die Wege beobachten sollten. Er bereitete sich vor, am folgenden Tage einen Angriff zu machen, als er in der Nacht die Nachricht bekam, daß sich das zahlreiche Heer auf der Hauptstraße nach Cuzco zurückzöge. Es von Neuem in die Flucht schlagen zu wollen, konnte seine kurze Abtheilung bloß stellen, da er nicht wußte, ob Streitkräfte, welche in der Stadt verblieben, ihn als Nachtrab angreifen würden, und es nicht in seinem Interesse lag, einen hartnäckigen Zusammenstoß zu veranlassen. Alles entschied ihn dazu, den neuen Tag abzuwarten, und als bereits die Sonne die Gipfel vergoldete, schickte er Vorposten aus, welche nachsehen sollten, ob die Bresche thunlich war und welche die Bewegungen der Stadt beobachten sollten. Grabesstille herrschte in den Mauern und in den Umkreisen der Ortschaft, und es war kein Zweifel, daß das Heer und die Bewohner ihre Wohnstätten der Willkür des Feindes preisgegeben hatten. Pizarro rückte mit seiner Colonne heran, und ohne die geringste Erstarrung und ohne daß sie einen Bogen schwirren, noch eine schwache Lanze drohen sah, übersprang sie die Bresche, besetzte die Mauern, zerstreute sich auf Plätzen und Straßen und pflanzte das triumphirende Banner Castiliens in Cajamalca auf.