einheimste, wußte die Vortheile, welche ihm die politische Lage darbot, auszunutzen. Von hohem Verständniß in der Zusammenstellung seiner Pläne, zehrte die Thätigkeit, die Standhaftigkeit und Entschlossenheit zu deren Ausführung, das Werk des Tyrannen, das ihm sein Herz eingegeben und sein Stolz vorgeschrieben hatte, auf. Ferdinand, vom Hofe in Rom nur der Katholische genannt, weil er ihn fürchtete, beraubte die frommen Väter, das eine Mal unter verschiedenen Vorwänden, das andere Mal unter Anwendung grausamer Gewaltthätigkeiten und viele Male durch Urtheilssprüche der Gerichtshöfe, eines Theiles der Besitzungen, die sie von der unbesonnenen Großmüthigkeit der früheren Monarchen und hauptsächlich von der Schwachheit und Verschwendungssucht seines Vorgängers, Heinrichs IV., erlangt hatten. Prächtig gestaltete er seinen Hof und flößte den Großen mit Flitter und Prunk Achtung ein. Er einverleibte der Krone die mächtigen Würden der Orden von Santiago, Alcantara und Calatraya, und er war (wiewohl seine Macht noch geringer als die anderer Herrscher Europas war) beständig ein scharfsinniger Tyrann, wo es galt, das Volk seiner Freiheiten zu berauben. Spanien war, bis auf die vollständige Niederlage, auf den Schlachtfeldern von Villalar frei.
Wenn so viele Vortheile den Thron Ferdinands riesenhaft zu gestalten vermochten, so schwächten jedoch seine politischen Mißgriffe dessen Macht. Die Bekehrungswuth, das unzertrennliche Attribut der Fanatiker, beherrschte Ferdinand, oder beherrschte zum
mindesten dessen Politik, denn kaum flatterte die Fahne Zions auf den Mauern Granadas, als eine unsinnige Verordnung den in allen spanischen Provinzen zerstreuten Juden und Mohamedanern anbefahl, sich binnen vier Monaten taufen zu lassen oder aus den spanischen Besitzungen hinauszugehen. Wenige wurden getauft, aber achthunderttausend jeden Alters und Geschlechts suchten unter anderen Himmelsstrichen Duldung für ihren Glauben. Die durch den Krieg verheerten Fluren, der in wenigen Händen befindliche Grundbesitz, die kurze Ausdehnung des Handels und die geringe Entfaltung des innern Verkehrswesens, Alles machte, daß der Ackerbau nachließ und der öffentliche Reichthum sehr spärlich wurde. Ein verheerender Krieg von acht Jahrhunderten, eine schreckliche, vom Fanatismus vorgeschriebene Auswanderung, die den feudalen Rechten eigenthümliche Lähmung der Ehen, Alles trug zur Entvölkerung und zur Spärlichkeit der Arme für die Pflege der Künste und Wissenschaften bei.
Das war Spaniens politischer und innerer Zustand, als Columbus vor die spanischen Monarchen hintrat und ihnen ein ungeheures Reich anbot, dessen Vorhandensein ihm sein Antrieb eingegeben hatte. Obschon ein wenig über den Trümmern der Feudalherrschaft erhaben, war Ferdinand ein Herrscher, dessen schwache Staatskasse den inneren Anforderungen nicht genügte; ein Monarch, der nicht allzusehr auf die Liebe seines Volkes rechnete; ein Monarch endlich von größerer Pracht und Eitelkeit an seinem Hofe als Macht für
ausgedehnte Unternehmungen, und da seine ganze Aufmerksamkeit von der Niederlage der Sarazenen in Anspruch genommen war, war es nicht leicht, daß er einem Manne, den ganz Europa für einen Träumer hielt, Gehör schenkte.
Wenn diese politische Lage den tugendhaften Entdecker der neuen Welt auch nicht gerade begünstigte, so stellte sich ihm die Unwissenheit und der Fanatismus als ein beinahe unüberwindliches Hinderniß entgegen. Die Unfehlbarkeit des Papstes hatte diejenigen, welche an das Vorhandensein der Antipoden glaubten, mit dem Kirchenbann belegt, und Spanien, wie alle Nationen, in Dummheit und religiöser Furcht begraben, war es nicht leicht, der Meinung eines dunkeln Mannes zu folgen, wo Papst und Genesis jede Zuverlässigkeit aufgaben. Es wäre schwierig, die Wegräumung so vieler Hindernisse zu erforschen, ohne dem Ehrgeiz der Könige nachzuspüren; die heftige Begierde aber, zu regieren, und das großartige Gepränge, ganze Reiche an den Siegeswagen zu befestigen, welche die katholischen Könige zu beherrschen schien, ließen sie dem unerschrockenen Columbus Gehör schenken, und indem sie der Genesis und dem Papste Stillschweigen geboten, warfen sie sich, auf der Suche nach Sklaven und Schätzen, der Wuth unbekannter Meere in die Arme.