Wenn er mit seiner einzigen Abtheilung von achthundert Mann Alles abgewartet hätte, so wäre er auf noch größere Hindernisse gestoßen, viertausend Sklaven aber führten ihm die Transporte von Cajamalca,

und von einigen Spaniern geleitet, durchstreiften sie die Fluren von Cuzco und brachten aus großen Entfernungen Lebensmittel her. Von diesen Unglücklichen, die, ohne daß ihr Herz der Anbetung der Sonne entsagt hatte, vor dem Tode fliehend, das Wasser der Taufe empfingen, schaffte ein jeder fünf Viertelcentner fort, ein den Kräften eines Peruaners weit überlegenes Gewicht, und zu Hunderten fielen sie von ihren Lasten erdrückt und erstickt an den Wegen hin, oder ließen mangels an Nahrungsmitteln schweißtriefend nach. Aus Mangel an Pferden und durch die Erfahrung des Schreckens und der Verheerungen, welche die Reiterei bei ihren Feinden veranlaßte, überzeugt, hatten die Eindringlinge sogar die Zugpferde der Artillerie bestiegen, und die Sklaven schleppten die Kanonen, welche gegen ihre Brüder donnerten. In den unterbrochenen Gegenden und in den Gefechten war die unerbittliche Peitsche des Gebieters immer gehoben, und der Unglückliche, welcher fiel, wurde überfahren und zerfleischt, um mit Blitzesschnelle durch einen Andern ersetzt zu werden, der auch lebte um zu leiden. Trotzdem die Sklaven in fünffacher Anzahl als die Eindringlinge waren, war es ihnen nicht möglich, sich gegen ihre Herren aufzulehnen. Ein großes Reservekorps sorgte dafür, die Menge unterwürfig zu halten, und bei dem geringsten Anzeichen von Ungehorsam wurde der Schuldbewußte auf die Folter gespannt und das Blut von hundert Unschuldigen floß zum Schrecken ihrer Gefährten.

Nachdem sich die Abtheilung auf den anmuthigen Auen von Cuzco ausgebreitet hatte, schickte sie sich zur Einnahme der Stadt und zum Untergange des Reiches an. Das peruanische Heer hatte innerhalb der Mauern keinen Platz, und mächtige Korps streiften, bald die Mittheilungen mit der Hauptstadt aufrecht haltend, bald dem Feinde furchtbare Drohungen zurufend, in der Gegend umher. Alle Tage entspannen sich mehr oder weniger beträchtliche Scharmützel, aber niemals wagte man entscheidende Zusammenstöße, weil das eine wie das andere Heer, sich gegenseitig beobachtend, dieselben vermied. Die Eindringlinge kannten ihre geringe Anzahl und die Peruaner fürchteten sich vor den Wirkungen der europäischen Waffen; aber stets verwegen und ungestüm, stets wie ein unwiderstehlicher Strom zog Pizarro den Siegeswagen hinter sich her und fügte jeden Tag seinem Lorbeerkranz ein Blatt hinzu. Oh! wenn es gefühlvoll gewesen wäre!...

Almagro, der seine Coya nicht sah, verabscheute sein Dasein und die Sonne glänzte nicht strahlend vor seinen Augen. Ein wenig mehr mit seinen Gefährten vereinigt, sprach er, ihnen stets Milde einflößend, endlich eines Tages in einer seinem Charakter eigenen Sprache: »Um etwa die neue Welt zu erobern, wird es nicht nothwendig sein, sie in Blut zu röthen; die Sanftmuth, die Bewunderung und die Ueberzeugung geben uns einen sicherern Sieg.« »Nein,« erwiderte Pizarro, »nur auf die Zerstörung kann sich die Eroberung des Reiches gründen.« »Die Götzendiener,« setzte Luque hinzu, »schwören ihre Götter nur auf dem

Scheiterhaufen ab: Jesus Christus und der Satan vergleichen sich nicht.«

Bald von dem Drange seines Herzens getrieben, bald von dem brennenden Wunsche hingerissen, seine Coya zu sehen und zu sprechen, machte sie Almagro beredt mit den Launen des Kriegsglückes, dem Kostbaren eines jeden Tropfen spanischen Blutes, das man vergösse, bekannt, und brachte sie endlich dahin, daß er eine Botschaft nach der Stadt auf sich nahm, worin ihnen Bedingungen, um Tributpflichtige des Königs von Spanien zu werden und das Christenthum zu umarmen, angeboten würden; und wenigstens einmal behielt im sechszehnten Jahrhundert die Stimme der Vernunft und der Menschlichkeit über die fanatische Wuth die Oberhand.