Kostbarer Marmor und Porphyr bedeckte den Boden des geräumigen Saales, einfach angeordnete Bretter von Gold und Silber unterstützten die Decke, und prächtige, tausendfarbige Federn schmückten die Räume mit zarter Kunst. Nachdem Almagro dahin geführt worden war, herrschte in der Versammlung und unter der ungeheuren Zuhörerschaft eine Grabesstille, als Huascar sich von dem Präsidentenstuhle erhob und ruhigen Tones ausrief: »Krieger, die Peruaner lassen sich eher unter den Trümmern ihres Vaterlandes begraben, als schimpflich nachzugeben; sprich, ob du einen ehrenvollen Frieden bringst, wenn nicht, gehe und sage den Deinen, sie sollen unsere Gräber öffnen.« Ein dumpfes Beifallsgemurmel rührte die Versammlung und beredt brach Almagro aus: »Nein, unschuldige Peruaner, die von Osten Gekommenen haben keinen Gefallen an Blut und Verderben, sie wollen eure Freundschaft und wollen eure Brüder sein.« Die Arglosigkeit und das Lächeln erglänzte in der Versammlung und Thränen der Rührung unterbrachen das Geschluchze. Ohne ihre Blicke von Almagro abzuwenden, schien Coya in Mitten der Ruhe bereits den köstlichen Kelch der

Liebe zu kosten, und sie segnete den Gott der Wahrheit, den sie anbetete.

»Ja, Almagro«, fuhr Huascar fort, »das Reich kennt deine Tugenden und zweifelt nicht an der Aufrichtigkeit deiner Worte: Aber erinnere dich der freundschaftlichen Anerbietungen, welche deine Gefährten von dem unheilvollen Augenblicke an machten, da sie diesen Boden betraten; erinnere dich ihrer ganzen Geschichte und der blutigen Auftritte, die wir durchgangen haben, und du weißt wohl, daß wir unsere Waffen nicht ablegen und auf neue Versprechungen hoffen können.«

»Nein, Peruaner, ich verbürge das Abkommen, mein Degen haftet euch für dessen Heiligkeit und dessen Erfüllung.« »Sprich, würdiger Sohn der Sonne, Abgott des Reiches,« brach eine unbekannte Stimme in der Versammlung aus.

»Die von fernen Himmelsstrichen, wo die Sonne aufgeht, hieher gekommenen Spanier,« fuhr Almagro fort, »haben ihrer Arbeitsamkeit und ihrem Glücke eine wenn nicht gefühlvollere Seele als die eure, so doch einen erleuchteteren und vielleicht kräftigeren Verstand zu verdanken. Ihr werdet es bemerkt haben, unser Verstand und unsere Arme haben eure zahlreichen Heere besiegt. Unser Herrscher, welcher über ausgedehnte Länder gebietet, regiert ein ungeheures Reich, und wie der Hauch des Allmächtigen, würde sein Hauch genügen, um euer Land zu begraben. Die ewige Hand, welche dieses Weltall regiert, das euch mit Bewunderung erfüllt, ertheilte auch uns ihre Gaben und bot uns die unaussprechliche Glückseligkeit an.

Jesus Christus, der Sohn Gottes, stieg in Gestalt eines Menschen auf die Erde hernieder und sterbend am Kreuze offenbarte er uns Geheimnisse, setzte uns mit Wundern in Erstaunen und hinterließ uns, um die ewige Seligkeit zu erlangen, den Glauben und die Taufe. Vielleicht wird eure Vernunft diese tiefen Geheimnisse nicht durchdringen; wenn ihr aber den Gott der Spanier anbetet, wenn ihr Vasallen ihres großen Herrschers seid, werden die Kriegsrohheiten aufhören und eure Brüder werden euch bereitwilligst erleuchten, sie werden euch auf den Weg des Heiles bringen und werden euch glücklich machen.«

Ein tiefes Stillschweigen herrschte in der Versammlung, während Almagro sprach, bis daß Huascar von Neuem ausbrach: »Großmüthiger Spanier, wenn deine Gefährten deine Tugenden hätten, wären wir eure Brüder und es flösse kein Blut, noch flöge die Zerstörung umher. Wir anerkennen die Ueberlegenheit eures Verstandes, eurer Fortschritte, und bereitwillig werden wir euch auf Kosten der Schätze, welche diesen Boden bedecken, nacheifern. Doch sieh die leuchtende Sonne an, wie sie so erhaben in Mitten des Firmamentes glüht; durch sie entstehen die Blumen und wachsen die Früchte; ihr Licht belebt das Weltall und beseelt die Menschen; sieh, wie unglücklich die Welt ist, wenn sie sich in’s Meer vergräbt und uns der Finsterniß überläßt. Die Pflicht, die Dankbarkeit, das hehre Beispiel unserer Vorfahren, unsere Vernunft, Alles stellt sie uns unsern Augen als das erste Wesen der Welt vor. Jene unschuldige Anbetung hat die

Glückseligkeit dieser Regionen ausgemacht und ihre Verlassung dem Tode vorzuziehen, wäre das schwärzeste Verbrechen. Wir kennen euren Gott nicht, wir haben nur die entsetzlichen Scheiterhaufen gesehen, worauf die Unglückseligen, welche euren Cultus nicht umarmt haben, ihren Geist aushauchten. Wir haben das Blut unsere Felder überfluthen sehen, wir haben eure Meineide gesehen, und die Qualen und die Flammen sind uns ein Bett von Blumen, ehe wir es an unsern frommen Glaubenslehren fehlen lassen. Wenn ihr Frieden wollt, wird der erste Artikel die Unverletzlichkeit unserer Tempel und unserer staatlichen Freiheit sein.«

Almagro inzwischen vergoß Thränen der Rührung und des Mitleids. »Der Seligkeit würdig sind diese Seelen,« sagte er zu sich; »Jesus Christus wird ihren Verstand erleuchten und ihnen seine Lehren offenbaren.« »Gefühlvolle Peruaner,« wiederholte er, »ich stelle mich euch nicht als ein Krieger und noch weniger als ein Eroberer vor, nur als ein gefühlvoller Mensch, der euch liebt und euer Glück wünscht. Eure Empfindsamkeit und eure Tugenden machen euch des irdischen Glückes und der ewigen Seligkeit würdig; glaubt dem, der euch liebt, umarmt den Glauben an Jesus, werdet Vasallen des großen Königs von Spanien, und daß das Weinen und die Zerstörung aufhöre.«

»Mein ist, als Priester des Reiches, das Recht,« brach Vericochas aus, »auf deine frommen Uebereinkünfte zu antworten, und das Volk und der Senat werden vielleicht die Meinung des Priesters achten. Den Vater des Tages verehrend, blühte das Reich