Jahrhunderte lang, die Dankbarkeit begeistert dessen Anbeter, aber das leuchtende Gestirn will in seinen Söhnen die Ueberzeugung der Vernunft, nicht die Sprache der Lippen. Wenn jener erhabene Gott, an den du glaubst, die Herzen der Peruaner begeistert und die Vernunft sie ihrer Anbetung entreißt, mögen euch eure Proselyten glücklich folgen, aber ebenso ruhig loben wir, die wir seinen Wohlthaten niemals undankbar sein werden, in unsern Tempeln den Gott, der die Tage entflammt. Peruaner, im Namen der Sonne verlange ich von euch, daß, ehe wir ihn, wenn sie unsere Vernunft gefangen nehmen, uns mit seinem finstern Zorne bedrohen sehen, ehe wir davon lassen, ihn anzubeten, wir unter die Trümmer des Reiches versinken.«

Heftige Rufe leisteten von allen Seiten den Schwur, den Vericochas verlangte, und Almagro erhob seine Hände zu dem wahrhaftigen Gott, damit er diese Seelen aus der Götzendienerei herausrisse.

»Ich, als euer Herrscher,« rief Huascar aus, »stimme in Bezug auf unsere staatliche Freiheit überein, und das Volk und die Priester werden vielleicht meiner Stimme beipflichten. Entfernt von mir der Ehrgeiz nach dem Oberbefehle, würde ich, um meinen Thron aufrecht zu erhalten, niemals an meinem Vaterlande zum Meineidigen werden. Unsere staatlichen Gesetze haben die Glückseligkeit unserer Vorfahren gemacht, in unsern Gesetzen steht unser Glück geschrieben, und wenn wir die von Osten Gekommenen in das Meer stürzen könnten, würde unser Blut den Baum

unserer Glückseligkeit begießen. Ich stimme für den Krieg: Beweinen wir, um glücklich zu sein, nicht die Noth des Vaterlandes, das Grab bietet uns eine ruhige Stätte an....«

»Nein, Huascar,« unterbrach ihn Almagro, »laß dich nicht von der Tapferkeit und der Begeisterung hinreißen. Ich schwöre euch noch einmal, wir werden euer Glück machen, wir wollen keine Sklaven, wir wollen Brüder, wir wollen mit euch glücklich sein. Werft einen dichten Schleier über das Vergangene, traut meinem Schwure.«

Ein greiser Rath erhob die Stimme und sagte: »Der Friede oder der Krieg entscheiden das Schicksal des Reiches; wenn sich der Gesandte zurückzieht, werden wir mit mehr Freiheit und Gelingen das Schicksal unseres Vaterlandes entscheiden können.« Coya, welche in Mitten der Rathsversammlung, bei der Erinnerung an die traurige Nacht, da sie, den Cultus der Sonne verlassend, das Wasser der Taufe empfing, die Liebe, die in ihrem Herzen brannte, noch die Unruhe, die ihre Seele verzehrte, verbergen konnte, beeilte sich, Almagro einzuladen, daß er, in soweit der Rath berathschlagte, nach ihrem Palast auszuruhen ginge. Der edle Krieger, welcher sich, von seinem gefühlvollen Herzen hingerissen, so sehr nach Frieden sehnte, den die Liebe zu Coya, das Glück, sie zu sehen, einen Augenblick mit ihr zu sprechen, nach Cuzco getrieben hatte, hielt den Augenblick, wonach sein Herz sich sehnte, für gekommen, und der Jubel und das Lächeln erglänzten auf seinem Antlitze. »Jedoch,« rief er eilig

aus, »und meine Gefährten, die von euren Waffen besiegt wurden, segnen sie eure Tugenden, kann ich sie in meine Arme schließen?«

»Ja, Almagro,« erwiderte Huascar, »in Ausübung ihres Cultus sind sie, mit Menschenwürde behandelt, weder zu harten Sklavendiensten verdammt worden, noch haben sie weder Dolch noch Scheiterhaufen dem Glauben an Jesus entrissen, um den Gott des Tages anzubeten.«, »Oh! herrliche Seelen! Ich schwöre euch von Neuem meine Liebe zu; mein Degen wird das Bollwerk eurer Freiheit sein. Jesus Christus wird euren Verstand erleuchten und vielleicht werdet ihr eines Tages die von Osten Gekommenen segnen,« sagte Almagro, und gefolgt von Coya und einem zahlreichen Volke, ging er aus dem Senat, um sich den Liebkosungen der reinsten Liebe zu überlassen.

Coya, eine Abkömmlingin der Inkas, Tochter der Sonne und Prinzessin des Reiches, hatte einen einfachen, mit prächtigen, tausendfarbigen Federn verzierten Palast, mit Decken und Fußböden von Gold. Dahin geführt, warf sich, ohne weitere Zeugen als glänzendem Gefolge, welches die fernen Thore und die Räumlichkeiten der Säle bedeckte, Almagro mit vor Liebe entflammtem Herzen, und in den Blicken Coyas brennenden Blicken, wie von einem Strome, von einem Sturmwind hingerissen, zu Füßen Coyas, indeß Coya ihren edeln und großmüthigen Geliebten mit ihren Thränen benetzte.

»Oh, erhabene Gottheit!« sagte er zu ihr; »diese Thränen des Mitleids verrathen doch noch deine Liebe.