Liebst du mich noch?« »Undankbarer!« »Nein, Coya, ich liebe dich so sehr wie die Morgenluft, so sehr wie den Glanz der Morgenröthe, so sehr wie meinen Gott!« Unfreiwillige Thränen quollen an den Wangen der beiden Liebenden herab und tiefe Seufzer unterbrachen ihre Worte. »Oh! Almagro! Denke an jene einsame Nacht, an jenen klaren Bach, wo ich den Glauben meiner Vorfahren verließ, wo ich, das Wasser der Taufe empfangend, an meinem Gotte meineidig wurde.... Ich betete Jesus an, nicht daß ich ihn kannte, sondern weil er der Gott meines Almagros war; mein Verbrechen ist, in Finsterniß und in ewigem Geheimniß begraben, in der Tiefe meines Herzens geblieben; aber beim Niederknieen vor den Altären der Sonne haben dunkle Gewissensbisse meine Seele zerrissen und nur die Erinnerung an Almagro tröstete mich in meinem Wahnwitz.... Undankbarer, und du wirst in das Lager der Deinen zurückkehren, und du wirst das Vaterland deiner Coya verheeren, und vielleicht auf meinem Grabe sitzend, wird dir mein Gedächtniß nicht eine Thräne, nicht einen Seufzer gelten!« »Ach, Coya! Deinen Namen wiederholend, deinen Namen anbetend, deine Schönheit preisend, deinem Gedächtniß tausend Thränen weihend, habe ich hundert Mal die Sonne in den Abgründen der Erde untergehen und ebenso manchmal von den Tiefen des Meeres aufgehen sehen. Die Hoffnung, dich zu sehen, dich zu sprechen, dir meine Liebe zu schwören, hat mein Dasein erhalten und hat mich in den Kämpfen unbesiegbar gemacht.« »Und bereitest du dich etwa

schon vor, mir den letzten Abschiedsgruß zu geben.« »Ich werde dich in dichten Wäldern, unter den Pfeilen deiner Krieger, auf unbekannten Meeren suchen.« »Unter den Trümmern meines Vaterlandes, zwischen den Leichen der Peruaner wirst du mich wohl im Blute schwimmend suchen.« Vielleicht würde ihr Almagro bei seinem Gott geschworen haben, seine Gefährten zu verlassen und seinen Degen für die Unabhängigkeit Perus zu schwingen, wenn die schöne, in Trauer gekleidete Ocollo, mit der Traurigkeit und dem Schmerze in ihrer Miene, Almagro suchend, unter einem zahlreichen Volke nicht ebenfalls im Palaste Coyas angekommen wäre. »Du, der du gefühlvoll bist, Krieger, wirst den Wahnwitz einer Unglücklichen verzeihen, welche deine Gefährten zur Wittwenschaft und zu den Thränen verdammten. Sind die Ueberreste des unglücklichen Atahulpas, seine Asche, noch in eurem Lager vorhanden? Wenn sie noch da sind, Sohn der Sonne, bitte ich darum, gieb mir einen so unaussprechlichen Schatz zurück, damit ich sie alle Tage mit meinen Thränen benetze.« »Ah! unglückliche Ocollo, sie wurden in den Wind gestreut, er starb als ein Götzendiener.« »Er starb als ein Tugendhafter.« »Ich war nicht verbrecherisch.« »Die Geschichte wird das Verbrechen bekannt machen, die entfernten Geschlechter werden seine Mörder hassen.« »Tröste deine Thränen, göttliche Ocollo, denke nur an die Glückseligkeit deines Vaterlandes; deine Schönheit und deine Reize vermögen mehr als die zahlreichen Heere.« »Ich kann meinem betrübten Vaterlande nur das unfruchtbare

Opfer meiner Thränen anbieten.« »Nein, Ocollo, du kannst es vor seinem Untergange retten, du kannst die Ketten der Sklaven zerbrechen, du kannst den Eroberer deines Reiches überwinden. Pizarro liebt dich rasend, deine Blicke sind in sein Herz gedrungen und haben in ihm einen schrecklichen Vulkan entzündet, du weißt es, er hat dir das Geheimniß enthüllt, du kannst ihn lieben....« »Den Mörder Atahulpas!« »Das Wohl Perus befiehlt es.« »Ein Opfer, das meine Kräfte übersteigt, der Schatten Atahulpas, welcher Schrecken!...«

Almagro, der Pizarros ungestümen Charakter und die Liebe, die in dessen Herzen glühte, kannte, sah, als er die feste Entschlossenheit der Schönen gewahrte, die traurigsten Schicksale in der Zukunft der neuen Welt voraus. Beredte Blicke auf seine Coya heftend, »gehen wir,« sagte er zu ihr, »der Rath wird das Schicksal des Reiches bereits entschieden haben.« Unter glänzender Begleitung zogen Ocollo, Coya und Almagro in der größten Besorgniß nach der Rathsversammlung. Die Räthe hatten bereits berathschlagt und überreichten dem Boten den Frieden. »Wenn deine Gefährten,« rief Huascar aus, »den Frieden wollen, sind sie ihrer Tapferkeit und der Macht ihres großen Herrschers würdig; wenn sie aber unsere Vorschläge verweigern, hoffet nicht auf die Demüthigung der Peruaner, ihre Gesetze und ihre Tempel aufrecht haltend, werden sie rühmlich unter den Trümmern des Reiches begraben werden. Von dem unglückseligen Augenblick an, in dem sie diesen Boden betraten, sind wir die Opfer

unserer Unschuld gewesen, und wir wollen, wenn uns nicht Gewährleistungen geboten werden, uns nicht von Neuem auf Treu und Glauben hingeben.«

Almagro brach aus: »Ich bin der Beauftragte, den Frieden zu unterhandeln: Meine Gefährten werden ihren Schwur nicht verfehlen. Es ist schwierig, euch zufriedenstellende Bürgschaft zu geben; aber wenn sie die Vorschriften unserer heiligen Religion nicht hören wollen, schwöre ich euch bei Jesus Christus, daß ich ihre Reihen verlassen, daß ich an eurer Seite kämpfen werde; ich habe ebenfalls Anhänger in meinem Lager, die vielleicht den Krieg blosstellen würden.«

»Deine Tugenden haben das Zutrauen des Reiches verdient,« erwiderte Huascar; »mit dir wäre der Sieg unser: So höre denn das Abkommen.«

1. Die Tempel und Gesetze Perus sind frei und nur die Peruaner können ihre politischen und religiösen Gesetze wieder einsetzen oder abändern.

2. Die Spanier leben unter dem Reiche der Gesetze ihres Herrschers und der freien Ausübung ihres Cultus.

3. Die Spanier können ihre Religion verkünden, indem sie sich, um zu ihrem Glauben zu bekehren, dabei der Ueberzeugung bedienen.