Coya, die Dank der Raschheit ihrer Fußgänger das großmüthige Benehmen Almagros mit ihrer zärtlichen Freundin erfahren hatte; Coya, welche wußte, daß das Dasein Almagros und Ocollos zugleich Gefahr liefen, konnte, ohne auf Kosten irgend welcher Gefahren zur Vertheidigung ihrer beiden Lieben in die unmittelbare Nähe von Cuzco zu fliegen, nicht unter den Ihrigen bleiben. Umsonst widersetzte sich der Rath ihren Plänen, Coya gab mit unwiderstehlichem Zauber zu erkennen, daß sie, von wenigen und flinken Kriegern begleitet, die Flur von Cuzco befeinden würde, und der unerschrockene Huascar, der schon vor Blutgier brannte, billigte den Plan Coyas, indeß er ein neues Heer vorbereitete, um damit in einen wilden Feldzug zu ziehen.

Die Peruaner hatten auf Kosten von Strömen von Blut die Kriegskunst der Spanier erlernt und

hatten sich mit dem Gewieher der Pferde und dem Knalle der Kanonen vertraut gemacht. Mit den Gefangenen hatten sie einige Pferde ergriffen, und Huascar und Coya führten bereits Krieg auf den Vierfüßlern, welche ihnen so großen Schrecken einflößten. An der Spitze von tausend Peruanern fiel die verliebte Kriegerin, nicht nur von dem brennenden Verlangen, ihren Almagro zu sehen, sondern auch von dem Wunsche getrieben, die Rettung ihrer geliebten Ocollo zu bewerkstelligen, oder einen ruhmvollen Tod zu finden, über die Fluren von Cuzco her. Als Almagro erfuhr, daß Coya sich der Stadt näherte, war das Feuer seiner Liebe bereits unwiderstehlich; in Mitten seines Taumels glaubte er, daß es einzig ihre Liebe war, welche die Schöne führte, bald aber sah er andrerseits, daß ein von der Anstrengung der Eroberer besiegtes, furchtbares Heer floh. Was konnte sich Coya mit tausend Kriegern mehr versprechen, als eine sichere Niederlage? Huascar hatte die Spanier, welche besiegt worden waren, eines grausamen Todes sterben lassen; Pizarro verbreitete Schrecken in Cuzco und im ganzen Reiche, einzig die schwarze Fahne flatterte an den westlichen Gestaden, und Coya würde, gefangen genommen, unter Qualen aushauchen. Ocollo fühlte bereits keine Kraft mehr, ihre Leiden zu ertragen, tausend Mal zöge sie den Tod dem Unglücke Coyas vor, und Almagro sollte sich immer noch für sie schlagen.

Die Kriegsmacht, welche Coya anführte, schüchterte Pizarro wenig ein; eine kurze Truppenabtheilung genügte, um sie zu besiegen; Luque aber, wie gewohnt vorherzusehen, fürchtete ihren Einfluß auf die Spanier;

mit Schätzen schon zufriedengestellt, erkannte er mit den innern Zerwürfnissen das Mißliche des spanischen Lagers. Es schien ihm, daß das, was sich am Besten mit der Sache des Christenthums schickte, wäre, den ganzen Einfluß des Priesterthums geltend zu machen, um das Duell der Anführer einige Tage aufzuschieben und so die Einigung herbeizuführen, darnach zu trachten, daß Ocollo der Liebe Pizarros nachgeben würde, oder Almagro einen Schlag vorzubereiten, dessen er sich nicht erwehren könnte. Das war seine Thätigkeit, das war die Macht, welche der Verweser über die Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts ausübte, denn er siegte endlich, und das Duell wurde für zehn Tage aufgeschoben.

Da die Kriegsmacht Coyas keine gebietende war, und sich, damit begnügend, die nahen Berge zu besetzen und die Auswanderung zu beschützen, kaum feindselig zeigte, ging man ebensowenig in deren Verfolgung thätig vor, und nur eine kurze, so viel wie möglich war, von Almagro lahm gelegte Truppenabtheilung sorgte dafür, daß sie nicht auf die Fluren herniederstiegen, noch die Mittheilungen hinderten. Benalcazar befehligte das Detachement; Benalcazar, wiewohl er im Verborgenen der erste von Almagros Anhängern war, und Coya lief niemals Gefahr.

Sobald die Nacht ihren schwarzen Schleier ausbreitete, ritt, trotz des Hasses und dem fortwährenden Mißtrauen, das er seinen Gefährten einflößte, der verliebte Ritter auf seinem schnellen Pferde in die Berge, auf der Suche nach seiner Angebeteten. Luques

und Pizarros gewaltthätiger Charakter konnte nicht mehr länger einen Gefährten dulden, welcher, weit entfernt, bei der Zerstörung der neuen Welt [mitzuwirken], ihre sämmtlichen Pläne durchkreuzte und die Zwietracht säete: Die Entzweiung war unerläßlich, und Almagro sollte, weil es sowohl dem Throne als auch der römischen Curie also daran lag, ein Opfer ihrer Wuth werden.