Trotz Pizarros Hochmuth war die heftige Liebe, welche er zu Ocollo hatte, eine solche, daß er es nicht verschmähte, nach ihrem Gefängnisse zu gehen, um sie anzuhören. »Was hast du mir mitzutheilen?« sagte er zu ihr. Bebend, mit stammelnden Lippen, vermochte Ocollo, weil ihre Seele nicht an Erdichtung gewohnt war, kaum das Schweigen zu brechen. »Endlich, Pizarro, triumphirtest du über mein Herz; ich liebe dich!« »Du liebst mich! Du, die du wiederholtest, daß uns beide nicht zugleich die Erde tragen könnte!« »Ja, es ist wahr, aber die Hand der Zeit hat meine Wunden vernarbt, ich will das Christenthum umarmen, mit dir leben und will dich lieben, Pizarro.« »Und ich werde mich an deinen Liebkosungen erfreuen, und du wirst meine süße

Ehegefährtin sein!« Ein Lächeln hob sich von seinen Zügen ab; Ocollo seufzte dort in ihrem Herzen, aber sie erstickte die Seufzer zwischen ihren Lippen, und Pizarro, nachdem er sie den süßen Schwur hundert Mal hatte wiederholen lassen, befahl, sie aus dem Gefängnisse hervor zu holen, und sie, da es der Palast der Inkas war, nach seinem Palaste zu führen.

Gar bald wußte Luque und das ganze Volk, daß Ocollo der Liebe Pizarros nachgegeben hatte, und der Stellvertreter Christis in der neuen Welt sah jene plötzliche Umwandlung als ein sichtbares Wunder an, das die Eroberung von Peru befestigte. Pizarro würde sein kostbares Leben bereits nicht mehr aussetzen, um sich mit Almagro zu schlagen, und mit der Gattin des Inkas, durch das Band der Ehe vereint, würden ihn die Peruaner fröhlicher als ihren rechtmäßigen Herrscher verehren. Ah! ohne Zweifel wußte Luque nicht, daß die freien Völker die Tyrannen stets verabscheuen, unter was für einer Gestalt sie sich auch verkleiden! Alsbald wurde das Duell mit den gewohnten Feierlichkeiten aufgehoben, und Pizarro strengte sich an, Almagro seine Freundschaft und seine Achtung vorzuheucheln.

Pizarro, der den Augenblick ersehnte, seine brennenden Begierden zu erfüllen, belästigte die Schöne unaufhörlich mit feurigen und unzüchtigen Bitten. Jedoch Ocollo hatte früher an die Art gedacht, die Hoffnungen desjenigen, den sie haßte, zu narren, und ihren Plan zu Ende zu führen, und indessen, daß sie

die Einbildung und das Anziehende ihrer Liebe in Pizarro aufrecht erhielt, spottete sie seiner Begierden. »Du weißt es,« wiederholte sie ihm, »deine Religion verlangt, daß die Gatten denselben Glauben bekennen; mir Unglückseligen ist deine Religion nicht bekannt, noch bin ich in deren Geheimnisse eingeweiht; in Kürze werden mich die christlichen Priester unterweisen, ich empfange das Wasser der Taufe, und dann, Pizarro, werden wir uns der Liebeswonne überlassen.« Jener wilde Charakter, jener Pizarro, der Blut vergießend, sich zum Schrecken des Reiches gemacht hatte, gab, wie ein unbändiger Stier nachgiebt, den Einflüsterungen der Liebe nach, und Ocollo hielt ihre Hoffnungen mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit aufrecht. Weit entfernt von Pizarro der Gedanke an Gewaltthätigkeit, bei den Thränen der Peruanerin war sein Herz gefühlvoll, und mehr als ein Mal retteten sie das Leben einiger Unglücklichen. Ocollo wußte wohl, daß jener Zustand ein gewaltsamer war, daß der feurige Spanier nicht auf lange Zeit der Spielball ihrer Kunstgriffe war, aber inzwischen dachte sie über ihre Rache nach und war die großmüthige Beschützerin ihrer unglücklichen Unterthanen. Mit Pracht im Palaste behandelt, gewann sie sich ebenfalls die Liebe der Spanier, und das Christenthum war ihr sicherstes Bollwerk, um den ungestümen Bitten ihres Liebhabers zu widerstehen.

Luque war der Beauftragte, Ocollo in die Geheimnisse des Christenthums einzuweihen, damit sie das Wasser der Taufe empfing, und während die

Peruanerin in Anhörung des Priesters Gelehrigkeit zeigte, suchte sie in ihrem klaren Verständniß nach Ausflüchten, um das Christenthum vernunftgemäß zu bestreiten. Es ist wohl wahr, daß die neue Welt sich niemals daran gewöhnte, die Katechumenen in die Lehren einzuweihen: Ein Priester predigte in dem Tempel über die Vorzüglichkeiten der Religion Christis, und von der ewigen Pein und der ewigen Seligkeit, es war aber, nachdem sie das Wasser der Erlösung empfangen hatten, da sie bis dahin keinen Zutritt in den Tempel gehabt hatten, und die Sprache der Priester immer prophetisch und erhaben war, wie wenn die neuen Gläubigen von der Fackel des Glaubens erleuchtet wären. Wie manchmal gebrauchte ein Priester seine geheimnißvolle Sprache umsonst, damit die Peruaner die Dreieinigkeit, das Wesen und die Eigenschaften Gottes begriffen; damit sie die Jungfrauschaft Marias und die Menschwerdung des Sohnes Gottes erkannten! Von kräftigem, lebhaftem Verstande, sagte Ocollo, daß es das größte Verbrechen sei, das Wasser der Taufe zu empfangen, so lange man nicht fest an die christlichen Lehren glaubte, und Ocollo war geachtet, weil sie den Willen Pizarros beherrschte. Der Statthalter jedoch, immer den Augenblick des wonnevollen Genusses der Liebe ersehnend, trieb Luque an, Ocollo zu taufen, und die Lage der Peruanerin wurde von Tag zu Tag mißlicher und gefährlicher, aber die Ereignisse der Freiheit des Landes folgten einander sehr schnell, und Ocollo schöpfte Muth in ihren nächsten Hoffnungen.

Indessen war Almagro mehr als je ein Opfer der Liebe Coyas; seine Wonne war, an deren Seite zu stehen. Coya war sein Wollen und Verlangen, Coya sein Ideal, und nur für Almagro lebte Coya auf der Welt. Zwischen den Bergen liegend, die Cuzco umgaben, sah die Schöne tagtäglich ihre Streitkräfte mit den Unglücklichen, die der Kette der Knechtschaft oder den Krallen der Inquisition entrinnen konnten, zunehmen, und beständig schickte sie Huascar Verstärkungen. Almagro hatte seine Liebe bereits veröffentlicht, und weder den Spaniern noch den Peruanern war seine traurige Leidenschaft unbekannt, und er mußte alle Tage nach dem Gebirge gehen, um seine Schöne zu sehen. Weder Pizarro noch Luque konnten eine Liebe ertragen, die ihrem Interesse und den Interessen ihres Vaterlandes so sehr zuwider war, und die Entzweiung mit Almagro war unerläßlich.

In Wahrheit ließ es Almagro offen an den Regeln der militärischen Disziplin fehlen, er verkehrte mit dem feindlichen Lager und trug mit so vielen Mitteln wie immer thunlich zur Erhaltung Coyas bei. Andrerseits hätte man, da er eine Peruanerin liebte, welche die Spanier für eine Götzendienerin hielten, an seinem religiösen Glauben zweifeln können, und es lagen überwiegende Gründe vor, um ihn dem Ausspruch eines Kriegsgerichtes zu unterwerfen.