Columbus’ unermüdlicher Eifer für Entdeckungen und der Anreiz des Goldes in den Spaniern brachte sie nach der Insel Santo Domingo und nach andern Festländern Amerikas. So lange als Columbus an der Spitze der Mannschaften stand, stieß der Ehrgeiz der Expeditionäre auf einen unüberwindlichen Damm. Da er aber wieder an den spanischen Hof zurück mußte, da er sich zu neuen Entdeckungen der Unendlichkeit des Meeres überlassen mußte, ließen die widerrechtliche Besitzergreifung, der Fanatismus, die Grausamkeit und Unmenschlichkeit ihre Wuth an den unschuldigen Sonnenanbetern aus. Ohne andere Waffen als ihren Bogen und ihre Pfeile von Holz oder aus Fischgräten wagten die Indianer vergebens Zusammenstöße mit Feinden, deren Waffen, deren Mannszucht denselben so große Vortheile gewährten. Von ihren schwachen Opfern wie Götter angesehen, stimmten dieselben, bevor sie kämpften, den Sieg an und ihre Trophäen waren unmenschlich von Blut geröthet. Columbus jedoch warf die Ruchlosen zu Boden und war der Schutzengel der Indianer. Columbus aber würde der erste tugendhafte Kriegsheld sein, der nicht ein Spielball der Höflinge wäre und der schließlich nicht den Fußstapfen Belisars
nachfolgte. Die Verleumdung richtete ihre grausamen Geschosse auf ihn und nachdem man ihn in Santo Domingo in Ketten zu legen befohlen hatte, wurde er wie der Gemeinste der Verbrecher nach Spanien geführt. Ueber so ein schimpfliches Vorgehen beschämt, ließ ihn der Hof zwar frei, jedoch ohne ihn an seinen Verleumdern zu rächen und ohne ihn wieder in seine Titel und Aemter einzusetzen. Das war das Ende dieses außerordentlichen Mannes! Die öffentliche Erkenntlichkeit hätte wenigstens diesem neuen Erdtheil den Namen des kühnen Schifffahrers, der ihn entdeckte, geben dürfen, und es wäre die geringste Huldigung, die zu seinem Gedächtnisse beitragen könnte; bald aber entrissen ihm der Neid, bald die Undankbarkeit, bald die Launen des Glückes, die also über den Ruhm gebieten, das Geschenk, welches ihm das Schicksal gewährt hatte, und sprachen es Florentino Vespucci zu, der nur seinen Fußstapfen nachfolgte. Der erste Augenblick, in dem Amerika für die übrige Welt bekannt wurde, wurde mit einer Ungerechtigkeit besiegelt. Verhängnißvolle Vorbedeutung derer, deren Schauplatz jene unglückseligen Länder werden sollten!
Nach dem Falle Columbus’ und dem Tode Isabellas fingen die Insulaner an, die ganze Entsetzlichkeit des sie bedrohenden Schicksals zu fühlen. Die Religion und die Politik des sechszehnten Jahrhunderts dienten dem gottlosen Gesetze, das Ferdinand der Katholische im Jahre 1506 erließ, in welchem er die Indianer den Eroberern zutheilte, damit sie dieselben bei den Ausbeutungen der Bergwerke und bei den
allerbeschwerlichsten Arbeiten verwenden sollten, zum Vorwande. So lange wir, sagten sie sich in der freien Ausübung ihres Aberglaubens, diese Barbaren lassen, werden sie weder das Christenthum umarmen, noch dem Gehorsam den Nacken beugen. Oh! würdige Politik des sechszehnten Jahrhunderts!... Die Inseln wurden in eine Menge von Bezirken eingetheilt, und jeder Expeditionär erlangte, je nach seinem Grade, seiner Gunst oder seiner Geburt mehr oder weniger Boden, und von diesem Augenblick an waren die Indianer Sklaven, die ihrem Herrn ihren Schweiß und ihr Blut schuldeten, und diese entsetzliche Verordnung wurde, da die Krone unerhörte Abgaben über die Arbeiten an sich nahm, auf allen Niederlassungen der neuen Welt befolgt.
Die Auszügler befriedigten ihren Ehrgeiz auf einige Augenblicke; aber die schwächlichen, einer unerträglichen Arbeit nicht gewachsenen und der Härte unmenschlicher Strafen erliegenden Indianer verschwanden von ihren fruchtbaren Gefilden, und kaum blieben noch Arme dafür übrig, wann der Augenblick der Rache donnerte. Umsonst berief man sich im sechszehnten Jahrhundert auf gute Colonisationsprinzipien; umsonst flehte man die Rechte der Menschlichkeit an; das gezückte Schwert und der Name des Eroberers; das Crucifix in der Linken und die Fackel in der Rechten; die Sklaverei oder der Tod; das Christenthum oder der Scheiterhaufen; das waren sie alle die großen Grundsätze des katholischen Hofes, wie aller Höfe Europas, in dem verhängnißvollen sechszehnten Jahrhundert.
Kapitel 3.
Mexiko.
Fanatismus und religiöse Vorurtheile entschieden im sechszehnten Jahrhundert in Vielem die Schicksale der Völker, und wenn, nachdem sie verschiedenen philosophischen Systemen und verschiedenen Glaubensansichten gehuldigt, die Völker der alten Welt sich sozusagen um das Kreuz geschaart hatten, waren doch die Nationen der neuen Festländer Opfer der falschen Prophezeihungen ihrer Priester und Propheten und die religiöse Furcht trug zur Herrschaft jener Reiche so viel bei, wie der Schrecken vor den Waffen ihrer Eroberer. Ehe wir uns daher den Gestaden Perus, dem Schauplatze unseres unsterblichen Vorläufers zuwenden, werden wir über das erste von den Spaniern eroberte Festland Amerikas und insbesondere über das von dem auf immer unsterblichen Fernando Hernan Cortés eroberte, ungeheure mexikanische Reich, philosophische Umschau halten müssen. Die Reiche Mexiko und Peru vereinigen in ihren religiösen Voreingenommenheiten und in den Weissagungen ihrer Propheten viele
Berührungspunkte unter sich. Im einen wie im andern Reiche sah man großen Revolutionen, welche von Osten her kommen sollten, entgegen, und diese Aehnlichkeit der Prophezeihungen wird unsern Lesern um so mehr auffallen, da dieselben ursprünglich Religionen und Priester hatten, welche unter sich den schrecklichsten Gegensatz bildeten. In Mexiko verehrte man falsche und grausame Götzenbilder und Menschenfresser, deren Priester die heiligen Altäre mit Menschenblut bespritzten. In Peru betete man die erhabene Gottheit der Sonne an und die Priester brachten ihr im Tempel unschuldige Opfer von Früchten dar, womit sie ihre Anbeter so reichlich beschenkte. Oh! unaussprechliche Geheimnisse der Verirrungen menschlicher Vernunft!