Nach dem Tode Columbus’ gründeten die Spanier in Jamaica, Puerto Rico und Cuba bedeutende Niederlassungen und Francisco Hernandez de Cordoba und Juan Grijalda erwarben im Jahre 1517 und 1518 in Betreff des mexikanischen Reiches, über dessen Macht, dessen Ausdehnung, dessen Sitten und Gesetze etc ausgedehnte Kenntnisse.

Die öffentliche Stimme jauchzte Fernando Cortés, der damals mehr wegen seiner Hoffnungen, die er versprach, als wegen der Thaten, die er aufzuzählen vermochte, bekannt war, als dem Eroberer Mexikos zu. Stark, kräftig, beredt, kühn, verschlagen, von der ganzen Begeisterung für den Ruhm, der die erste Tugend des Helden ausmachte, beseelt, sollte Cortés die Fahne Castiliens auf den Trümmern des Thrones von Montezuma aufpflanzen. So eine schmeichelhafte Aussicht

bot, wenn nicht noch schwerere Verbrechen so großen Ruhm verdunkeln würden, der erste Held Amerikas dar.

Nachdem er die Hindernisse, welche Neid und Haß wider ihn erregten, überwunden hatte, ging er am 10. Februar 1519 mit fünfhundertachtzehn Soldaten, hundertneun Matrosen, einigen Pferden und einiger Artillerie unter Segel. So ein schwaches Heer wollte einen Feldzug von drei Jahrhunderten eröffnen! So kleine Auslagen auch so geringfügige Expeditionen verursachten, gab die Regierung doch nichts her; Alles geschah auf Kosten von Privatleuten, die sich zu Grunde richteten und unglücklich wurden, daß nur ja ihr guter Erfolg das Reich der Metropole immer mehr ausdehnen half. Von den ersten Expeditionen an hatte der Hof niemals den Plan dazu entworfen, niemals seine Schätze aufgethan, niemals Mannschaften ausgehoben; der Durst nach Gold, der abenteuerliche Geist, der dazumal herrschte, trieben die Industrie und die Thätigkeit an.

Cortés landete glücklich und griff die Indianer von Tabasco an, besiegte sie und machte sie zu seinen Verbündeten. Die nüchternsten, die an Mühen abgehärtesten, mehr wie kein anderes Volk Europas an die Witterungsverhältnisse eines brennenden Klimas gewöhnten Spanier waren damals die einzigen, welche die Beschwerlichkeiten eines Krieges in der heißen Zone ertragen und sich zu ungleichem Feldzuge rüsten konnten. Kaum erschien Cortés an der Küste Mexikos, so konnte Montezuma, der mit unumschränkter Macht

daselbst regierte, den Schrecken, der ihm in die Glieder fuhr, nicht verbergen. Diese Furcht, die einem so gewaltigen Monarchen eine Hand voll Abenteurer einjagte, sollte, außer man erklärte denn Muthmaßungen und Ueberlieferungen für genügend, jede Wahrscheinlichkeit übertreffen.

Die scheinbare oder wirkliche Bewegung der Gestirne um ihre Bahnen, die überraschenden Wirkungen der größern oder geringern Krümmungen der Erdoberfläche, die Ebbe und Fluth des Meeres und als erster Träger dieser Naturerscheinungen der ewige Streit der Elemente, stürzen die Bewohner des Weltalls in eine empfindliche Gefahr und in beständige Sorgen um ihr Schicksal. Der Aberglaube und der Fanatismus haben diese physischen Umwälzungen vergöttert und demzufolge ist auch, vor Allem bei den fühlbareren und kürzlicheren Anzeichen dieser Naturerscheinungen, der Schrecken der Völker gewesen.

Solch ein Bild bietet Amerika dar, wo die Ueberschwemmungen, die vulkanischen Ausbrüche und die großen Erdbeben in der Natur häufiger sind; ausgedehnte Meerbusen, unendliche Seen, unzählige Inseln, mächtige Ströme, sehr hohe Berge, Alles zeugt von den Schlägen, von den Trübsalen, womit die Natur diese Welt heimgesucht hat; dieser ganze Schrecken rührt von der Trostlosigkeit dessen her, daß zu allen Zeiten die Lüge Mißbrauch getrieben hat, um auf Erden zu regieren. Wie nichts geschieht, das nicht unter dem Anscheine irgend eines Sternbildes stünde,

so hat man zu den Sternen gegriffen, um das Unheil, von dem man die Ursache nicht kannte, zu erklären und die einfachsten Beziehungen der Lage von Planeten zueinander haben für den menschlichen Geist, der den Ursprung des Bösen immer in der Finsterniß sucht, bei allen Umwälzungen einen unmittelbaren und nothwendigen Einfluß.

Vor Allem wurden die politischen, als die für den Menschen allerwichtigsten Ereignisse in naher Beziehung zu den Gestirnen geglaubt. Daher die falschen Prophezeihungen und die eigentlichen Befürchtungen, welche die Welt beherrscht haben und die immer mehr zunehmen, und im Verhältniß zur Unwissenheit fest wurzeln. Diese Krankheiten des menschlichen Geistes fanden sich bereits in der neuen Welt vor und man weiß nicht, warum sich in Santo Domingo und in Peru und in anderen Regionen Nordamerikas eine Ueberlieferung zeigte, daß Fremde von Osten her kommen sollten, die jene unglücklichen Länder zerstören würden. Nicht, weil sie von unserm Dasein Kunde hatten, sondern weil, wie alle Völker der Erde, daran gewohnt, ihre ersten Blicke dahin zu richten, von wo die Sonne kommt, sie sich einbildeten, daß die sie bedrohenden Umwälzungen ebenfalls von jenem Punkte der Erde ausgingen.