Dieser Aberglaube, der einen Theil der Dogmen Mexikos ausmachte, arbeitete, gestützt auf einige kürzliche, recht sonderbare Ereignisse, mächtig in der von Natur aus unruhigen Seele Montezumas, als die

Spanier in seinen Staaten landeten. Was er im Allgemeinen von diesen Fremden befürchtete und im Besondern davon sagen hörte, verwirrte seinen zerrütteten Geist so sehr, daß er den durch die Gestirne, den Propheten seiner Nation, angezeigten verhängnißvollen Augenblick für gekommen hielt. Er schickte Abgesandte, um Cortés den Beistand, dessen er bedurfte, anzubieten und um ihn zugleich zu bitten, er möchte aus seinen Besitzungen hinausgehen; der Anführer der Spanier jedoch erwiderte stets, daß er kommen müsse, um mit dem Kaiser von Seiten des Machthabers im Osten zu sprechen. Vergebens bedrohten ihn die Kundschafter mit der riesigen Macht des Reiches, die Hartnäckigkeit führte zum Streit und Cortés, der, um zu siegen oder zu sterben, die Schiffe verbrannte, marschirte, ohne bei seinem Heereszuge auf großen Widerstand zu stoßen, auf Mexiko zu.

An den Grenzen der Republik Tlascala angelangt, bat er vergebens um Durchzug und er mußte kämpfen. Die Tlascalteken waren tapfer und mächtig, sie gingen muthig in den Tod, es fehlte ihnen nur an Waffen, um zu siegen.... Da das Land in viele Cantone eingetheilt war, befehligten Vizekönige, die man Caziken nannte: Sie stellten sich im Kriege an die Spitze ihrer Unterthanen, legten Abgaben auf, handhabten die Gerechtigkeit; ihre Gesetze und Erlasse aber mußten von dem Senate in Tlascala, der aus Bürgern, welche in Volksversammlungen in jedem Canton gewählt wurden, zusammengesetzt, der eigentliche Machthaber war, bestätigt werden.

Cortés, der diese kriegerische Nation auf Kosten von tausend Gefahren angriff und besiegte, machte dieselben, da sie den Mexikanern, die sie ihrer Herrschaft unterwerfen wollten, von früherer Zeit her feindlich gesinnt waren, durch seine Triumphe und seine Politik zu seinen Verbündeten, sodaß sie ihm Truppen und Hülfe aller Art verschafften. Mit diesem Beistand marschirte Cortés mitten durch ein von lieblichen Strömen bewässertes und mit Städten und Gärten bedecktes, reiches Land. Das an unbekannten Pflanzen fruchtbare Gefilde, die voller Vögel mit prächtigem Gefieder bevölkerte Luft, die angenehme und herrliche Natur, die gemäßigte Atmosphäre, der heitere Himmel, die in farbigem Blumenschmucke prangenden Fluren, Alles athmete Unschuld, Fröhlichkeit und Zauber. Aber so viele Schönheiten rührten die Auszügler in Nichts, sie waren unempfindlich für ein derartig neues Schauspiel; sie sahen blos, wie das Gold zur Verzierung der Häuser und Tempel, zur Verschönerung der Waffen der Mexikaner und dazu diente, mit seinem Gewichte die Schönheit zu ermüden und der Ehrgeiz verzehrte ihre Sinne und sie sehnten sich nur nach Gold.

Montezuma sah mit Schrecken, daß Cortés nicht davon abließ, an seinen Hof zu kommen, und seine von Betrachtungen niedergeschlagene Seele dachte nicht an die Mittel der Vertheidigung. Er befahl über dreiunddreißig Caziken, die mächtige Heere ausgerüstet hätten. Seine Reichthümer waren unermeßlich, seine Macht unumschränkt, sein Volk geschickt und fleißig, und wie damals die Europäer, kriegerisch und ehrenhaft.

Wenn er seine Macht in Bewegung gesetzt haben würde, sicherte er seinen Thron; aber Montezuma, der das Scepter durch seine Tapferkeit erlangt hatte, zeigte, als er trotz ihrer Waffen und ihrer Mannszucht mit seiner ganzen Macht hätte über die Feinde herfallen und sie vernichten können, nicht die geringste Geistesgegenwart und er zog es vor, die Treulosigkeit gegen sie anzuwenden.

Während er sie in Mexiko mit Geschenken und Liebkosungen überhäufte, beabsichtigte er, um den Rückzug zu sichern oder Unterstützungen zu empfangen, sie in Veracruz, einer von den Spaniern gegründeten Niederlassung, zu nehmen. Cortés, der es erfuhr, schreckte seine Gefährten auf. »Wir müssen,« so sagte er zu ihnen, »diese Barbaren mit einer überraschenden That in Verwunderung setzen; ich habe beschlossen, den Kaiser zu ergreifen und mich seiner Person zu bemächtigen.« Nachdem die Absicht gut geheißen und von seinen Offizieren ausgeführt worden war, ging er zum Palast des Kaisers und deutete ihm die Wahl zwischen Tod oder ihnen zu folgen an. Aus einer Niederträchtigkeit, die der Verwegenheit seiner Feinde gleich kam, ließ sich dieser Fürst gefangen nehmen, er verurtheilte die Generäle, die ihm nur Gehorsam erzeigt hatten, zum Tode und huldigte dem König von Spanien.

Der Neid hatte Cortés’ Feinde erregt und Narvaez landete auf Geheiß der Regierung mit bewaffneter Macht an der Küste von Veracruz, um ihn seines Befehles zu berauben. Cortés suchte seinen Gegner auf,

brachte ihm eine Niederlage bei und nahm ihn gefangen, und da er durch sein Zutrauen und seinen Edelmuth die Soldaten anzog, vergrößerten die Streitkräfte Narvaez’ seine Reihen, und er kehrte nach Mexiko zurück, woselbst er zweihundert Mann als Wache bei dem Kaiser zurückgelassen hatte.