Die Mexikaner hatten nichts Barbarisches als ihren Aberglauben, ihre Priester jedoch waren Ungeheuer, die mit dem abscheulichen Gottesdienste, den sie der Leichtgläubigkeit des Volkes aufgedrungen hatten, grauenhaften Mißbrauch trieben. Sie anerkannten statt diesen nutzbringenden Lehren von Gemeinheiten und Entsetzlichkeiten ein höchstes Wesen, ein zukünftiges Leben mit seiner Belohnung und Bestrafung. Mit Abschluß eines jeden Jahrhunderts erwarteten sie das Ende der Welt und in jenem Jahre gaben sie sich ganz der Fröhlichkeit und Freude hin. Sie beteten Schutz- und Halbgötter an, kannten Sühne und Bußen, zählten Wunder auf und hatten Propheten.

Die Priester, stets Menschenfresser, ließen auf den Altären Menschenopfer verbluten. Sie brachten die Kriegsgefangenen im Tempel des Gottes der Schlachten dar und die Priester aßen von denselben und schickten dem Kaiser und den Vornehmsten des Reiches Stücke. Wenn der Frieden lange Zeit andauerte, sagten die Priester zum Kaiser, daß die Götter Hungers stürben, und es wurde aus dem einzigen Grunde Krieg erklärt, um Gefangene zu machen und sie dann auf den Altären hinzumorden. Alle diese Bräuche waren schaurig

und blutig; die gräßliche, entsetzliche Religion stürzte die Menschen in Schrecken und mußte sie unmenschlich und die Priester allmächtig machen.

Indeß sich Cortés mit Narvaez schlug, war der mexikanische Adel über die Gefangennahme ihres Fürsten und ob des Uebereifers der Spanier, welche bei einem Feste zu Ehren der Götter des Landes die Altäre umstürzten und die Anbeter und Priester niederhieben, entrüstet; Alles hatte das Volk zu den Waffen aufgefordert. Man konnte den Eindringlingen ihren Widerspruch gegen so barbarische Glaubenslehren nicht zum Verbrechen machen, wenn sie dieselben nur nicht zerstört hätten, indem sie über das wehrlose Volk herfielen, um es umzubringen, und wenn sie nicht die Adeligen ermordet hätten, um sie zu berauben.

Bei der Rückkehr Cortés’ nach Mexiko fand er seine Gefährten auf das Aeußerste bedrängt und nach harter Anstrengung betrat er ihr Lager. Die Mexikaner thaten Wunder der Tapferkeit und Montezuma, der hinaus ging an die Mauer, um sie von dem guten Einverständniß mit ihren Unterdrückern zu überzeugen, starb von den Pfeilen seines Volkes getroffen. Cortés erkannte die Nothwendigkeit, sich zurückzuziehen; seine mit Gold beladenen Soldaten konnten sich nicht Alle dem Rückzuge anschließen und es kamen viele im Thale von Otumba um; Allen drohte der Tod, endlich aber gelangte der tapfere und mächtige Cortés in das Land der Tlascalteken, seiner Verbündeten.

Das politische System und die religiösen Anschauungen hatten die Zwietracht in dem Reiche gesät

und geschickt wußte Cortés aus diesem Vortheil Nutzen zu ziehen. Mit geringen Unterstützungen von den spanischen Inseln und einigen Truppen, die er von der Republik Tlascala erlangte, machte er neue Verbündete und griff die Hauptstadt des Reiches abermals an. Mexiko war eine in Mitten eines großen Sees gelegene Insel, welche zwanzigtausend Häuser, ein zahlreiches Volk und prächtige Gebäude enthielt. Gärten, Springbrunnen, Bäder, Verzierungen, prächtige Tempel, dreitausend Cazikenpaläste, Alles gab der Hauptstadt eine ungeheure Ausdehnung. Rings um den See herum waren an die sechszig Städte; zweimalhunderttausend Canoes durchschifften die Wogen und unterhielten einen lebhaften Verkehr, und solid angelegte Kunststraßen machten den Stolz mexikanischen Gewerbefleißes aus. Das Reich war wählbar, und nach dem Tode Montezumas bestieg Guatimazin den Thron, ein tapferer und verwegener Krieger, der die Hauptstadt in einen glänzenden Vertheidigungszustand setzte.

Cortés fing den Feldzug damit an, indem er sich der Caziken versicherte, welche in den Städten an den Ufern des Sees regierten. Etliche vereinigten ihre Truppen mit denen des Siegers, die andern wurden überwältigt und Cortés bemächtigte sich der drei Hauptverkehrsstraßen Mexikos. Er wollte sich ebenfalls der Schifffahrt auf dem See bemächtigen; er ließ Briggen herstellen, die er mit einem Theile seiner Artillerie ausrüstete, und so Mexiko beschießend, hoffte er, der Hunger würde ihm das Reich der neuen Welt übergeben.

Guatimazin machte außergewöhnliche Anstrengungen, um die Blokade aufzuheben; seine Vasallen kämpften wüthender denn je, die Spanier aber unterhielten ihre Laufgräben und jagten und verfolgten den Feind bis in das Innere der Stadt hinein.