Als die Mexikaner den Sieg bezweifelten und es ihnen bereits an Lebensmitteln fehlte, wollten sie wenigstens ihren Kaiser retten, der gerne hierin einwilligte, um den Krieg im Norden seiner Staaten fortzuführen. Ein Theil des Heeres ging, um ihm den Rückzug zu erleichtern, den Feind zerstreuend und ihm zu schaffen machend, muthig in den Tod; aber eine Brigg bemächtigte sich des Bootes, worin der großmüthige und unglückliche Herrscher war. Julian Alderete, ein spanischer Offizier, glaubte, daß Guatimazin geheime Schätze berge, und um ihn zu einem Geständniß zu nöthigen, ließ er ihn auf glühende Kohlen legen. Da wiederholte der amerikanische Held jene berühmten Worte: »Ha, ich bin in einem Bett voll Blumen!« Ein Tod, der mit allen denen, welche die Geschichte der Bewunderung der Menschen übermittelt hat, zu vergleichen ist. Wenn die Mexikaner eines Tages die Lebensbeschreibungen ihrer Märtyrer und die Geschichte deren Verfolger aufstellen, so wird man Guatimazin sehen, wie er halbtodt aus einem glühenden Ofen herausgezogen und unter dem Vorwand, es auf seine Zerstörer abgesehen zu haben, öffentlich auf drei Jahre hin gehenkt wird.
Bei willkürlichen Regierungen zieht der Tod oder die Gefangennahme des Herrschers und die Einnahme
der Hauptstadt allgemein die Unterwerfung des ganzen Staates nach sich. So war es mit der Eroberung von Peru. Das ganze Reich unterwarf sich den Spaniern, deren Ehrgeiz, obschon es fünfhundert Meilen in der Länge und beinahe zweihundert in der Breite hatte, immer noch nicht befriedigt war. Neue Welten, neue Reiche, andere Helden, andere Siege sollten an den glorreichen Thron Castiliens neue Welten hinzufügen.
Kapitel 4.
Pizarro, Luque und Almagro.
Sobald Columbus seine geringen Mannschaften auf der Insel Santo Domingo verstärken und eine kleine Niederlassung gründen konnte, die ihm als Vorposten für seine großen Ausflüge diente, worüber er nachdachte, ging er, seinem Drängen nachgebend, von Neuem unter Segel. Bei einem seiner Forschungszüge entdeckte er den Orinoko, und bei einem andern die Bai von Honduras. Er begriff, daß jene Länder ein Festland bildeten, und schloß auch daraus, daß weiterhin noch ein Ocean sein müsse, der die Gestade Ost-Indiens bespülte, und daß die beiden Meere unter sich in Verbindung ständen, welche der kühne Schifffahrer begierig suchte. Er sondirte die Küsten, landete, wenn es ihm möglich war, und stets gerecht und menschlich erwarb er sich die Liebe der Bewohner aller Länder. Die Landenge von Darien zog insbesondere seine Aufmerksamkeit auf sich; er folgte den Strömen nach, die sich hier in einen Zufluß des Oceans ergießen, der die Meere von Nord- und Südamerika
durch eine Meerenge verband, und er glaubte seinen Plan bereits verwirklicht; sah jedoch seine Hoffnungen getäuscht und beschränkte sich darauf, eine Niederlassung zu gründen. Aber die Habsucht und die Unvorsichtigkeit seiner Gefährten vereitelten ihm den guten Willen jener Bewohner, welche die Auszügler angriffen, und Columbus mußte sich wieder einschiffen und auf seinen schwachen Fahrzeugen, die, beschädigt und geborsten, zu keinen Unternehmungen mehr taugten, entfliehen.
Diese Expeditionen waren jedoch nicht fruchtlos. Americ, Ojeda, Nino, Bastidas und andere verfolgten die Richtung, die ihnen Columbus angegeben hatte; Abenteurer aber, welche von der Regierung nichts erhielten, als die bloße Erlaubniß, Entdeckungen zu machen, dachten weder daran Kolonieen zu gründen, noch an etwas Anderes, als ihren Ehrgeiz und ihren Hochmuth zu befriedigen. Das Gold und das Blut flossen von einer Welt zur andern. Unter der Menge von Abenteurern, die jene unglücklichen Küsten plünderten und verheerten, befand sich ein Mann, Vasco Nunez de Balboa, dem die Natur ein angenehmes Aeußere, einen kräftigen Körperbau und volksthümliche Beredsamkeit verliehen hatte, und in dem die Erziehung edle Gefühle hatte keimen lassen. Er gründete in Darien, wo Ueberfluß an Reichthümern war, eine Kolonie. Eines Tages aber, als er mit einem seiner Genossen Gold vertheilte, fingen sie heftig an zu zanken. Da zog ein Wilder, der sie bediente, entrüstet die Wage weg, indem er zu den beiden Spaniern sagte: »Und so einer verächtlichen Sache wegen zankt ihr?« Wenn