ihr dieses feilen Goldes halber euer Vaterland verlaßt, um die Ruhe so vieler Völker zu stören, kommt, ich will euch dahin bringen, wo ihr gesättigt werden sollt. Er hielt sein Wort und führte sie an die Küste des südlichen Meeres.
Panama, das im Jahre 1518 gegründet wurde, eröffnete der Unruhe und Habgier der Europäer eine neue und ausgedehnte Laufbahn. Der Ocean, der seine Mauern bespühlte, führte nach Peru, dessen Reichthum man nur auf eine flüchtige Art erwog, und obschon die Kriegsmacht dieses großartigen Reiches übertrieben wurde, schüchterten sie die Habgier, die seine Schätze erregten, doch nicht ein. Drei in Niedrigkeit aber für große Unternehmungen geborene Männer dachten darüber nach, auf ihre Kosten einen Thron zu stürzen, der viele Jahrhunderte des Ruhmes zählte.
Francisco Pizarro, der bekannteste unter ihnen, war von kräftigem Körperbau, unerschrockenen Muthes und von einem grenzenlosen Ehrgeiz und einer Seele, zur Tugend und zum Verbrechen geneigt. Von nerviger und riesenstarker Muskulatur, mit langem schwarzen Barte, der seine breite Brust bedeckte, von würdevoller und ungezwungener Gestalt, großen, schwarzen funkelnden Augen, nahe an den vierziger Jahren, zeigte seine ganze herausfordernde Haltung jene unwiderstehliche Anmaßung an, die von den eigenen Kräften herrührt. Immer furchtlos und thätig, war er bei allen Expeditionen der neuen Welt zugegen gewesen, und in allen hatte er sich ausgezeichnet, und in allen war der Name Pizarros geachtet. Der Gebrauch, den er von seinen
physischen und moralischen Kräften gemacht hatte, flößte ihm den Dünkel ein, daß es nichts Höheres gebe als ihn selbst, und die Eroberung Perus schien ihm ein, seinen Hülfsquellen nach, weit geringeres Unternehmen zu sein.
Diego de Almagro, sein Genosse, war ein in Stürmen und Gefechten abgehärteter Krieger, und immer nüchtern, unermüdlich und geduldig, verachtete er die Gefahren und zog, mit den wenigen Tugenden des sechszehnten Jahrhunderts geschmückt, muthig in den Sieg. Von zierlicher, schlanker Gestalt, rundlichem, hübschem Aussehen, und lebhaften, weitgeöffneten Augen, bildete er, kaum vierundreißig Jahre, die Vereinigung einer stattlichen, mehr wegen seiner Geschicklichkeit in der Handhabung der Waffen, als wegen den außergewöhnlichen Kräften, die er erreichte, bemerkenswerthen Person. So beträchtlich aber das Glück dieser beiden Soldaten war, so genügte es doch nicht, den Aufmerksamkeiten der ausgedehnten Eroberung, die sie im Sinne hatten, gerecht zu werden, und sie verbanden sich noch mit Fernando Luque, einem habsüchtigen Geistlichen, der mit allen Mitteln, die der Aberglaube seinem Stande im sechszehnten Jahrhundert verlieh, verschwenderisch ausgestattet war. Im Alter von fünfzig Jahren, klein und bucklig, mit einer großen Adlernase, schwarzen, buschigen Augenbrauen, tiefliegenden Augen und ungestalten Zügen, war Luque eine abschreckende und sogar ekelhafte Persönlichkeit. Diese drei berühmten Männer bildeten, indem Pizarro und Almagro den militärischen und Luque den religiösen Theil auf sich
nahm, eine zu gleichen Theilen feierliche Verbindung zur Eroberung Perus. Sie sollten das peruanische Reich unter sich vertheilen, und dieser ehrgeizige Plan wurde, indem Luque öffentlich eine Hostie weihte, die für ihn und seine Gefährten in drei Theile getheilt wurde, noch durch den Fanatismus besiegelt; und eine Vereinigung, die Plünderung und Zerstörung zum Zwecke hatte, wurde im Namen des friedlichen Gottes bestätigt, indem sie bei dem göttlichen Blute schwuren, sich trotz Strömen von Menschenblutes zu bereichern. Oh, verbrecherischer Mißbrauch des Christenthums im sechszehnten Jahrhundert!
Am 14. November 1525 ging Pizarro mit einem schwachen Fahrzeug und hundertzwölf Mann an Bemannung und Waffen endlich unter Segel; Almagro sollte ihm Verstärkungen zuführen, und Luque blieb, bis daß der Ehrgeiz die drei Genossen in den Thälern Perus vereinigte, um sehnlichst ihre Beute zu vertheilen, an der Spitze der Beziehungen in Panama. Ohne genaue Kenntnisse über die Theorie der Winde und der Strömungen irrte Pizarro siebzig Tage lang auf den Wogen umher, bis er endlich an verschiedenen Gestaden des Festlandes anfuhr und sich von der Unannehmlichkeit des Landes, das ihm schon Andere so wahr geschildert hatten, überzeugte. Flaches, sumpfiges Erdreich, von undurchdringlichen Wäldern bedeckte Gebirge, wenige und dafür um so wildere und tapferere Einwohner, das war es, was sein Ehrgeiz entdeckte. Der Hunger, die Müdigkeit, die häufigen Kämpfe mit den Eingebornen des Landes und mehr noch die
den feuchten Ländern allgemein eigenen Krankheiten schwächten und zerstörten beinahe sein verächtliches Expeditionsheer, und er sah sich genöthigt, an der Insel Cuchamá, der Perleninsel gegenüber, zu landen, woselbst er von Panama Verstärkungen und Vorräthe zu empfangen hoffte.
Inzwischen ging auch Almagro, der in Panama Leute vereinigte, mit sechszig Mann unter Segel, um seinen Gefährten aufzusuchen und ihm Hülfe zu leisten. Vergebens landete er, dem Aufenthaltsort Pizarros nachspürend, ebenfalls mehrere Male auf festem Boden; die Indianer griffen ihn an und vernichteten ihn; und vertrieben und sogar verwundet, die gleichen Gebrechen wie sein Gefährte ertragend, fand er sein Heil in der Flucht, das Schicksal aber führte ihn nach Cuchamá, wo ihn sein Freund erwartete. Am 14. Juni war es, als die ersterbende Mannschaft Pizarros ein Fahrzeug jene unbekannten Meere durchfurchen sah, und beim Flattern der Fahne Panamas bemächtigte sich der entmuthigten Herzen gegenseitig ein göttliches Entzücken und nach langen Monden entstand der Trost in den geängstigten Gemüthern. Nach stummer Umarmung trösteten sie sich, einander ihre traurigen Abenteuer und erlittenen Schiffbrüche erzählend, und jeder tiefe Seufzer, den sie ausstießen, ergoß eine unüberwindliche Tapferkeit in ihre Seele.
Weder die Erinnerung an die Gefahren noch der Anblick des Todes an unbekannten und düstern Gestaden entmuthigten jene für große Unternehmungen geborenen Seelen. Almagro brach in der Absicht,