neue Anwerbungen zu machen, nach Panama auf und Pizarro überließ sich, auf der Suche nach dem Goldlande, abermals der Ungunst der Winde. Nachdem er dieselben Trübsale wie bei seinem ersten Auszug erlitten hatte, segelte er längs der Bucht von San Mateo an der Quitoküste hin und landete in Tamanes, fruchtbareren und civilisirteren Gegenden, als diejenigen, welche er an der Küste des südlichen Meeres erkannt hatte. Er folgte dem Laufe seiner Nachforschungen, als der fürsorgliche Himmel, seine Schleußen öffnend, dem Donner und den Blitzen gebot, das schwache Fahrzeug, die Ueberbringerin so vielen Schreckens, zu begraben, und die Blitze kreuzten sich und die Wogen brüllten mit Entsetzen und zerschellten das gebrechliche Schiff. Ein gnädiges Schicksal bot den Schiffbrüchigen die nahe Gorgona- oder Hölleninsel an, wo der größte Theil derer, die Himmel und Meer zum Tode zu verdammen schienen, sich retten konnte.
Auf dieser wegen der Unbeständigkeit ihres Klimas, ihrer undurchdringlichen Wälder und ihrer abschüssigen Gebirge, wegen der Unmenge von Insekten und Thiere, die ihren Boden bedecken, wegen der ewigen Nacht, wozu sie die dichten Nebel verdammen, allgemein die Hölleninsel genannten Insel, hielt sich Pizarro, nicht um aufzuathmen und an seine Rettung zu denken, sondern um sein Schiff wieder in Stand zu setzen und neue Gefahren aufzusuchen, fünf Monate lang auf. Es wäre schwierig, die Qualen zu schildern, welche die Spanier an jener Stätte des Todes zu erdulden hatten;
aber ihre Kraft war noch nicht gebrochen, sie gingen zum dritten Mal auf die Suche nach reichen Gestaden aus und entdeckten am zwanzigsten Tage die Küsten von Peru.
Nachdem er verschiedene unbedeutende Punkte berührt hatte, landete er in Tumbez, einer unter dem dritten südlichen Grade des Aequators gelegenen, ziemlich bevölkerten Stadt, wo sie einen großen Tempel und einen Palast der Inkas, der Beherrscher jenes Landes, vorfanden. Hier bewunderten die Spanier, da sie eine bevölkerte und mit Industrie betriebene Gegend und die Eingebornen anständig gekleidet sahen, zum ersten Mal den Anblick der Ueppigkeit und Civilisation des peruanischen Reiches; insbesondere aber zog ein solcher Ueberfluß an Gold und Silber die Aufmerksamkeit auf sich, daß diese Metalle nicht allein zur Verzierung der Tempel, sondern auch als gewöhnliche Gefäße und Geräthschaften zu häuslichem Gebrauche dienten, was keinen Zweifel ließ, daß in dem Lande ein ungeheurer Ueberfluß sein mußte. Pizarro und seine Gefährten hielten ihre Hoffnungen bereits für verwirklicht, sie zweifelten nicht, sie glaubten im Besitze ausgedehnter Gebiete und unerschöpflicher Schätze zu sein.
Pizarro jedoch erkannte, daß er ein großes Reich nicht mit einer so schwachen Kolonne bedrängen konnte; er unterdrückte seinen Ehrgeiz, untersuchte, in der besten Eintracht mit den Bewohnern lebend, die Küsten und erlangte von deren Großmüthigkeit für tausend Aufmerksamkeiten einige Hausthiere, einige silberne und
goldene Gefäße und einige Werke der Industrie; sichere Proben, die er als Beweis der Entdeckung der neuen Continente vorzulegen gedachte, und er segelte nach Panama, woselbst er nach dem dritten Jahre seiner Abfahrt landete. Nein, kein Abenteurer hat so viele Drangsale erlitten, noch so vielen Gefahren getrotzt, wie Pizarro auf seiner dreijährigen Pilgerfahrt, und seine Geduld und seine Tapferkeit übertrafen alle Heldenthaten, die uns die Geschichte der neuen Welt aufweist.
Weder die Beziehungen, die Pizarro mit den von ihm entdeckten Ländern unterhielt, noch alle Anstrengungen der Verbündeten vermochten den Statthalter von Panama zu verpflichten, daß er ihnen irgend welchen Schutz angedeihen ließ; im Gegentheil, er glaubte, daß die Colonie nicht im Stande war, ein mächtiges Reich zu überfluthen, und er weigerte sich, eine Expedition zu ermächtigen, welche die seinem Befehle übertragene Provinz, ihr so die Arme, deren sie benöthigte, entreißend, zu Grunde richten könnte; sein Widerspruch aber vermochte den Eifer der drei Genossen nicht zu schwächen. Sie wußten, daß sie der Ausführung ihres Planes ohne den Schutz des Statthalters folgen, oder aber von ihrem Landesherrn die Erlaubniß, die ihnen vom Verwalter der Provinz verweigert wurde, einholen mußten, und Pizarro flog nach Madrid, um ihre gemeinschaftlichen Wünsche zu erlangen.
Die ausführliche Geschichte seiner Leiden und die schwülstigen Berichte, welche er über die von ihm
entdeckten Länder abgab, bestätigt durch die von Tumbez mitgebrachten Erzeugnisse, machten auf Karl und seine Minister einen derartigen Eindruck, daß sie nicht nur den Plan einer neuen Expedition bewilligten, sondern den Anführer noch dazu ermunterten, dieselbe zu verwirklichen. Pizarro wurde zum Statthalter und Oberbefehlshaber ernannt, und über alle Länder, die er entdeckte, mit einer sowohl in Civil- als in Militärsachen unumschränkten Vollmacht mit allen bis dahin den Eroberern der neuen Welt zugestandenen Vorrechten ausgestattet; Almagro zu seinem Stellvertreter und Luque zum Generalverweser aller Besitzungen Pizarros. Mit so gutem Erfolge am spanischen Hofe kehrte er von Neuem nach Panama zurück, um sich mit seinen Genossen zusammen zu thun und um die letzten Anstrengungen zu machen.
Trotz alledem fehlte es ihnen bereits an Geld, und obschon sie ungeheure Opfer brachten, vereinigten sie nur drei kleinere Fahrzeuge und hundertfünfundneunzig Soldaten mit siebenunddreißig Pferden; eine solche Ueberlegenheit flößten jedoch den Spaniern damals ihre Siege in Amerika ein, daß Pizarro nicht daran zweifelte, das mächtige Reich, das durch seinen Ehrgeiz und seine Habsucht geplündert werden sollte, mit einer so schwachen Truppenmacht anzugreifen. Im Februar 1671 ging er unter Segel, und von der Gewalt der Winde und Strömungen getrieben, gedachte er in der Bucht von San Mateo zu landen; er wandte sich aber, ohne vom Ufer abzulassen, nach Süden, um mit desto größerer Leichtigkeit den Entsatz, den er von