Dem Kriegshelden wurde von einem Geistlichen beigestanden, der ihn unter traurigen Bräuchen auf den Tod vorbereitete, und ruhig erfüllte Almagro die christlichen Pflichten. Das Bild Coyas kam ihm keinen Augenblick aus dem Sinne, und in den letzten Augenblicken schrieb er ihr, um sie zu trösten: »Entsetzliche Bösewichte schleppen mich zum Schaffot, und ich sterbe, deine Liebe athmend, Coya verehrend: Mein Gewissen ist ruhig; obschon einer der Eindringlinge deines Vaterlandes, sterbe ich mit dem Troste, daß sich kein Peruaner meines Namens mit Schrecken erinnern wird. Lebe wohl, angebetete Coya, liebe den Gott der Christen, und in den Wohnungen der Gerechten werden wir uns wieder unsere Arme ausstrecken. Lebe wohl, ich bete dich an, ich bin deiner Liebe zum Opfer gebracht; aber ich liebe dich bis an das Grab«. Nachdem Almagro seine Schulden gebeichtet hatte, empfing er das Abendmahl, und bereitete sich mit der ganzen Ruhe einer großen Seele vor, zum Blutgerüst zu gehen.

Noch brach der neue Tag nicht an, als schon einige spanische Reiterschaaren ohne kriegerische Instrumente hinauszogen, um das Viereck zu bilden, wo der

edle Krieger aushauchen sollte. Soto und andere vom Statthalter in’s Vertrauen gezogene Offiziere befehligten das Geleite; Benalcazar und die hauptsächlichsten Ergebenen Almagros waren außerhalb der Stadt, und das Volk wußte nichts von dem grausamen Urtheil. So groß war die Dunkelheit und die Schnelligkeit, mit der es verhängt wurde! Todtenstille lag über Cuzco und der Flur; und unter Nacht und Grausen brach die Morgenröthe hervor, und die Ruhe schien verbürgt. Schon erschien das Opfer unter starker Bedeckung, und von dem grausamen Schauspiel fliehend, verbarg sich die Sonne hinter schweren Wolkenstreifen, die Erde in dichte Finsterniß versunken zurücklassend. Der Statthalter hielt es für gerathen, der Hinrichtung nicht persönlich beizuwohnen, und er anempfahl sie Soto; und von Priestern umgeben, ohne daß man ihm gestattete, seine Stimme an seine Gefährten zu richten, stimmte Almagro bereits mit Inbrunst die ersten Worte des Credo an, und der Tod streckte seine Krallen nach ihm aus, als wie ein vom Himmel herabgestürzter Strom Coya mit tausend Kriegern über die barbarischen Henkersknechte herfiel.

Die Spanier schliefen im Vertrauen, die Ueberraschung war schrecklich; Coya, um ihren Abgott zu retten, war ein rasender Sturmwind; Pizarro fehlte an der Spitze seiner Gefährten; die Spanier geriethen in Unordnung und Coya entriß ihren geliebten Almagro aus deren Krallen. Von den Priestern, welche ihn am nächsten umstanden, waren viele ein Opfer der Tapferkeit der Peruaner, und obschon ihnen der wilde

Soto eine große Niederlage beibrachte, waren ebenfalls viele Spanier Opfer auf dem Felde der Ueberraschung. Die Bewegung theilte sich der Stadt mit; mit Blitzesschnelle flog der Statthalter an den Ort der Gefahr, es war aber bereits spät, Almagro und Coya entkamen auf schnellen Pferden, und die Peruaner begruben sich von Neuem zwischen den Unwegsamkeiten des Gebirges.

Kapitel 23.
Die Anden.

Coyas Ueberraschung und die Rettung Almagros erfüllte, weil kein Mensch sich so ein außergewöhnliches Ereigniß genügend erklären konnte, Luque, Pizarro und alle Eindringlinge, und insbesondere die militärischen Oberhäupter, welche den Kriegsrath gebildet hatten, mit Schrecken und Bewunderung. Eine zahlreiche unter dem Befehl Benalcazars stehende Sondertruppe beobachtete, wie wir bereits angegeben haben, die Abtheilung Coyas und lähmte und verunmöglichte alle ihre Bewegungen; und die Gefangennahme, Verurtheilung und Hinrichtung Almagros war mit so großer Schnelligkeit und so undurchdringlichem Geheimniß gehandhabt worden, daß es kein Mensch in der Stadt erfahren hatte und noch weniger auf dem Lande hätte erfahren können.