Almagro arbeitete unermüdlich Tag und Nacht; er hielt die Peruaner in steter Thätigkeit; aus Allem zog er Hülfsquellen, und zu Allem wurde er durch die Blicke seiner Coya aufgemuntert. Die Anden liehen ihm in ihrem Schooße so viele Hülfsmittel, als er zu den Verarbeitungen bedurfte; die reichsten und überflüssigsten kleinen Pfützen warfen für sich allein das Eisen, den Schwefel und aller Art von Metallen aus, und die Gipfel der Berge schienen die Stätte Vulkans zu sein. Huascar seinerseits, der sich der Liebe der Peruaner erfreute, hielt die sicherste Kundschaft; thätige Werber, welche der Wachsamkeit der Staatsbeamten entwischend, die schmeichelhaftesten Hoffnungen unter die unglücklichen Sklaven verbreiteten, durchzogen alle Provinzen, und

belebten die Auswanderung nach dem Gebirge, und im ganzen Reiche gährte ein heftiges und verborgenes Feuer, das dem Scharfblick des Statthalters und aller Eindringlinge entging, das aber eines Tages wie ein rasender Vulkan losbrechen sollte.

Almagro war die Triebfeder aller Unternehmungen und das Bollwerk der Freiheit Perus; aber Almagro war ein Christ und Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts, und lebte unter Götzendienern, und dies war ein unüberwindliches Hinderniß. Freilich hatten ihn seine Tugenden im ganzen Reiche verehrt gemacht, und ein tugendhaftes Wesen empfiehlt die Religion, die es verehrt, für sich allein; aber die Christen hatten das Land mit Blut überschwemmt, und mit Schrecken sahen dessen unschuldigen Bewohner die Religion, welche zerstörerische Menschen zu Anhängern zählte. Sich seiner Stellung und seines Ansehens bedienend, dachte Almagro daran, Proselyten im Gebirge zu machen: Seine erste Sorge war eine Klause zu erbauen, worin er so viel als möglich dem wahrhaftigen Gott Anbetung erwies, und er machte, daß Coya ihn bei allen frommen Handlungen begleitete, und machte endlich bekannt, daß Coya das Christenthum umarmt hatte. Weder Huascar noch die Peruaner konnten sich diesem Betragen widersetzen, noch Coya anklagen; Almagro war mit ihren Interessen verschmolzen; Almagro war ihre Zukunft und ihre Hoffnung; sie vermochten seinen Wünschen selbst im Allergeringsten nicht zu widersprechen; Almagro setzte sie mit seinen Tugenden in Erstaunen, und auf dem Gipfel der Anden gab es eine

Klause Christi’s und einen Sonnentempel. Las-Casas, ein ehrwürdiger, christlicher Priester, durch sein Wissen wie durch seine Tugenden gleich ausgezeichnet, litt grausame Verfolgungen von seinen Gefährten, weil er sich ihren Plänen der Zerstörung widersetzte, und von derselben Gemüthsart wie Almagro, vereinigte sie die innigste Freundschaft. Der Krieger konnte ihm heimlicherweise eine Nachricht hinterbringen, indem er ihm versicherte, daß es für das Christenthum von der größten Wichtigkeit sei, daß er an seiner Seite stände im Gebirge, und Las-Casas zweifelte keinen Augenblick; er flüchtete sich in die Anden, und die Klause Almagros hatte den ehrwürdigsten Priester. Von jenem Augenblick an dachte man mit Inbrunst an die Verkündigung des Christenthums; Almagro und Las-Casas waren die Vorbilder der reinsten Tugenden; weit entfernt von Dolch und Scheiterhaufen, waren das Beispiel und die Ueberzeugung ihre Waffen. Täglich predigte der ehrwürdige Las-Casas in seiner Klause über die Unsterblichkeit der Seele, die Reinheit der Religion Jesus, die ewige Belohnung der Tugenden, und über die ewige Bestrafung der Vergehen jener Handlungen, welche dem Bereiche der bürgerlichen Gesetze entgingen. Er schilderte einen gerechten die Gewissen beherrschenden Gott der Wahrheit, aber nur in seinen Privatansprachen trat er auf die Auslegung der Wunder und Mysterien ein, er wollte nicht von begrenzten Verstandeskräften riesenhafte Anstrengungen fordern, und unmerklich bereiteten sich die Gemüther zur Annahme des Christenthums vor.

Der erste Neubekehrte, um den sich die Christen bemühten, war, als Inka und Herrscher des Reiches, Huascar; aber trotz der Verehrung, welche er für Almagro und den Priester hatte, hielt er sich für einen Sohn der Sonne, und war wenig geneigt, den Glauben seiner Väter zu verlassen: Andrerseits sah er, daß ein übereilter Schritt die Liebe seiner Unterthanen in Abscheu vertauschen könnte, und Huascar betete trotz der Bekehrung Coyas und den Ermahnungen der Christen die Sonne an; sie erlangten aber endlich, daß er seinen Unterthanen vollständige Freiheit gewährte, den Cultus zu bekennen, den ihnen ihre Vernunft vorschrieb, und viele empfingen, nicht aus Furcht, sondern aus Ueberzeugung getrieben, das Wasser der Taufe.

In Vericochas, wie in allen Sonnenpriestern, brannte unauslöschlich das Feuer des Fanatismus, das gemeiniglich die Herzen der Diener aller Religionen verzehrt. Der Sonnencultus ergoß freilich die Erhabenheit und die Lieblichkeit seiner Glaubenslehren in die Seelen, aber dessen Priester trieben ihre Tugend nicht bis zur Duldung, andere Glaubenslehren noch andere Culte möglich zu finden; mit Entrüstung sahen sie die in den Anden erbaute christliche Klause, und verbreiteten unter die Peruaner die Besorgnisse, welche ihre Einbildung aufregte, wenn sie den Gott des Tages erzürnt glaubten. Als Vericochas die Bekehrung Coyas erfuhr, als er sich davon überzeugte, daß es unmöglich war zu verhüten, daß Almagro das Christenthum ausbreitete, und Las-Casas das Evangelium predigte, als er die Neubekehrten gewahrte, die sie machten, und endlich

selbst Huascar schwanken sah, bemächtigte sich seines Herzens eine düstere Traurigkeit, und unablässig, in Thränen versunken, vor dem Sinnbilde der Sonne knieend, bat er seinen Gott, dem Reiche sein wohlthätiges Feuer und sein belebendes Licht nicht zu versagen. Seine Thränen und seine tiefe Schwermuth zehrten sein Leben sichtlich auf, und in Kürze bezahlte er der Natur seinen Tribut. Sein Tod wurde, wie man den Tod des Gerechten beweinen soll, durch das ganze Reich beweint; bei seinem Begräbniß entfaltete man die ganze Herrlichkeit des Cultus, und seine Büste wurde im Tempel zwischen den Bildnissen der Schutzgötter Perus beigesetzt.

Inzwischen betrieb man die Vorbereitungen zum Kriege mit erstaunlicher Schnelligkeit; die in das Gebirge Geflüchteten beliefen sich auf zwanzig Tausend Mann, von denen die einen die Nahrungsmittel besorgten, die andern sich in der Handhabung der Waffen ausbildeten, andere unermüdlich in den Gießereien arbeiteten, und Alle sich, immer unter der Leitung des thätigen und arbeitsamen Almagros, bei den verschiedenen Arbeiten ablösten. Ah! die Gipfel der Anden gewährten bereits das Bild der Wiedergeburt der neuen Welt.

Pizarro und Luque fuhren in ihrem Schreckenssystem, das sie über alle Provinzen ausbreiteten, in Cuzco fort; die rohe Militärgewaltherrschaft führte Tausende von Opfern zum Blutgerüst, und die ewig brennenden Scheiterhaufen der Inquisition gaben der Luft in dichten Rauchsäulen die Glieder der Unglücklichen,