welche der Götzendienerei angeklagt waren. Die ominöseste Knechtschaft führte Tausende von Unglücklichen in die harte Sklaverei, und ihre tiefen, mit dem Freudengeschrei der Eindringlinge vermischten Seufzer hörte man einzig im Reiche an. Der Metropole war das politische und religiöse Betragen des Statthalters und der Priester wohl bewußt, aber trotz der Gründung legaler Körperschaften athmeten die Gesetze den gleichen Schrecken und menschliche Entwürdigung, und deren Vollziehung man Pizarro und Luque anvertraute. Das ganze staatliche und religiöse System der Metropole beruhte auf der Entziehung von Schätzen der neuen Welt, und darin, dem Christenthum Neubekehrte zuzuführen; über die Folgen einer so ungeheuerlichen Politik sah man hinweg, und Pizarro und Luque empfingen vom Hofe von Madrid beständig Beifallsbezeigungen, und Machtentfaltung, um als Herrscher und Despoten zu handeln.

Einen so sonderbaren Gegensatz bildete die Verwaltung Pizarros und Luques mit derjenigen Almagros und Las-Casas. Bei der einen war Alles Milde, Ueberzeugung und Tugend; bei der andern Tod, Gewaltherrschaft und Schwelgerei. Und es waren Alle Christen! So sehr wechseln, je nach der Faser eines jeden Gläubigen, die religiösen Sekten ab! Die christliche Religion in der neuen Welt war den Peruanern ein unerklärliches Räthsel; abscheulich im Munde Luques, und verehrt im Munde Las-Casas; die Herrschaft der Spanier bildete unter dem Reiche Almagros das Glück Perus, unter dem Reiche Pizarros war sie seine Zerstörung und sein Untergang; ohne Despotismus

hätte die Metropole jene unermeßlichen Kolonieen Jahrhunderte lang behalten, aber mit ihrer traurigen Politik konnte sie, das Blut von vierzig Tausend Spaniern verlierend, während der Dauer ihrer kurzen Herrschaft kaum die Schätze zurückzahlen, die sie ihr kosteten.

Das war die Thätigkeit für die Kriegsvorbereitungen in den Anden, und das die Hoffnungen, die sich in den Provinzen verbreiteten, die trotz dem Vertrauen, in welchem der Statthalter schlief, nichts desto weniger seine Aufmerksamkeit nach den Bergen hinlenkte. Alsbald setzte er voraus, daß Almagro an der Spitze jenes Aufstandes sein mußte, aber niemals glaubte er, daß er auf so gewaltige Hülfsquellen rechnete. Pizarro war nicht Staatsmann genug, um die Macht eines Helden zu berechnen, der bei einem geknechteten Volke die Fahne der Freiheit erhebt! Mit dreihundert Mann zog der Kapitän Soto aus, die Aufständischen anzugreifen, und der Statthalter in Cuzco gab sich inzwischen den verstellten Liebkosungen Ocollos hin, und überließ sogar die Zügel der Regierung Luque und der Geistlichkeit.

Die Lage Ocollos war mit jedem Augenblicke mißlicher; die feurigen Begierden ihres Unterdrückers jedes Mal um so lebhafter, und die Unglückliche fand keine Hülfsquellen mehr, den Empfang der Taufe länger aufzuschieben. Wohl könnte sie, die Brust des Mörders Atahulpas durchbohrend, in einer Nacht ihre Rache vervollständigen, aber ihre Flucht war schwierig und ihr Blutgerüst sicher. Die

Eindringlinge wären ob des Mordes ihres Anführers entrüstet, und würden mit noch größerem Entsetzen das Verderben verbreiten, und Ocollo könnte, auf dem Schaffot ihr Leben aushauchend, der Freiheit nicht die unschätzbaren Dienste leisten, die sie an sie verschwendete. In Verbindung mit Huascar und Almagro, gab sie ihnen die sichersten und wichtigsten Nachrichten, und an der Seite des Statthalters versüßte sie sein Herz ein wenig, und befreite viele Unglückliche vom Tode. Augenblicklich theilte sie Almagro den Ausgang des Kapitän Sotos in die Anden mit, und Almagro hatte Zeit, einen glücklichen Hinterhalt zu legen. Soto ging ohne Vorsicht, die Macht des Feindes verachtend, und sicher, daß er wie immer zum Siege zog, als plötzlich tausend, von Almagro befehligte und mit europäischen blanken Waffen versehene Indianer über ihn herfielen. Die spanische Abtheilung stob, nicht an jene überraschenden Angriffe, noch daran gewohnt, mörderischen Waffen zu widerstehen, vor Schrecken auseinander, und die Peruaner richteten, da sie sich zum ersten Male als Sieger auf ihrem Boden sahen, unter den bestürzten und zerstreuten Spaniern ein gräßliches Blutbad an. Soto that Wunder der Tapferkeit, aber Alles war umsonst; dank seines Panzers rettete er sich vor dem Tode, und zog bestürzt aus dem Gebirge heraus, wo er die wenigen Reste seiner Mannschaft versammelte, die dem Kampfe entrinnen konnten, und theilte dem Statthalter umständlich einen Theil der Niederlage mit.

Das Christenthum inzwischen machte Fortschritte, und die Klause Las-Casas war für die neuen Gläubigen

bereits ein kleiner Raum. Die reinsten Tugenden herrschten unter den Neubekehrten, und einige der Ausgezeichnetsten erlangten die Ehre, zum Priesteramt befördert zu werden; eine in den Gesetzen Pizarros verbotene Ehre. Dieser staatskluge Schritt, dem Volke Priester aus dessen Schooß zu geben, gewann dem Evangelium Tausende von Anhängern, und selbst Huascar trat, als er die Mehrzahl seiner Unterthanen entschieden sah, und sah, daß der Gott seines Freundes und Beschützers dessen Waffen den Sieg verlieh, mit der ganzen Ueberzeugung seiner Vernunft in den Schooß der Kirche ein. Von jenem Augenblick an blieb der Sonnentempel bei seinen pompösen Ceremonieen leer: Die Kreuzesfahne flatterte siegreich auf dem Gebirge, und die reinsten Sitten erhöhten die Bewohner der Anden, und bereiteten sie zum Kriege und zum Siege vor.

Pizarro empfing den Bericht der Niederlage Sotos, und die Wuth erglänzte in seinen funkelnden Augen. Schnell vereinigte er bis zu zwölfhundert Mann, und an deren Spitze gestellt, zog er, die Wuth und das Verderben ausrufend, nach den Anden. Die unglückliche Ocollo athmete in ihrer Bedrückung in dem Augenblick auf, da sie nicht mehr wußte, welchen Entschluß zu fassen in ihrem Widerstreite, und verblieb unter der Beobachtung Luques in Cuzco. Schnell benachrichtigte sie sowohl Huascar als Almagro von dem Ausgang des Statthalters, und ihre Seele erweiterte sich beim Betrachten der Dienste, die sie der Freiheit ihrer Unterthanen lieh.