In wenigen Tagen hatte Pizarro an den Abhängen der Anden Stellung genommen, und Almagro bereitete sich freudig zu einem Kriege vor, in welchem er vielleicht, Körper an Körper, die Waffen mit seinem Gegner messen konnte. Jeden Tag nahmen die Streitkräfte Huascars immer mehr zu, und noch einige Spanier, bald Anhänger Almagros, bald ob der Strenge der Mannszucht oder der Gewaltherrschaft des Statthalters und des Fanatismus des Verwesers erbittert, vergrößerten seine Reihen und richteten die Indianer, die ebenfalls in den Anden die wichtigsten Dienste leisteten, mit dem tapfern Benalcazar ab. Von heftiger Gemüthsart, unerschrockenen Muthes, sättigte sich Pizarro nicht damit, irgend welche geringfügigen Streitkräfte, die sich ihm in den Engpässen darboten, mit fortzuwälzen, er bereitete sich vor, eine allgemeine Hetzjagd im Gebirge zu geben und die Spitze zu erstürmen, worauf der Sonnentempel und die christliche Klause erbaut worden war, der Punkt, der den Hof Huascars und den Heerd der Empörung bildete. Almagro sorgte, daß die kleinen Detachements, welche die Kriegsmacht des Statthalters im Gebirge unterhielten, keinerlei Gewehre noch Feuerwaffen gebrauchten, und obschon man mehr Regelmäßigkeit in den Heeresmassen und verschiedene Mannszucht in den Kämpfen gewahrte, zogen sich die Peruaner, den erhaltenen Befehlen gemäß, immer mit geringem Widerstand zurück, und Pizarro stürzte sich mit Riesenschritten in den Hinterhalt. In wenigen Tagen stellte er seine Truppe auf, um den Gipfel zu erstürmen, und als er mit mehr
Vertrauen die steilen Unebenheiten erkletterte, den Sieg anzustimmen, griff Almagro, die Artillerie und das Gewehrfeuer dabei gebrauchend, welche unter so vielen Anstrengungen in den Anden zu gießen ihm gelungen war, mit der ganzen Kriegsmacht an; und vor Schrecken überrascht, fielen die Spanier zu Hunderten, vom Feuer der Kanone verbrannt oder auf ihrer Flucht zwischen den Felsen abgestürzt. Almagro setzte ihnen auf der Flucht tapfer nach; umsonst versuchte der Statthalter, den Soldaten Muth einzuflößen, er war ein Opfer der Ueberraschung, und kaum zweihundert Mann retteten sich vor dem Tode und versammelten sich auf der Flur; aber besiegt, in die Flucht geschlagen, von außergewöhnlichen, nach europäischer Art geschulten und von dem tapfern und erfahrenen Almagro befehligten Streitkräften, mit gleich mörderischen Waffen angegriffen, zeigte der Statthalter nie mehr Anstrengung und Herzhaftigkeit, als indem er einen Rückzug bis vor die Mauern von Cuzco aushielt.
An diesem berühmten Tage geschah, wenn wir den Ueberlieferungen glauben sollen, die sich noch im Lande erhalten, ein seltsames Wunder. Der unerschrockene Statthalter wurde weder von der Tapferkeit Almagros noch von der Tollkühnheit und der neuen Mannszucht der Peruaner besiegt; der erhabene Schatten Columbus, durch die Krümmungen der Anden streifend, gab den Ruf zur Freiheit, und band die Rechte Pizarros. Von seinem Drange getrieben, entdeckte Columbus die neue Welt, und führte die Europäer nach jenen köstlichen Gegenden, um die alte und neue Welt mit
brüderlichen Banden zu vereinen; aber nimmermehr, damit die unschuldigen Bewohner der neuen Gestade herabgewürdigte Sklaven der traurigen Europäer des sechszehnten Jahrhunderts wären. Menschenfreundlich und gefühlvoll war Columbus, so lange er an der Spitze der Expedition stand, der Trost der Indianer aller Umgegenden, aber ergriffen und angekettet, schimpflich nach Europa zurückgekehrt, fiel, wie wir bereits gesehen haben, von jenem Augenblicke an eine eiserne und vertilgende Hand über die neuen Festländer. Von Gewissensbissen verzehrt, die Europäer nach jenen entlegenen und unbekannten Himmelsstrichen geführt zu haben, seufzte der Schatten Columbus in seinem Grabe, und es geht das Gerücht, daß er ebenfalls nach den Anden schwebte, die Freiheit Perus zu verkünden, und daß er Almagro begeisterte, und die Rechte aller Peruaner stärkte. Bei der Niederlage Pizarros, versichern die Aeltesten des Landes, daß eine Feuersäule daherflog, welche den Statthalter und seine Abtheilung umnachtete, und die Peruaner erleuchtete. Jene Feuerwolke war der Schatten Columbus, der, um seine Gewissensbisse, jene köstlichen Gestade entdeckt zu haben, damit sein Geschlecht sie mit Blut röthete, zu beschwichtigen, ebenfalls für die Freiheit der neuen Welt kämpfte.
Kapitel 24.
Rache.
Hartnäckig von den Peruanern verfolgt, langte Pizarro in Cuzco an; auf seinem Rückzuge that er Wunder der Tapferkeit, die ihm andere Male zum Siege verholfen hätten, aber die Unterthanen der Inkas schlugen sich wie europäische Soldaten, und ihre Anzahl sicherte ihnen den Triumph. Almagro gab den bewaffneten Massen, die durcheinander irrend in den Tod rannten, Regelmäßigkeit, und die Morgenröthe der Freiheit Perus schien bereits im Osten zu tagen. Die Hauptstadt gerieth in Bestürzung, als sie den Statthalter in unordentlicher Flucht daher kommen sah; der Starke, der sich niemals besiegt gesehen, sah sich von einem furchtbaren Feinde gedemüthigt und bedroht. Da fing man an, die unüberlegte Staatsklugheit einzusehen, mit Almagro und andern Gefährten, die vor Pizarro und Luque fliehend, zum feindlichen Lager gehen mußten, gebrochen zu haben. Die Mannszucht bei den Kämpfen, der undurchdringliche Verband der Massen, Alles sah man als Wirkung der
Unterweisung der Spanier an, und das Blut der Peruaner sollte nicht mehr ungestraft auf den Schlachtfeldern fließen. Tapfere, voll Liebe zu ihrem Vaterlande, ließen sich angesichts der Gräber nimmermehr einschüchtern; ihre Bogen aber und ihre Pfeile, ihre schwachen Lanzen könnten sich niemals mit den europäischen Degen kreuzen; aber als man sah, daß sie Waffen ergriffen, als sie, weit entfernt, vor dem Knalle der Kanone entsetzt zu fliehen, ebenfalls mit ihrer Artillerie den Tod verbreiteten, mußten die Eroberer ohnmächtig werden. Ein Volk, das Waffen und Tugenden hat, beugt niemals seinen Nacken vor dem Joche der Tyrannen.