Pizarro zog mit zweihundert Soldaten in die Stadt ein, gar bald aber stellten sich auf der Flur viele peruanische Bataillone auf, welche ihm auf seinem Rückzuge folgten, und die Eroberer schienen bereits nur auf die Defensive angewiesen zu sein. Almagro, um die Hauptstadt einzunehmen, wollte nicht, daß der Schrecken der ersten Niederlage vorüberginge. Tapfer, bis zur Tollkühnheit verwegen, sprühte Pizarro Feuer aus seinen Augen; tausend Mal würde er den Tod der Schmach, besiegt zu werden, vorziehen, und er entschloß sich, die Belagerer mit Wuth anzugreifen. Trotzdem Luque weltklug genug war, um zu erkennen, wie sehr die Umstände des Reiches verändert waren, war er zu fanatisch, um vernünftig denken zu können. »Nie sah man das Kreuz von Heiden mit Füßen getreten,« sagte er zu dem Statthalter, und schickte sich Almagro, Las-Casas und so viele Spanier, welche den

Fahnen Huascars folgten, feierlich mit dem Kirchenbann belegend, zum Feldzug an. Wohl wußte er, daß alle das Christenthum predigten, daß Huascar und der größere Theil des peruanischen Heeres das erlösende Wasser bereits empfangen hatten, er wußte aber auch, daß der Sonnentempel offen stand, und daß man das Teufelsgepränge duldete, und er hielt jene Christen für Sklaven des Teufels. Nach Rache schnaubend, in die Erinnerung, besiegt worden zu sein, versunken, vergaß der Statthalter darüber die Liebe zu Ocollo, und seine Seele nährte sich nur von Blutgier. Ocollo indessen lebte in der verzweifeltsten Besorgniß: In das Lager Huascars zu entwischen, war nicht möglich, eben so wenig war ihre Rache vollbracht, und der Statthalter konnte zur Verzweiflung kommen.

Pizarro brachte binnen Kurzem fünfhundert Mann zusammen, und trotz sechsfacher feindlicher Uebermacht zweifelte er nicht, sich in den Kampf zu wagen; sein Rachedurst stürzte ihn in’s Verderben.... Obschon Luque nicht die ganze Gefahr kannte, welche sie bedrohte, sah er mit ruhigerem Sinne als dem Pizarros sechstausend von Almagro befehligte Streiter nach europäischer Art mit andern unendlichen nicht geschulten Streitkräften, und er hielt es für angemessen, das Kreuz im Kampfe aufzupflanzen, weil er wußte, daß ihm die Mitwirkung des Himmels höchst nothwendig war. Es sollte um die Freiheit eines großen Volkes gestritten werden, und zwei, von persönlichen Empfindungen beherrschte Helden jenes Jahrhunderts befehligten die streitenden Kräfte; der Zusammenstoß

konnte nicht umhin, entsetzlich zu sein, und das Schlachtfeld mußte sich in einen mit Blut bedeckten Friedhof verwandeln. Pizarro rechnete auf geringere Streitkräfte, aber seine Soldaten waren taktischer und erprobter, und er zählte tapfere Offiziere. Obschon mit zahlreicher Kriegsmacht, mußte Almagro die Belagerung abwarten; schwerlich würde er alle seine Bataillone beim Kampfe verwenden können, und so sehr auch die Peruaner in der europäischen Kriegskunst fortgeschritten waren, waren sie doch Neuangeworbene, und der Anführer konnte nicht auf vertraute Untergebene rechnen. Das war der Zustand der feindlichen Heere, als Almagro Cuzco belagerte, und Pizarro, seinen Schimpf rächend, sich vorbereitete, ihn zurückzuschlagen.

So anmaßend ein Krieger im sechszehnten Jahrhundert war, zog er niemals auf das Schlachtfeld hinaus, ohne allen geistlichen Trost empfangen zu haben, wenn er etwa dem Tode wiche. Pizarro dachte damals nicht an solche Bräuche; aber Luque ermahnte die Soldaten, um ihnen Muth zu geben; im Namen seiner Heiligkeit gewährte er ihnen allgemeine Freisprechung, und theilte inbrünstig das Abendmahl aus. Eine schwarze Fahne, in der ein rothes Kreuz glänzte, wurde unter den Eroberern aufgepflanzt, und den Statthalter an ihrer Spitze, zogen sie wie ein reißender Strom zur Stadt hinaus. Almagro hielt seine Bataillone beständig unter Waffen, und seine weiße Fahne mit rothem Kreuz ermunterte sie zum Siege.

Die feindlichen Heerlager betrachteten einander nicht lange. Wie ein wüthender Tiger warf sich der Statthalter

auf seine Gegner, und sehr bald kam man, da Gewehre und Artillerie unnütz geworden, zu den blanken Waffen, indem ein Jeder unverzagt in Reih und Glied starb. Obschon die streitenden Kräfte nicht mächtig waren, floß dennoch das Blut, und flog die Zerstörung umher; die Rechte stritten sich mit Heftigkeit um die Ehre zuerst zu verwunden, und die Spanier schienen vom Muthe der Götter beseelt. Wiewohl Pizarro und Almagro die Nothwendigkeit erkannten, das Commando der Ihrigen nicht zu verlassen, trieben sie ihre Rachegelüste doch mehr als ein Mal, die Klingen persönlich zu kreuzen, schnell gaben sie aber nach und flogen an den Punkt von größerem Interesse. Die Soldaten des Statthalters waren eben so viele Helden; Pizarro zeigte an jenem berühmten Tage mehr Muth und Geschicklichkeit denn je; Pizarro war das Entsetzen seiner Gefährten und seiner Feinde; aber der unerschrockene, tapfere Almagro, an der Spitze von durch einen Monarchen, den sie verehrten, aufgemunterten Soldaten, die mit weit überlegener Kriegsmacht für ihre Freiheit stritten, war ein unwiderstehlicher Strom. Die Anzahl sollte endlich den Sieg entscheiden; der Statthalter mußte, nachdem er sich tausend Mal in den Tod gestürzt hatte, den Rückzug anordnen, und zum zweiten Male sah sich der Eroberer der neuen Welt besiegt und in die Flucht geschlagen, in seinen prunkhaften Hof einziehen. Das Blut von tausend Peruanern floß, um den Sieg zu besiegeln, aber dreihundert spanische Leichen bedeckten ebenfalls den Kampfplatz.

Schmerz und Trauer verbreitete sich in Cuzco unter den Eindringlingen, als sie den Statthalter, von Neuem in die Flucht geschlagen, einziehen sahen; zitternd seufzten Alle, nur Pizarro nicht, der allein groß war in Gefahren und darin mehr Ruhe zeigte als beim Wohlergehen. Luque sah mit Entsetzen zu, daß der Gott der Schlachten den Sieg den Ketzern überlassen haben würde; er muthmaßte dort in seinem Gewissen, daß es eine Strafe für die Sünden der Christen wäre; in den Tempeln aber und auf den Straßen verkündete er die hohen Rathschlüsse des Herrn, seine unaussprechliche Mildthätigkeit, die Prophezeihung der im Evangelium geschriebenen Ausbreitung des Christenthums durch die ganze Erde, und hielt so die Begeisterung aufrecht, und bereitete die Besiegten zum Tode vor. Inzwischen dachte der tapfere Pizarro nur an den Krieg, und entfaltete eine außerordentliche Thätigkeit und Geschicklichkeit. Er durfte nicht an einen neuen Ausfall gegen den Feind denken, aber er bereitete sich vor, irgend welchem Angriffe oder Kampf, wozu sie ihn herausforderten, zu widerstehen, um Verstärkungen von der Metropole zu empfangen; von Ocollo, von sich selbst vergessen, sehnte er sich nur nach Rache und nach dem Sieg, und niemals standen der Statthalter und der Verweser in engeren Beziehungen, noch handelten sie einmüthiger.

Almagro seinerseits hielt mit unermüdlicher Thätigkeit den Muth und die Disziplin in seinen Bataillonen aufrecht: Kaltblütig berechnete er die Wahrscheinlichkeiten, welche ihm zum Siege und zur Eroberung Perus