verhalfen, und bereitete sich vor, die Hauptstadt des Reiches zu stürmen. Der stets tapfere und großmüthige, von Almagro geschulte Huascar war bereits ein herzhafter europäischer Feldherr, der sich, obwohl er sich seinen Soldaten in Herrlichkeit zeigte, der Pracht und der Gebräuche der Inkas entkleidend, sich nicht mehr mit dem Gedanken als erhabene Gottheit und Nachfolger der Sonne trug. Tapfer, aber ohne Stolz, geschickt, aber ohne Anmaßung, erkannte er die Ueberlegenheit Almagros, und machte ihm das Commando niemals streitig, noch widersprach er dem geringsten seiner Befehle. Vor Liebe zu ihrem herzhaften Ritter berauscht, fand Coya ihre Lust nicht mehr an dem Hochmuth der Waffen, dem Willen Almagros nachgebend, setzte sie, obschon sie die Pfeile und den Bogen handhabte und die Begeisterung der Peruaner beseelte, ihr kostbares Leben nicht in der Hitze der Kämpfe aus. Las-Casas, der täglich das Opfer der Messe feierte, die reinste Moral predigte, die allerheiligsten Tugenden ausübte, breitete das Christenthum im ganzen Heere aus, und die Sonnenanbeter fielen vor dem hölzernen Kreuze nieder.
Mit der Schnelligkeit eines Lauffeuers theilte sich das Gerücht von den beiden durch Almagro erlangten Siegen, und von der Bekehrung Huascars und des ganzen Heeres, den Provinzen mit; sowie der Sittenreinheit und der Menschlichkeit des christlichen Priesters, des ehrwürdigen Las-Casas. Trotz des harten Joches der Eroberer, und des Blutbades und der Niederlage, womit sie das geringste Anzeichen der Empörung
bestraften, gährte es in den Provinzen, gleichwie das Feuer in den Höhlen der Erde, und schon donnerte der Tag des entsetzlichen Ausbruches.
Die Freiheitsapostel durchzogen, das Feuer schürend, geschäftig die Provinzen: Viele wurden entdeckt und zur Sühne ihres Verbrechens niedergemacht, aber die freien Männer entstehen wieder unter dem Beile des Henkers, und jedes Opfer war durch hundert andere ersetzt, die sich auf das Märtyrerthum vorbereiteten. Die Eindringlinge und die Peruaner arbeiteten, ein Jeder unermüdlich, bald um die Gewaltherrschaft und die Tyrannei aufrecht zu halten, bald um die Freiheit und die Unabhängigkeit zu erlangen. In jenem Jahrhundert besaß man die Kunst zu tyrannisiren noch nicht, wohl aber die Begeisterung, die Unabhängigkeit ausrufend, unerschrocken in den Tod zu gehen. Eine entsetzliche Thätigkeit fuhr in den Mauern und auf den Fluren von Cuzco fort; die Belagerer bereiteten sich zum Sturme vor, und die Belagerten, sie zurückzuschlagen. Die Garnison der Reichshauptstadt zählte, nachdem sie eine zweimalige Ersteigung ausgehalten hatte, sehr geringe Streitkräfte, und die Bataillone Almagros gingen über zwanzigtausend Mann. In einer ruhigen Nacht war es, der Mond brach kaum verschleiert hinter Wolken hervor, und eine Grabesstille herrschte auf den Fluren, als Almagro unter dem Schutze der Schatten eine große Anzahl Strickleitern anlegte und das Zeichen zum Sturme gab. Pizarro schlief nicht, den Liebkosungen Ocollos hingegeben; tapfer fing er auf den Mauern an, Tod und Verderben
zu verbreiten, und der Kampf wurde mit dem ganzen Schrecken der Erbitterung geführt. Die Peruaner, nach Freiheit rufend, hauchten unter der Wucht der Waffen der Eindringlinge die Seele aus, aber die Sterblichkeit schwächte die Begeisterung nicht, sodaß sich die Stärke des Ansturms verdoppelte. Von wilder Heftigkeit hingerissen, hielt der Statthalter, der Erste im Kampfe und in Gefahren, den Muth und die Unerschrockenheit der Belagerten aufrecht; aber bald erlahmte die Rechte, müde zu tödten, und die Mauern von Cuzco bedeckten sich mit losgelösten Feinden, welche ihre Feinde ebenfalls niederhieben, als Luque, ein Crucifix in der Hand, den Zorn der Fanatiker entflammte und ihren Muth neu belebte. Eine übermenschliche Kraft trieb Hände und Herzen an; Pizarro beherrschte schon die Seinen, und die Peruaner wurden, als sie den Sieg sicher glaubten, von den Mauern herabgestürzt. Das Feld war mit Leichen bedeckt, und das Blut überfloß auf der Erde, aber die Belagerten erlitten ebenfalls einen furchtbaren Verlust, und ihre geringe Kriegsmacht konnte keinen zweiten Ansturm mehr aushalten.
Gar bald säumte die Sonne mit ihrem Purpur den Osten, und die auf dem Schlachtfelde hingestreckten Krieger schliefen wie in einem lethargischen Schlafe unter den Leichen. Der Statthalter und der Verweser wachten inzwischen, und kaltblütig die Niederlage betrachtend, dachten sie über das Mißliche ihrer Umstände nach; aber ihre anmaßenden Seelen fanden immer noch Zuflucht in der Verzweiflung, und ihr Muth entsank
nicht. Tausend verschiedene Pläne bedrückten ihr Gehirn. Sie fanden es schwierig, die Hauptstadt zu behaupten, und eben so schwierig, einen Rückzug, auf dem sie nicht vollständig in die Flucht geschlagen würden, und ungeduldig erwarteten sie, trotz der schwachen Garnisonen, die in ihnen die Ruhe sicherten, kraft der Agenten, welche sie wegen ihres allzugroßen Hochmuthes, obschon verspätet, an alle geschickt hatten, Verstärkungen aus den Provinzen. Die größten Besorgnisse des Statthalters waren, daß in der Nacht der Kampf sich wiederholte, weil er mit sehr wenig Soldaten, und vor Müdigkeit übermannt war.
Ocollo, in Hoffnungen und Befürchtungen versunken, befand sich in einem Zustande unerklärlicher Verwirrung. Ist der Sieg Almagro, so fallen die Tyrannen, sagte ihr ihr Herz, inzwischen aber seufzte sie, eine Gefangene in seinem Palaste, in der Gewalt des Statthalters; sie konnte seine brennenden Begierden nicht für länger unterhalten, und die Verzweiflung riß ihn zur Gewaltthätigkeit hin. Der Palast des Statthalters war ein prächtiges, mit Unglücklichen bevölkertes Gebäude. Etwa fünfhundert Sklaven warteten auf seine Stimme, um ihn zu bedienen, und bildeten seine Größe; fünfhundert Sklaven, welche die Fesseln der Schmach schleppten, und welche unter der härtesten Tyrannei seufzten.
Ocollo, die Gattin des unglücklichen Atahulpas, voller Liebenswürdigkeit und Reize, dazu geweiht, ihre Mühen zu erleichtern, war der Abgott jener Unglücklichen,