Reichliche Thränen vergossen die einfachen Gemüther; eine tiefe Stille herrschte unter den berühmten Personen, und die Blut- und Greuelscenen, welche die neue Welt entsetzten, fingen an, sich in Scenen der Rührung und der Freude zu verwandeln. Coya, die an den Blicken Almagros ihr reines Herz entflammte, hing immerwährend an seinen Lippen; der Wille, die Launen ihres Geliebten waren für die Schöne heilige und unverletzliche Gebote, und wenn sie an der Seite ihres Almagros stand, hielt sie ihre ganze glückliche Zukunft und ihre goldenen Träume verwirklicht. Huascar, welcher in dem herzhaften jungen Manne keinen Nebenbuhler, sondern einen Freund, eine unüberwindliche Stütze sah, erschöpfte alle möglichen Hülfsquellen, damit er nicht die Waffen ablegte, doch der herzhafte Spanier konnte nicht einem Feldzuge folgen, worin sein mächtiger Nebenbuhler ermordet worden war. Es war alles umsonst; Almagro hatte unwiderruflich seinen Entschluß gefaßt, und er wandte sich endlich an Huascar: »Du weißt es,« sagte er zu
ihm, »Sklave der Schönheit und der Reize Coyas, ist die ganze Glückseligkeit, nach der ich mich sehne, sie als Gattin zu besitzen, da ich schon vor so langer Zeit ihr Herz besitze. Gewähre mir, als Herrscher von Peru, als Oberhaupt der Familie der Inkas, diese Gabe, und meine geringen Dienste für die Sache des Reiches, werden höchlich belohnt sein.« Huascars größte Ehre war, Almagro unter die Familie der Inkas zu zählen, und bald vermählte sie, indeß in dem ganzen ausgedehnten Reiche die Vermählung unter Lustbarkeiten und herrlichem Gepränge gefeiert wurde, der ehrwürdige Priester Las-Casas, mit allen kirchlichen Bräuchen, im Tempel von Cuzco; und nach den gleichzeitigen Chroniken lebten die beiden Gatten noch lange Jahre froh und glücklich in dem prächtigen Palaste Coyas, den unsere Leser bereits kennen.
Der tugendhafte Las-Casas blieb als Oberhaupt und Generalverweser der christlichen Priester des Reiches ebenfalls in Cuzco und predigte unermüdlich von der Zärtlichkeit und dem balsamischen Troste der hehren Religion des Gekreuzigten; er ertheilte den neuen Priestern die heiligen Befehle, er war der Schutzengel der Unglücklichen, und er ließ in seinen Tugenden das wahrhaftige Bildniß eines allmächtigen und anbetungswürdigen Gottes wiederstrahlen. Ocollo, die Tugenden des frommen Dieners bewundernd, und durch die Bekehrung Huascars angespornt, haßte die Christen nicht; sie hätte vielleicht sogar bereitwillig das Wasser der Taufe empfangen, aber die Liebe Atahulpas lebte unauslöschlich in ihrer Brust, und niemals wollte sie den
Glauben ihres angebeteten Inkas aufgeben, und in stiller Einsamkeit sah sie ihr von herrlichen Erinnerungen kontrastirtes Leben dahinziehen; und bald stellte sich der blutige Schatten Atahulpas ihrer beunruhigten Einbildungskraft vor, bald ließ ein rächender in eine anmaßende Brust gestoßener Dolch ihre Seele lächeln.
Wie irrende Kometen gingen die Helden Perus dem Ende ihrer Laufbahn und ihrem Untergange entgegen; doch knüpfen wir, um ihre Seiten abzuschließen, wieder an die Erzählung unserer Geschichte an.
Trotz des vollständigen Sieges der Peruaner konnten doch noch einige Spanier aus Cuzco und dem Tode entrinnen, welche auf die Befehle des Kapitäns Soto eiligst nach Cajamalca flohen. Die Beharrlichkeit und die Tapferkeit waren bereits vergebens, die Revolution Perus war bereits ausgebrochen, um nicht wieder zurückzugehen; die Peruaner hatten bereits mörderische Waffen, sie waren tugendhaft und kämpften für ihre Freiheit, das ist es, was die Völker zum Siege führt, und schwächere und ohnmächtigere Streitkräfte würden sich dem reißenden Strome widersetzen können. Der fanatische und blutdürstige Luque rettete sich ebenfalls vor dem Gemetzel von Cuzco, und floh, wenngleich er nicht mehr auf jene zauberhafte und unwiderstehliche Gewalt rechnete, die ihm der Aberglaube in den ersten Augenblicken verlieh, weil sein düsterer Fanatismus sogar die Fanatiker ermüdet hatte, mit den Ueberresten des besiegten Heeres.
Der herzhafte Huascar schlief nicht unter den Lorbeeren seiner ersten Triumphe ein, und Sieger über die
Mauern von Cuzco, war er noch immer nicht Sieger über das Reich der Inkas. Die Eindringlinge beherrschten viele Provinzen, und sie mußten sich von Neuem vorbereiten, zu kämpfen und zu siegen. Die Kundschafter Huascars und der Freiheit durchzogen das Land nach allen Theilen, das Mangels an Garnisonen nur aus einer eingebildeten Furcht seinen Hals der Gewaltherrschaft bog, und mit Leichtigkeit erhoben sich die Provinzen und gaben, auf den geringen Schutz, den ihnen eine Division Huascars anbot, den Ruf der Freiheit und Unabhängigkeit. Einzig von Cajamalca nach San Mateo breitete die Herrschaft ihren Schrecken aus, weil es der Punkt war, wo die geringe feindliche Macht, welche immer noch die neue Welt besetzte, zusammengezogen war.
Jeden Tag rief eine Provinz ihre Freiheit und Unabhängigkeit aus; im ganzen Reiche brannte ein heftiges, unterirdisches Feuer der Revolution; mit bewunderungswürdiger Thätigkeit war Huascar allerorts zugegen; die Eindringlinge waren, schon auf einen kurzen Raum beschränkt, und zu Tausenden strömten die Peruaner nach Cuzco, das Heer der Freiheit zu vergrößern. Huascar konnte nicht mehr länger dulden, daß Cajamalca und San Mateo unter fremder Herrschaft fortfuhren, und an der Spitze eines mächtigen und wohlorganisirten Heeres brach er auf, jenen köstlichen Gegenden die Freiheit zu geben, und der Thron von Madrid und der Vatikan erbebten bei den Schritten des Befreiers der neuen Welt. Auch in dieser Provinz loderte das Feuer des Aufruhrs; vergebens
strengten sich die Eindringlinge an, um es zu ersticken, und Huascar zog eilig daher, und sie mußten sich zum Kampfe vorbereiten. Eine kurze, entmuthigte, besiegte, von der Metropole verlassene Division, konnte ohne Hülfsquellen, und auf dem Boden, den sie betrat, mit Wuth befeindet, nicht gut dem Siege trauen; aber Soto und seine Soldaten waren tapfer und kriegerisch, sie konnten nicht einmal den Schimpf ertragen, besiegt zu werden, und sie würden nicht vom Platze weichen, ohne mit Anstrengung die Waffen zu messen.