Gleichwie ein reichhaltiger Strom, der seine Dämme durchbrechend sich dahin stürzt und sich majestätisch über die Fluren ergießt, so dehnte und breitete Huascar seine Kriegsmacht auf den Feldern von Cajamalca aus, und schickte sich an, der Anmaßung der Eindringlinge den Todesstoß zu versetzen. Soto hatte seine Kriegsmacht ebenfalls zusammengezogen, und rüstete sich kühnen Muthes zur Schlacht, und die alte und neue Welt erwarteten mit Begierde den Schlag, der ihre moralische und politische Zukunft so sehr beeinflussen sollte.

Wie wir schon angezeigt haben, erfreute sich Luque weder einer so großen Macht, noch eines so großen Ansehens; sein Fanatismus beherrschte nicht mehr ausschließlich die Gewissen, und es fing an, eine Umgebung von Vorurtheilslosigkeit zu herrschen, welche den Seelen eine ziemlich deutliche Stimmung verlieh. In jenen Gegenden waren ebenfalls die beiden Culte vorherrschend, das Christenthum und die Sonnenanbetung, welche in vielen Peruanerherzen geweihte Tempel hatte; die Glaubensunduldsamkeit und die militärische Gewaltherrschaft

fuhren fort, mit mehr oder weniger Rohheit ihre Schrecken zu verbreiten, und die Peruaner würden einen ruhmvollen Tod vorziehen, als die Fesseln der Sklaverei weiter schleppen. Die Nachrichten von der Annäherung Huascars entflammten die Gemüther, und in Cajamalca heulte ebenfalls eine fürchterliche Revolution.

Aufbrausend und anmaßend zog Soto bei den Neuigkeiten von der Ankunft Huascars hinaus auf’s Feld, und von seiner tollen Heißblütigkeit getrieben, schickte er sich an, einen verwegenen Zusammenstoß zu wagen. Luque konnte nicht begreifen, wie der Gott der Schlachten, die Waffen der Nazarener verlassend, den Sieg einem von ihm mit dem Kirchenbann belegten Heere verlieh, und in seinem barbarischen Fanatismus sah er die Kehrseiten ihres Lagers als eine sichtbare Strafe der Sünder und als einen schwierigen Beweis dessen an, wozu der gerechte Gott die Christen aussetzte, und inbrünstig eröffnete er öffentliche Bußpredigten, belegte das Reichsheer und die abtrünnigen Christen, welche ihm nachfolgten, von Neuem mit dem Kirchenbann, und feierte, so den Muth der Besiegten in etwas aufrecht haltend, tägliche Gebete.

Huascar verdankte Almagro eine kluge Tapferkeit und eine strenge Mannszucht, und er zweifelte nicht daran, den Kampf, wozu ihn Soto herausforderte, anzunehmen, weil er kaltblütig seine gewaltigen Vortheile erwog und überdachte. Gar bald entspann sich angesichts Cajamalcas der hartnäckige Kampf; der so muthige und todesverachtende Soto hatte nicht das

Ansehen wie Pizarro, noch dessen Takt und militärische Kenntnisse; die kriegerischsten Soldaten und die erfahrensten Anführer waren in den Anden und in Cuzco umgekommen, und bald sahen sich die Eindringlinge umzingelt und in die Flucht geschlagen, und sie mußten den Rückzug antreten.

Unglücklicherweise hatte sich in Cajamalca zugetragen, was Soto hätte voraussehen sollen. In dem Augenblick, in welchem er seine ganze Kriegsmacht auf das Feld hinausnahm, um Huascar eine Schlacht zu liefern, platzte in der Stadt der Vulkan los, der im Verborgenen glühte; die geknechteten Bewohner liefen mit viel früher ausgedachter Absicht zu den Waffen; bemächtigten sich der Mauern und der wichtigsten Punkte, überraschten und hieben die geringe Wache nieder, womit man die Ruhe gesichert glaubte, und nicht ein einziger Eindringling konnte sich von dem Tode befreien. Die Sklaven tödteten mit äußerster Erbitterung, aber sie sehnten sich darnach, ihre ganze Wuth an dem barbarischen Luque auszulassen.

Pizarro’s Verweser hatte einen unauslöschlichen Haß auf sein Haupt zugezogen, weil er, so sehr der Fanatismus seines Jahrhunderts seine Grausamkeit und seine Mordthaten für die kommenden Geschlechter bedeckt, wie wir gesehen haben, in Mitten eines See’s von Blut gelebt hatte. Umsonst suchte ihn wüthend das empörte Volk durch die Stadt und an den verborgensten Orten, da Luque sich angesichts der Gefahr in den Tempel flüchtete, den er für eine unverletzliche Freistätte hielt und sich in inbrünstigem Gebete vor dem

Altare niederwarf; aber die Aufrührer hatten es bald erfahren, und sie fielen über den Tempel her, sprengten dessen Thüren ein, warfen sich wie hungrige Wölfe über den Fanatiker her und zerfleischten ihn wüthend an demselben Altare, an welchem er betete. Ihre Wuth war noch immer nicht gesättigt; sie schleiften seine zuckenden Glieder durch die Stadt, und verbrannten sie endlich unter Jubel und Freudengeschrei auf einem fürchterlichen Scheiterhaufen. Luque starb, wie er so viele Unglückliche hatte sterben lassen, die neue Welt verweigerte ihm sogar einige Fuß Erde, wo dessen sterbliche Ueberreste ausruhten, seine Asche wurde in den Wind gestreut, wie er diejenige Atahulpas und tausend anderer Märtyrer seines barbarischen und blutgierigen Fanatismus gestreut hatte. Inzwischen veranstaltete Almagro im Gegentheil für den unsterblichen Eroberer des Inkareiches ein prächtiges und königliches Leichenbegängniß.

Zwar besiegt und in die Flucht geschlagen, erfuhr Soto die Empörung und die Schrecknisse von Cajamalca; ohnmächtige Verzweiflung war seine Qual, aber der Strom war bereits durchaus unwiderstehlich. Ohne Hülfsquellen irgend welcher Art, von der Metropole, wo sie sich umsonst auf Verstärkungen und Beistand beriefen, verlassen, konnten die Eindringlinge dem Andrange eines mächtigen, siegreichen Heeres, nicht gut die Stirne bieten, da es ihnen sogar an befestigten Punkten, um sich darin zu wehren, fehlte. Unter tausend heldenmüthigen Anstrengungen erreichte Soto, die Eindringlinge auf San Mateo zurückzuwerfen, wo