»Aber, mein Freund,« sagte er dann, »da ausdauernde Versuche ein Mittel zum möglichen Erfolg sind, habe ich nicht den geringsten Zweifel, daß Sie eines Tages ein reicher Mann sein und ein hohes Alter erreichen werden; denn um Ihnen die Wahrheit zu sagen: Sie sind heute früh der Zusammensetzung des Lebenselixiers – dieses wahren Elixiers, um das sich die Weisen aller Jahrhunderte vergebens abgemüht haben – näher gekommen als irgendein Mensch, der je gelebt. Hätten Sie nur eine geringere Menge von Elementen in die Retorte getan, von dem ersten und dritten Ingrediens mehr und vom zweiten, vierten und fünften weniger, dabei etwas weniger Hitze entwickelt, und zwei Unzen … und … eine Unze … (er nannte dabei die betreffenden Stoffe), so hätten Sie das Wasser der ewigen Jugend und Gesundheit gefunden – das wunderbare Mittel, das die Säfte reinigt, Verkalkung der Adern beseitigt und den Menschen gegen Miasmen und Krankheiten und überhaupt gegen alle lebenzerstörenden Einflüsse – außer natürlich gegen Körperverletzung – wappnet. Was meinen Sie dazu? Haha!« Und wieder brach er in ein heulendes Kreischen aus:

»Den Mittelpunkt der Schwere will ich suchen,
Du aber sollst den Stein der Weisen finden.«

Wie groß war mein Erstaunen, als mir der ausgemergelte Alte ins Ohr flüsterte, daß ich vor der größten überhaupt denkbaren Entdeckung stehe, daß der Schlüssel zum Geheimnis aller Geheimnisse in meiner Hand läge!

Eine große Erregung bemächtigte sich meiner. Bald aber wurde ich ruhiger und fragte mich: Wieso kannte er die Stoffe, die ich für das Elixier verwendet hatte? Vielleicht hatte er den Rauch gesehen und daraus Schlüsse gezogen. Aber wie konnte er den Inhalt des Kondensators kennen, durch den der Dampf hindurch mußte, um seine schädlichen Eigenschaften zu verlieren? Kein Mensch hatte mir bei den Vorbereitungen zugesehen. Woher wußte er, zu welchem Zweck ich die Flüssigkeit zusammengebraut hatte? Wie konnte er den Traum, die Hoffnung, das einzige Ziel meiner Seele während langer mühseliger Jahre kennen?

All dies diente nur dazu, ihn selbst noch tiefer in den Schleier des Geheimnisses zu hüllen, und während ich so von Zweifeln hin und her geworfen wurde, stand er an meiner Seite und blickte neugierig durch die zerbrochenen Fenster auf den aufsteigenden Rauch, der sich in die Luft emporkräuselte.

Bald darauf hatten wir die Trümmer beiseite geräumt, der Alte verließ mich mit dem Versprechen, am selben Tag noch einmal herzukommen, und ich ging fort, um einen neuen Apparat, neue Fensterscheiben und einen neuen Teppich zu bestellen und einige Patienten zu besuchen. Dann kehrte ich wieder zurück. Es schlug drei Uhr und ich war noch nicht lange zu Hause, als Miakus, seinem Versprechen getreu, ebenfalls erschien.


4. Kapitel
DER MAGISCHE SPIEGEL