Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, das so ungewöhnlich viele in okkulter Hinsicht bemerkenswerte Menschen hervorgebracht hat, lebte in den Südstaaten Amerikas ein Mann, der sich P. B. Randolph nannte, in seiner Jugend Friseur war, später alle möglichen kleinen Berufe ausübte und in sonderbarem Stolz von sich behauptete, sieben Menschenrassen zu verkörpern: Inder, ägyptische Fellachen, Neger, Weiße, Turkmenen, Kreolen und Armenier.

Ich kann seinen Stammbaum natürlich nicht nachprüfen, aber Freunde, die Randolph kannten, sagten mir, sein Typus sei derart auffallend und fremdartig gewesen, daß sie keinen Zweifel in seine Angaben gesetzt hätten.

Randolph schrieb mehrere Bücher, teils Abhandlungen über sogenanntes Kristallsehen (eine Methode, Visionen durch Starren in schwarze Spiegel zu erzeugen), teils Romane höchst merkwürdigen und verworrenen Inhaltes, die sämtlich in Vergessenheit geraten sind; – das Publikum wußte nichts Rechtes damit anzufangen und wohl schon, als die Bücher erschienen, mögen die meisten Leser den Kopf geschüttelt haben, als sie ihnen in die Hände fielen.

Eines dieser Werke, »Dhoula Bel«, liegt hier vor als dritter Band der Serie »Romane und Bücher der Magie«.

Ich habe es vor vielen Jahren als Manuskript durch Vermittlung einer okkulten amerikanischen Brüderschaft, deren Gründer der Autor war, von der Witwe Randolphs, einer Negerin in Ohio, nebst anderen Schriften und einem der erwähnten schwarzen Spiegel – einem sogenannten indischen »Battah«-Spiegel – erworben.

Es sei hier kurz bemerkt, daß ich den Roman »Dhoula Bel«, keineswegs von der Ansicht ausgehend, es handle sich dabei um ein Buch von besonderem literarischen Werte, herausgebe, sondern lediglich in der Erwägung: es liegt ein starker Reiz darin, einen Blick in die Gedankenwelt eines Menschen zu tun, der, ein Schwärmer katexochen und ein Cagliostro im kleinen, ohne jemals auch nur die geringste Schulbildung genossen zu haben, plötzlich zur Feder greift und hemmungslos, ein Halbwilder und Besessener, zu uns spricht.

Eine Zeitlang war er – wenn ich nicht irre in Boston – berufsmäßiger Hellseher und bestritt seinen Lebensunterhalt durch Verkauf der erwähnten magischen Spiegel, die er unter kuriosen, exotischen Zeremonien anfertigte.

Einige meiner Freunde, die Randolph kannten, schrieben mir übereinstimmend, seine Gabe räumlich hellzusehen, sei geradezu verblüffend gewesen und habe alles weit in den Schatten gestellt, was auf diesem Gebiete jemals geleistet wurde.

Tatsache ist, daß der letzte Napoleon ihn nach Paris kommen ließ; ein Kapitel in dem vorliegenden Roman behandelt Näheres darüber.

Wie Eliphas Lévi (siehe II. Band der »Romane und Bücher der Magie«) war auch er ein erbitterter Gegner des Spiritismus. – »Was immer sich in solchen Séancen zeigt«, sagte er wörtlich, »ist das Teuflischste, was ein menschliches Gehirn auszudenken imstande ist – mag es sich auch noch so engelhaft gebärden.«