Helene Petrowna Blavatsky, die bekannte Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, hatte ihn auf ihren Reisen in Amerika kennen gelernt; – sie verkehrten miteinander auf eine höchst geheimnisvolle Weise, wie mir ein Freund, der beide kannte und oft mit ihnen beisammen war, berichtet hat. »Sie schienen sich telepathisch (durch Gedankenübertragung) verständigen zu können;« – so schrieb mir mein Freund – »oft, wenn ich mit der ›old lady‹ (Spitzname der Blavatsky) beim Tee saß, sprang sie plötzlich auf und rief: Was will denn der Kerl schon wieder! – Und dann, wenn ich sie begleitete, jedesmal trafen wir den »Nigger« wartend auf irgendeinem Platze, dem Frau Blavatsky, als stünde sie unter einem Befehl, in größter Eile zugesteuert war. Was sie dann miteinander verhandelten, habe ich nie erfahren können, denn die old lady schwieg darüber wie das Grab.«
– – – »Randolph« – so heißt es weiter in dem Brief meines Freundes – »ist der unheimlichste Mensch, der mir in meinem Leben vorgekommen ist. – Ich habe mir alle Mühe gegeben, sein Inneres zu durchschauen; – vergebens. – Plötzlich, mitten im Gespräche – auf der Straße – änderte sich der Ton seiner Stimme; ein Fremder schien aus ihm zu sprechen, oft in einer Sprache – und ich kenne deren viele! –, die mir völlig unbekannt war. – – Seine Gabe, Vorgänge hellsehend zu schauen, die an weitentfernten Orten geschahen, grenzte ans Wunderbare. – – –
Da von ihm die Rede ging, er sei imstande, Frauen durch Fernsendung eines Willensstromes sich gefügig zu machen, beschloß ich eines Tages, ihm in dieser Hinsicht auf den Zahn zu fühlen und brachte das Gespräch darauf. – Wir waren gerade im Theater und es war Zwischenpause. ›Jawohl,‹ sagte Randolph, als ich ihn fragte, ›jede Frau, die ich rufe, muß kommen. Jederzeit. Sofort.‹
›Auch jetzt, zum Beispiel?‹
›Gewiß. Auch jetzt. Bestimmen Sie selbst eine von den vielen, die da unten sitzen.‹
Ich deutete verstohlen auf eine blonde junge Dame in einiger Entfernung und Randolph versank sofort, die Augen schließend, in ein starres Brüten.
Kaum zwei Minuten später erhob sich die Dame und taumelte wie eine Mondsüchtige hinaus.
Natürlich bat ich Randolph, auf der Stelle das scheußliche Experiment zu unterbrechen.«
Das Leben P. B. Randolphs ist mir nur bruchstückweise bekannt. Seine Lehre der Magie, soweit er sie anderen mitteilte, ist einesteils sublim, anderseits – negerhaft barbarisch wie nur möglich.