»Ja.«

»Sehen Sie weiter!«

»Jetzt sehe ich klar und deutlich den Vorderteil eines großen, grauweißen Hundes. Er wird größer! Jetzt ist er ganz sichtbar! Das Bild steht voll und scharf außerhalb des Spiegels!«

Während ich nun in den Spiegel blickte, wunderte ich mich im stillen darüber, wie es möglich sein sollte, mit Hilfe dieses Glases das große Geheimnis aller Menschenalter zu lösen. Aber gleich darauf fühlte ich einen gewissen Unwillen darüber, ein solches Bild zu sehen, während er mir doch versprochen hatte, ich würde meine eigene Seele erblicken. Ich sagte es ihm. »Nehmen Sie daran keinen Anstoß«, sagte er, »dieses Bild ist nicht wirklich, sondern nur ein Symbol. Ist der Hund nicht ein Muster ausdauernder Freundschaft, vollkommenen Vertrauens und unbegrenzter Liebe? Dies sind die Eigenschaften Ihrer Seele.«

Jetzt erschien auf dem Glas ein breiter, leerer Raum und das Ganze wurde klar und durchsichtig wie der feinste Kristall und gerade in der Mitte zeigte sich ein kleiner, strahlender Lichtfleck, dessen Glanz sich immer mehr steigerte, bis mein Auge vom Hinsehen geblendet wurde. Allmählich breitete er sich aus und wiederum in der Mitte erstrahlte ein Lichtpunkt heller als der hellste Mittag, in den ich mit Entzücken hineinblickte, denn das intensive Licht hatte sich in eine Art von nebligem Dampf verwandelt.

»In diesem Dampf und durch diesen will ich Sie vor mir sehen. Aber nicht jetzt. Die Zeit ist nicht günstig. Was Sie erblicken, ist die Linse eines mystischen Teleskops, mit dem ich die Regionen durchforschen kann, wo Myriaden von Welten gleich der unserigen rollen, die der Mensch noch nicht kennt. Mit ihm können Sie nicht nur diese Welten, sondern auch ihre Bewohner und alles, was sie tun, beobachten.«

»Wie! Wollen Sie damit sagen, daß ein lebender Mensch mit diesem Teleskop, wie Sie es nennen, alles, was auf dem Mars oder Jupiter geschieht, wahrnehmen kann?«

»Gewiß! Und noch eine Million anderer Planeten, Sonnen und Sonnensysteme. Es wird Ihnen das Schicksal jedes Lebenden und Toten enthüllen. Schreiten wir gleich zum Beweis.«

Bei seinen Worten schien sich ein röhrenförmiges Lichtgebilde meinem Auge zu nähern, und ich erblickte dadurch wie in einem Diorama all die schrecklichen und schmerzlichen Szenen dessen, was ich für mein jüngstes Leben auf der Erde halte. Ich sah meine wenigen Freuden und Erfolge und die unzählbaren Schmerzen des Leibes und der Seele, von denen sie umrahmt waren. Und Menschen begegneten dem Phantom meines Ichs mit lächelndem Antlitz, die honigsüße Worte zu sprechen schienen, damit man ihnen vertraue; und dann erdolchten diese Wesen den Zuhörer. Er fiel wohl, aber er schien nicht zu sterben, denn ein scheußliches Gespenst schwebte beständig über ihm, zögerte aber aus Mitleid oder Bosheit, ihm den tödlichen Streich zu versetzen.

Die Szene änderte sich. Ein Landstädtchen erschien – das Datum stand in feurigen Ziffern in der Ecke: 1852. In einem Barbierladen übte ein fröhlicher, leichtherziger Jüngling seinen Beruf aus.