Dann zeigte der Spiegel denselben Mann im öffentlichen Leben; man nützte ihn aus, schmeichelte seiner Eitelkeit und er beging so manchen Fehler. In dem Augenblick jedoch, wo sein Irrtum entdeckt wurde und er ihn eingestand, erhoben sich tausend Dolche gegen ihn, zehntausend Zungen schmähten ihn – und warum? Weil er seiner Vernunft, seinem Gewissen und seinem Gott treu geblieben war. Ich sehe ihn jetzt mit gequältem Herzen.
Wieder eine Veränderung: sieh da, derselbe Mann erscheint wieder. Von der Glut des Hasses, des Neides und des Undanks und der Bosheit seiner früheren Freunde niedergeschmettert, hatte er sich allmählich wieder aufgerichtet. »Ich erstehe neu aus meiner Asche« war der Wahlspruch auf dem Banner, das er im Winde flattern ließ. Er änderte seine Lebensweise. Einer von denen, die ihn zuerst von seiner Arbeit weg in die Welt geführt hatten, klammerte sich noch immer an ihn und erklärte, nicht einmal der Tod könne sie trennen. Die Pantomime war so klar verständlich wie gesprochene Rede und jener glaubte dem Lügner.
Wieder änderte sich das Bild. Der Barbier und Redner war zu Ansehen gelangt, hatte viel Geld verdient, er hatte für ein Weib, das aber seine Liebe nicht erwiderte, zu sorgen, dem sein Herz zugeneigt war. Sein »Freund« eignete sich durch Betrug alles an, was jener besaß und verleumdete dann die Frau bei seinem Opfer, das er zum Bettler gemacht hatte. Dies brachte den ehemaligen Barbier fast um seinen Verstand, während der andere ihn auslachte und in Freuden lebte. Wieder entflog das Bild; Jahre waren vergangen: der Böse hatte den Boden unter den Füßen verloren, sein Opfer, der Barbier, war in der Welt der Wissenschaft emporgestiegen, die Menschen ehrten ihn und verachteten den anderen.
»Der Weg der Welt!« rief Miakus, »aber erinnern Sie sich, daß stets das Recht den Sieg erringt und immer die Gerechtigkeit das letzte Wort behält. Was konnten Sie anders von einem so schwachen Menschen erwarten? Vertrauen Sie niemand! Das war Schicksal und dem Schicksal kann man nicht entgehen. Unterwerfen Sie sich ihm! Es wird für die Folge gut sein. Wir können doch glücklich sein!«
Schon wieder diese Worte! Und noch dazu aus Miakus' Munde!
Mein Geist begehrte etwas von der Zukunft zu sehen, was ebenso klar sein würde wie die Bilder der Vergangenheit, und wollte wissen, ob es kein Mittel gebe, um die Schläge des Schicksals zu mildern, und als mein Auge wieder durch die magische Röhre blickte, glitt der Kopf und die Büste eines jungen Mädchens über das Sehfeld. So schnell floh es dahin, daß nur ein elektrischer Strahl seiner Schönheit in mir zurückblieb. Doch eine unbestimmte Ahnung sagte mir, daß ich das Haupt Eulampias gesehen hatte, daß mir vom Weibe allein die Erlösung kommen könnte. Aber in jenem Fluch hieß es doch: »eine Tochter Ichs« und sie war ein Kind Japhets!
Kaum war dieses Bild entschwunden, als das Glas wolkig und dunkel zu werden begann, bis es schließlich wieder genau das Aussehen hatte wie vorher, als es aus dem Kästchen genommen worden war.
»Heute können wir nichts mehr sehen«, sagte Miakus, »aber ich habe Ihnen schon jetzt unbezahlbare Gaben verliehen. Sie können in die Welt hinausgehen und die Kranken heilen, die Wahnsinnigen wieder zu Verstand bringen, Sie können Spiegel machen und das Elixier bereiten, Sie können Vergangenheit und Zukunft lesen. Und doch ist das alles nichts gegen das, was Sie erwartet, wenn Sie feierlich geschworen haben, den Schlaf Sialam für mich zu schlafen.«
Ich erkannte bereitwillig alles an, was er sagte, und die Dankbarkeit drängte mich, zuzustimmen. Die Worte schwebten mir schon auf den Lippen, als plötzlich dasselbe Haupt und dieselbe Büste wie vorhin langsam vor mir, etwa einen Fuß von meinem Gesicht entfernt, vorbeizog. Es war unzweifelhaft Eulampia und ihr Gesicht war traurig und tränenfeucht, als sie wieder verschwand. Während dies geschah, sprach eine leise, sanfte, wohlklingende Stimme: »Wenn ich in Gefahr bin, wirst du es wissen, wo immer du auch sein magst. Wenn du in Gefahr bist, wirst du mich sehen, und wenn Meere zwischen unseren Körpern lägen.« Genau die Worte, die das Mädchen an der Tür der Hütte des alten Häuptlings gesprochen hatte, als wir so traurigen Abschied nahmen.