Ich atmete auf. »Aber sagen Sie mir, meine Liebe, was für eine Art Mensch war dieser alte Kerl? Beschreiben Sie ihn mir einmal!« »Mit Vergnügen – Kellner: noch einen Kuchen, der Herr wird ihn bezahlen – mit Vergnügen«, und sie beschrieb ihn mir; es war zweifellos – Ravalette. Ich wußte jetzt genug, gab es auf, noch weitere Fragen zu stellen, zahlte und eilte so schnell wie möglich nach den Blumengärten, die Ravalette und ich zusammen besucht hatten. Ich betrat den betreffenden Garten und fragte den Gärtner, ob er den alten Mann gesehen habe, der in meiner Begleitung erst vor kurzem hier gewesen sei.
»Ein alter Mann? Sonderbar, wie können Sie so etwas sagen. Ich erinnere mich ganz deutlich, Sie waren da in Begleitung eines etwa 17 jährigen Knaben – den hab ich seither nicht mehr gesehen.«
»Oho, mein Freund,« rief ich, »ich weiß genau, daß mein Gefährte kein Jüngling, sondern ein Mann von gut 70 Jahren war.«
»Sacre bleu! Glauben Sie, daß ich lüge! Sagen Sie was Sie wollen, aber ich will verflucht sein, wenn er sein zweites Jahrzehnt schon überschritten hatte. Doch ich will Ihnen einen Vorschlag machen: Ich wette eine Flasche Chateau Lafitte, 42 Jahre alt, daß Ihr Begleiter ein kleiner, magerer, blasser Knabe von nicht mehr als fünfzehn Jahren war! Halten Sie die Wette?«
»Ja, und noch vierzig andere von der gleichen Art. Aber wer wird unser Schiedsrichter sein und die Wette entscheiden?«
»Lassen Sie die Zeugen, meine Gehilfen, meine Frau und meine Töchter entscheiden. Ich stehe Ihnen gut dafür, daß sie wegen einer Flasche Wein nicht lügen werden. Sind Sie einverstanden?«
»Ja, rufen Sie sie her, ich will ihnen vertrauen.«
»Das können Sie auch, es sind lauter anständige Leute. Meine Frau hat Sie eingelassen, ich habe Ihnen einen Strauß verkauft, einer meiner Leute ging mit Ihnen durch den Garten und der andere holte das Wechselgeld, um Ihnen auf das Fünf-Francs-Stück heraus zu geben, mit dem Sie mich bezahlt haben.« Hier erhob er seine Stimme und rief: »Kommt alle her! Ich habe mit dem Herrn gewettet und ihr sollt die Wette entscheiden.«
Die drei kamen sofort und der Gärtner sagte zu mir: »Jetzt, Herr, wollen wir beide an das andere Ende des Gartens gehen und dort will ich Ihnen den Mann genau beschreiben, der heute nachmittag mit Ihnen hier war. Dann wollen wir die Zeugen einzeln rufen, so daß keiner hört, was der andere sagt, und genau das berichtet, was er selbst gesehen zu haben glaubt.«