»Huhm, meleagar, malooshe,
Huhm, meleagar, ma-looshe«

erinnerten, nur daß sie zehnmal tiefer waren und an Abgründe rührten, die jenes Lied nie hätte erreichen können.

Diese seltsame Musik konnte als Beweis für die Theorie des italienischen Grafen dienen, die er, wie erinnerlich, in der Séance vor Napoleon aufgestellt hatte, denn, wenn man einerseits zugäbe, daß sie von einem wirklich existierenden, selbständigen Lebewesen hervorgebracht wurde, konnte man anderseits nicht bestreiten, daß sie nur von einer hochentwickelten Seele erzeugt werden konnte, während jenes Wesen aber doch in der Skala der Organismen sehr niedrig stand. War dieses Wesen aber nun eine Schöpfung von Nibchis Willen, so erhellte daraus, daß es nur seine eigenen Gedanken ausdrückte, während es selbst für die Musik und ihre Bedeutung nicht das geringste Verständnis hatte.

Das Lied hörte auf und Vatterale bat den Grafen von M., das eine Ende eines Akkordions zu halten, während der Geist unsichtbar das andere halten und so spielen sollte. Der Graf tat es und hielt das Instrument mit dem Boden nach oben in Armeslänge von sich ab, und zwar gerade unter dem Luster. Und tatsächlich begann es in dieser Stellung zu spielen. Niemand war zu sehen und niemand war in der Nähe. Ebenso ging es dann mit anderen Instrumenten, wie Gitarre, Harfe und Klavier. Sodann wurde die ganze Vorstellung auf das Gebot Vatterales von dem Geist in sichtbarer Gestalt wiederholt.

Da verkündete uns ein Klopfen an der Tür, daß das gewünschte Dienstmädchen da sei. Sie wurde eingelassen; der Geist war wieder verschwunden.

»Marie«, sagte der Baron, »wir haben gewettet, daß keiner dieser Herren einen Strähn Seide aufwickeln kann, wenn sowohl ihm als auch Ihnen die Augen verbunden sind. Ich habe gewettet, daß es dennoch möglich ist. Wenn ich gewinne, dürfen Sie auf drei Tage Ihre Angehörigen zu Hause besuchen und ihnen etwas mitbringen. Sie dürfen aber nicht lachen oder sprechen, solange die Seide aufgewickelt wird, sonst habe ich verloren. Wollen Sie es versuchen?«

»Gewiß«, erwiderte das Mädchen, »und Sie sollen sehen, daß ich nicht lachen werde.« Dann nahm sie ihren Platz ein und ließ sich von der Baronin die Augen verbinden und die Seide um die Handgelenke legen.

Darauf ergriff Herr D… auf ein Zeichen Vatterales das andere Ende des Fadens und begann ihn langsam aufzuwickeln.

»Beginne!« sagte Vatterale, nach der Stelle gewandt, wo der Geist verschwunden war. Er erschien sofort wieder und berührte die Hand des Mädchens, das auf der Stelle gleich in einen tiefen magnetischen Schlaf fiel, aus dem sie eine zweite Berührung wieder, jedoch nicht zum vollen Bewußtsein, erweckte. Sie stand auf, warf die Seide beiseite und trat der Reihe nach an die sämtlichen Instrumente heran, um uns einige Stücke zum Besten zu geben. Der Geist berührte ihren Kopf und sogleich flüsterte sie drei Herren aus der Gesellschaft nacheinander die glühendsten Liebesworte ins Ohr.

Wieder berührte sie der Geist und sie begann in pathetischem Ton zu deklamieren. Bald war sie Charlotte Corday, dann Maximilian von Mexiko, bald die Jungfrau von Orleans, dann ein einfaches Indianermädchen, jetzt war sie die Malibran und sang wundervoll, dann wieder eine ernste Frau und sprach über das göttlich-schöpferische Werk des Weibes, über die Liebe und über vieles andere. Es gab kaum ein Thema, das sie nicht angeschlagen hätte. All dies mochte etwa zwei Stunden gedauert haben, dann tat Vatterale dem Wirken des Geistes Einhalt und weckte das Mädchen wieder auf, das von den gesamten Vorgängen keinerlei Erinnerungen hatte. Die Anwesenden schenkten ihr einige Goldstücke und sie verließ das Zimmer, zweifellos mit dem Wunsche, noch öfter Seide auf diese Weise aufzuwickeln.