Das bringt mich wieder auf die Nacht meiner Ankunft in Paris zurück. Da es nicht mehr möglich war, sogleich die Tochter aufzusuchen, begaben wir uns in ein Hotel beim Palais Royal. Wir hatten dort soeben unser Souper beendet, als ein Mann, der uns beiden gänzlich unbekannt war, den Speisesaal betrat, eine tiefe Verbeugung machte und sagte: »Heil! Ich komme um dir, Im Hokeis, zu sagen, daß du morgen Paris nicht verlassen wirst. Um die vierte Stunde wirst du deine Tochter nach dem Hause bringen, das das vorletzte ist, wenn du den Boulevard de Luxembourg hinaufgehst. Du wirst keine Fragen stellen, sondern gehorchen. Daß ich das Recht habe, dir zu gebieten, will ich sogleich beweisen«, und er flüsterte Hokeis drei Worte ins Ohr, die diesen aufspringen machten, wie wenn er von einer Kugel getroffen worden wäre. Er hatte ihm das geheime Losungswort der Priester des Feuers gesagt! Dann wandte er sich an mich und sagte: »Und du wirst morgen in aller Frühe in das Hotel Fleury gehen. Dort wirst du deinen Freund Beverly finden. Gehe, wohin er geht, und verlaß ihn während der nächsten zwei Tage nicht einen Augenblick – seine Rettung hängt davon ab! Ich gehe jetzt. Vergiß die Worte des Fremden nicht!«

Ich war grenzenlos verblüfft und man kann sich leicht denken, wovon wir beide diese Nacht sprachen, bevor wir schlafen gingen.

Das führt mich auf meine nächste Zusammenkunft mit Beverly, dessen Geschicken wir jetzt folgen wollen.

Man wird sich erinnern, daß Ravalette ihm ein Papier gegeben hatte, bevor sie Belleville verließen, und daß Vatterale ebenfalls etwas für ihn im Hotel zurückgelassen hatte.

Die Worte auf dem Zettel Ravalettes waren in einer kühnen, kräftigen Handschrift geschrieben und lauteten: »Wenn Sie mich brauchen, wenn Sie bereit sind, einer der unsrigen zu werden – wenn Sie alle Hoffnung aufgegeben haben, je das Geheimnis meiner und Ihrer Existenz zu ergründen – dann suchen Sie mich in dem Hause, das das vorletzte ist, wenn Sie den Boulevard de Luxembourg hinaufgehen – Ravalette.«

Also dieselbe Anweisung – und fast in den gleichen Worten – wie die, die jener geheimnisvolle Fremde Hokeis in der vorhergehenden Nacht erteilt hatte. Dieser Umstand machte auf mich einen starken Eindruck, aber die Klugheit verbot, ihn Beverly gegenüber zu erwähnen. Er schien sehr glücklich über diese Aussicht auf eine Lösung des seltsamen Rätsels zu sein und bat mich zu meiner großen Freude, den Tag mit ihm zu verbringen; am Abend wollten wir dann gemeinsam der Sache nachgehen. Mehrere Gründe veranlaßten mich, das regste Interesse an diesen Vorgängen zu nehmen – Freundschaft, Neugier und eine unbestimmte Hoffnung, das, was Beverly als seinen Fluch bezeichnete, unwirksam zu machen. Man wird sich erinnern, daß Beverly mich einst hatte überzeugen wollen, es sei an der seltsamen Legende von dem König, der Prinzessin, dem Rätsel, dem Mord und dem Fluch und seiner Erfüllung mehr, als die meisten Leute wohl zugeben würden. Ich war wohl geneigt, an Dhoula Bel und die anderen Verdammten zu glauben, aber ich hatte kein rechtes Vertrauen zu Miakus, Ravalette, dem italienischen Grafen und Vatterale. Noch glaubte ich nicht, daß irgend etwas Übernatürliches in die Sache hereinspiele, und da ich das ganze nur geschickten Tricks zuschrieb, beschloß ich, den Zauberkünstlern eine Falle zu stellen, um sie während der Vorführung zu fangen. »Hoho! Herr Vatterale, Sie sollen einmal etwas erleben!« rief ich, als ich Beverlys Hand schüttelte. Als ich ihn dann verließ – da er ein Bad zu nehmen wünschte –, tat ich, als ginge ich zur Post, in Wirklichkeit aber eilte ich zur Polizeidirektion, wo ich kurz und bündig erklärte, daß ein Freund von mir einem ungeheuren Betrug zum Opfer fallen solle. Der diensttuende Beamte hörte mir aufmerksam zu, instruierte mich, wie ich es einzurichten hätte, um die Verdächtigen nicht vorzeitig zu warnen, und versprach mir, er werde zur genannten Stunde mit einer Abteilung Polizisten in der Nähe des Hauses auf dem Boulevard de Luxembourg sein. Auf meinem Rückweg zum Hotel Fleury sprach ich noch bei Hokeis vor, traf ihn aber nicht und erhielt die Auskunft, er sei nach Versailles zu seiner Tochter gegangen. So suchte ich Beverly wieder auf.


8. Kapitel
DER BOULEVARD DU LUXEMBOURG

Beverly erwartete die Ereignisse der nächsten Stunden, in denen alle Zweifel für immer geklärt werden sollten, fast noch ungeduldiger als ich.