Um die Mitte des 16. Jahrhunderts sehen wir in Frankreich wie in Deutschland und England das durch Plattendruck hergestellte Mittelstück nebst Eckstücken in Aufnahme kommen, das, in sich geschlossen, nicht mehr, wie bei den der Grolier-Richtung angehörigen Bänden, aus dem gesamten Zierwerk herauswächst, sondern, wie auch die Eckstücke, einen festen Umriß hat, mit dem es sich gegen die übrige Fläche abgrenzt. Die Art der Musterung erinnert an Metallätzung oder eingelegte Arbeit; in der Mitte ist gewöhnlich ein Schriftfeld von ovaler Form ausgespart ([Fig. 158]). Bisweilen nimmt dies Mittelstück auch die Gestalt der Kartusche an. Indes hält die alte Weise, mit Riemenverschlingungen und Rankenwerk die ganze Fläche zu mustern, noch lange stand. Eine Decke dieser Art, bei der die Mitte mit Vollstempeln bedruckt ist, während im übrigen ziemlich schwere schraffierte Stempel verwendet sind, zeigt [Fig. 159]. Charakteristisch an dieser und verwandten Decken ist die aus dem Riemenwerk nach oben und unten herauswachsende Palmette.
Fig. 157. Stempelabdrücke von Canevaribänden.
Fig. 157a. Stempelabdrücke von einem italienischen Einbande, Ende des 16. Jahrh. Museum zu Crefeld.
Fig. 158. Mittelstück von einem französischen Einbande. Um 1570. (Nach Gruel.)