Fig. 159. Französische Decke mit Linien- und Stempelvergoldung. Um 1585. Im Besitz des Herrn Chalabre. (Nach Cundall.)
Fig. 160. Italienischer Einband mit Lorbeerzweigen. Ende des 16. Jahrh. Kl.-Folio. Düsseldorf.
Fig. 161. Einband aus der Büchersammlung von De Thou. Um 1600. (Nach Cundall.)
Als neue Ziermotive erscheinen im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts die Lorbeerzweige, die zur Füllung der von dem Riemenornament umzogenen oder freigelassenen Stellen dienen, und die Spiralschnecke, im Französischen »fanfare« genannt. Unsere Abbildung ([Fig. 160]) zeigt die Fanfare auf der Decke eines Einbandes, der für den Bibliothekar König Heinrichs III., Jacques Auguste de Thou, gefertigt wurde. An die Namen de Thous, dessen gleichnamiger Sohn die Bücherliebhaberei des Vaters erbte, und Nicolas Eves[6] der seit 1573 den Titel eines Relieur du roi führt, knüpft sich diese Art der Deckenverzierung, in der ein naturalistischer Zug, das unregelmäßig gestaltete, sich der Naturform nähernde Rankenfüllwerk, unverkennbar ist. ([Fig. 161].) Noch mehr tritt derselbe hervor in der zierlichen Musterung von kleinen Einbänden, die, abgesehen von wenigen einfassenden Linien, ganz mit Laubkränzen, Blumenzweigen, Blümchen und Blättchen bedeckt sind und die, wie es scheint, von dem jüngeren Eve zuerst angefertigt wurden ([Fig. 162]). Der hier abgebildete Band führt bereits den Titel auf dem Rücken, dessen breite Fläche ganz so wie die Decken gemustert ist. Der Grundsatz der geometrischen Teilung der Fläche und der allseitig symmetrischen Entwickelung des Ornaments, der bisher für die Verzierung der Decken maßgebend war, ist bei dieser neuen Art der Musterung vollständig verlassen.
Fig. 162. Französischer Einband mit Kranz- und Blumenfüllung, mit den Wappen der Margarete v. Valois. Anfang des 17. Jahrh. (Nach Techener.)