Fig. 188. Zierformen von einem Bande aus der Bibliothek Jakobs I. (Nach Quaritch.)

Einer eigentümlich englischen, vielleicht mit Jakob I. von Schottland herübergekommenen Musterung der Decke begegnen wir zuerst im Laufe des 17. Jahrhunderts. Quaritch teilt in seinem »Facsimiles of bookbinding« einige Beispiele dieser schottischen Art mit. Das Charakteristische daran ist der Blütenzweig oder Stengel, der, mit dem Fußende nach dem Rande zu gerichtet oder auch umgekehrt vom Mittelfelde zum Rande aufwachsend, unter steter Wiederholung oder mit einem ähnlichen Motiv wechselnd den des festen Gefüges entbehrenden Rahmen bildet. Auf schottischen Einbänden des 18. Jahrhunderts zeigt auch das Mittelfeld dies Gezweige, das sich von der Mitte aus nach unten und oben zu entwickelt, ähnlich wie das Zweigwerk in den Seitenfeldern des oben mitgeteilten steirischen Bandes ([Fig. 184]). Die Gehrung des Rahmens ist mitunter durch den Stengel betont, der sich beiderseits verzweigt und oben in einer Blume endet ([Fig. 187]). Ein von Quaritch wiedergegebener Band aus der Bibliothek Jakobs I. hat ein sonderbares Streumuster im Mittelfelde, Kronen, Zweige, Rosen und andere kleine Ornamente sind regellos durcheinander gewürfelt und umgeben dicht gedrängt das die Mitte einnehmende königliche Wappen. Die weichen, der Naturform bisweilen sehr nahe kommenden Stempelmotive ([Fig. 188]) lassen den Einfluß der Stickerei erkennen, der im 18. Jahrhundert noch wunderlichere Blüten treibt, wie aus dem Beispiel ersichtlich, das wir der von Wheatley herausgegebenen Sammlung von Bucheinbänden des Britischen Museums entlehnen. ([Fig. 189].)

Fig. 189. Englischer Einband mit Stickmusterverzierung. Anfang des 18. Jahrh. (Nach Wheatley.)

Fig. 190. Stempel von Harleybänden.

Fig. 191. Stempel von Roger Payne.

Im 18. Jahrhundert gab der große Bücherfreund Harley, Graf von Oxford, für die Deckenverzierung den Ton an. Die Büchersammlung desselben ist später mit der Bibliothek des Britischen Museums vereinigt. In [Fig. 190] geben wir einige Zierformen solcher Harley-Bände; das Ornament ist offenbar von den Spitzenmusterstempeln abgeleitet, macht aber den Versuch, die Naturform von Knospen und Blüten damit in Einklang zu bringen. Die Harley-Bände haben in der Regel einen roten Maroquin-Überzug, der Deckel eine breite Umrahmung und ein Mittelornament, während die Ecken gewöhnlich unverziert erscheinen.