Fig. 194. Maroquinband von Amand in Paris. (Nach Uzanne.)

Die kunstgewerbliche Bewegung in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts, das Trachten und Streben, den verlorenen Sinn für die schöne Form der Gebrauchsgegenstände wiederzugewinnen, kam in Deutschland nur langsam in Fluß. Erst die Wiener Weltausstellung von 1873 zeigte die ersten Spuren der ästhetischen Erziehung an der Hand mustergültiger Vorbilder aus früheren Jahrhunderten auch auf dem Gebiete der Buchbinderei. Der Wiener Meister Franz Wunder vor allem erneuerte die alte Ledermosaikarbeit mit gutem Geschmack und reichem Erfolg. ([Fig. 193].) Ebenso verdanken wir ihm die Wiedereinführung des Lederschnitts.

Die Franzosen traten schon früher in die Reihen mit der Wiederbelebung der alten Kunstweise. Bei Grolier-, Le Gascon- und Dérome-Bänden wurden Anleihen gemacht, dabei fehlte es aber auch nicht an Versuchen, Originelles zu leisten und eigene dekorative Gedanken zur Geltung zu bringen. Die namhaftesten Meister in Paris sind Pagnant, Magnin, Michel, Engelmann und Amand, von dem wir in [Fig. 194] eine nicht überreiche, aber mit ihren zierlichen Schmuckformen gefällig wirkende Decke bringen. Wer sich über diese modern-französischen Arbeiten näher unterrichten will, findet das Material übersichtlich zusammen in dem Werke von Uzanne »la reliure moderne«.

In den letzten Jahrzehnten hat namentlich in Leipzig die Buchbinderei eine allerdings mehr in die Breite als in die Tiefe gehende Entwickelung genommen. Das darf insofern nicht wunder nehmen als ja heutzutage der mit Plattendruck in der Vergolderpresse hergestellte, oft in den buntesten Farben schillernde Kalikoband der Kunst des Buchbinders nicht allzuviel mehr zumutet. Immerhin sorgt aber die glücklicherweise auch in Deutschland zunehmende Bücherliebhaberei dafür, daß auch die Handarbeit mit Stempeln und Fileten zu Ehren kommt und verdientermaßen gewürdigt wird.


Literatur.