Mit Einführung der Doppelbünde (s. oben [S. 32]) wurde die Arbeit des Heftens noch umständlicher. Die Nadel wurde mit dem Faden, wie gewöhnlich, am Fitzbunde eingeführt zwischen den beiden Teilen des nächsten Doppelbundes heraus, um den ganzen Bund herum und wieder mitten durch den Bund in den Bogen und zum nächsten Bunde, der in derselben Weise wie alle übrigen umstochen wurde, so daß das Schema für die einzelne Lage das folgende ist:

Die Befestigung der Schnüre auf der Heftlade erfolgt durch Anhängen an die sog. Hefthaken, welche durch die obere verstellbare Leiste durchgesteckt sind; die Haken selbst lassen sich verschieben und mittelst eines Gewindes höher und tiefer stellen.

Am unteren Teile der Heftlade befindet sich eine bewegliche Leiste, welche, um das Dazwischenlegen der Bünde zu ermöglichen, herausgenommen werden kann. Damit diese aber nicht wieder herausrutschen, werden unten mit einer einfachen Umschlingung die sog. Heftstifte befestigt, die damit quer unter der Leiste und dem Lagerbrett zu liegen kommen.

Unsere deutschen Heftstifte werden durch eine Schlinge einfach vorgesteckt und haben die folgende althergebrachte Form, während die englischen Arbeiter sich eines anderen kleinen Werkzeuges, der Heftklammer, bedienen. Die oben angehängte Kordel wird glatt nach unten angespannt, die Heftklammer wird daran geschoben, und das unten hervorragende Ende der Kordel einmal darumgeschlungen, so daß der Bund fest angezogen bleibt, nachdem die Vorderleiste der Heftlade angesetzt ist.

Beim Heften liegt das Buch links von der Heftlade, der Titel nach unten; Bogen um Bogen wird mit der linken Hand abgenommen, geöffnet und so herumgelegt, daß der Kopf des Bogens nach links, das untere Ende nach rechts liegt. Der linke Arm liegt dabei völlig auf der Heftlade und übernimmt alle Thätigkeit hinter den Schnüren und im Inneren des Bogens. Die Rechte bleibt vor den Schnüren und behandelt den Bogen von außen.

Die Bünde müssen, bevor man zu heften anfängt, genau gerichtet werden, damit sie auf dem Buchrücken später auch da liegen, wo sie liegen sollen; sie müssen gleiche Abstände haben, und vor allem gerade, d. h. rechtwinkelig mit dem Rücken über demselben liegen. Früher machte man dies in der Weise, daß von der Rückenlänge oben und unten so viel abgerechnet und mit einem farbigen Stifte vorgemerkt wurde, wie für das Beschneiden nötig erachtet wurde. Der übrige Raum wurde, je nach Zahl der Bünde, mit dem Zirkel in gleiche Teile geteilt und an jedem Teil mit Winkel und Rotstift ein Strich quer über den Rücken gezogen, der die Richtung für den Bund angab; etwa 1 bis 1½ cm von dem vorgemerkten Schnitt entfernt, wurde der Stich für den Fitzbund in derselben Weise vorgemerkt. Anfangs wurde der obere und untere Teil des Buches — Kopf und Schwanz — genau gleich lang gemacht; im 17. Jahrhundert begann man aber des besseren Aussehens wegen dem Schwanz eine größere Länge zu geben.

Ist die Arbeit des Heftens so weit fortgeschritten, daß der letzte (d. h. im fertigen Buche der erste Bogen) an die Reihe kommt, so wird das sogenannte Vorsatz (Vorsatzpapier) angeheftet. Dies besteht aus mehreren weißen oder auch farbigen Blättern, die einerseits mit dem Körper des Buches zusammenhängen, anderseits dessen Verbindung mit der Decke bewerkstelligen helfen.