Fig. 10. Heftlade.

Das Handwerkszeug, welches dazu diente und noch heute dazu dient, die Heftschnüre aufzuspannen und die Bogen an diese anzusetzen und zu befestigen, heißt Heftlade. Ihre Einrichtung zeigt die beigegebene Abbildung. ([Fig. 10].)

Schema der orientalischen Heftung.

Der Gebrauch der Heftlade ist, wie es scheint, im Orient nicht bekannt gewesen. Denn die orientalischen Bücher sind ohne Bünde geheftet. Der Faden zieht sich in sehr einfacher Weise durch das Buch, indem er etwa im Drittel der Buchhöhe eingestochen, am zweiten Drittel wieder ausgeführt und in den nächsten Bogen eingestochen wird. In dieser Weise windet sich der Faden im Zickzack durch das ganze Buch durch. Später, wenn das Buch beschnitten ist, werden am oberen und unteren Ende die Stiche gemacht, welche dazu dienen, dem Buche einen festeren Halt zu geben. Von dieser Sicherung des Zusammenhalts an den beiden Enden des Rückens wird später bei Erwähnung des Kapitals, wie die obere und untere Ziernaht genannt wird, die Rede sein.

Nicht sehr verschieden davon ist die älteste Heftung im Abendlande, bei welcher man das Kapital gleich mitanstach. Auch hierzu bediente man sich wohl noch keiner Heftvorrichtung. Wann der Gebrauch der Heftlade aufgekommen ist, läßt sich nicht feststellen. Zur Zeit, als man begann, die Buchbinderei im Abendlande handwerksmäßig zu betreiben, hat man die Heftung wahrscheinlich auch aus freier Hand bewirkt, und die Führung des Fadens ist ähnlich der im Orient gebräuchlichen gewesen. Das Kapital wurde dabei gleichzeitig mitangeheftet. Man führte den Faden (kräftigen Hanfzwirn) an einem Ende der untersten Lage ein, stach ihn am ersten Bunde wieder heraus, führte ihn um diesen herum wieder nach innen, von dort bis zum zweiten Bunde, wo er wieder umstochen wurde, dann zum dritten und so fort, bis er am anderen Lagenende wieder herauskam. Der Faden wurde dann am Ende des Rückens zweimal um ein Streifchen Leder oder rund gedrehtes Pergament herumgeschlungen und in den nächsten Bogen eingeführt, so also, daß an beiden Enden ein kleiner umwickelter Wulst quer über dem Schnitt lag. Dieser Wulst, aus dem später das Kapital hervorging, hinderte das Einreißen des Zwirns und diente den Bogen beim Heften als Richtschnur.

[Nachstehende Figur] zeigt bei a den oberen und unteren Wulst, bei b die um die Bünde herumgeführte Heftung.

Als man später eine größere Anzahl Bünde einführte, konnte das Heften nur noch mittelst der schon erwähnten Heftlade ausgeführt werden, die anfänglich wohl noch keine bewegliche, durch Schraubenmuttern verstellbare Querleiste hatte und an einem kleinen Tische befestigt war. Die Art der Heftung wurde mit dem Aufkommen dieser Neuerung eine andere, was mit dem Umstande zusammenhängt, daß man anfing, den Buchkörper zu beschneiden.

Schon vor dem Jahre 1450 finden wir beschnittene Bücher, und schon lange vor dieser Zeit kam man davon zurück, das Kapital mit anzuheften; an der Stelle, wo man vorher den Faden aus dem Bogen führte, that man dies auch später, doch nahm er seinen Weg nicht über das Bogenende und um das Kapitaleinlage-Streifchen herum, sondern wurde sofort in den nächsten Bogen eingestochen. In dieser Weise entstand der sogenannte Fitzbund.