Randleiste von einem arabischen Einbande.

4. Die Herstellung des Buchblockes.

Ältere Heftung. — Alter Hanf- und Lederbund, Pergamentbund. — Heftung im Orient, im Abendlande mit angeheftetem Kapital. — Heftlade. — Vorsatz. — Einhängen. — Behandlung des gehefteten Buches. — Heftmaschinen, Heftvorrichtungen. — Runden, Abpressen, Beschneiden. — Leim und Kleister.

Die Grundbedingung eines guten Buchkörpers ist eine gute Heftung, sie schafft den festen Zusammenhang und Zusammenhalt der einzelnen Teile, und keine spätere Arbeit kann Nachlässigkeiten bei der Heftung ersetzen.

Seit unvordenklichen Zeiten wurden die zu einem Buche zu gestaltenden Bogen ihrer Reihenfolge nach auf Bünde geheftet, wie schon [S. 3] erwähnt.

Der Bund ist das Mittel, welches dazu dient, die zusammengehefteten Bogen mit der Schale oder Decke des Buches zu verbinden. Er bestand anfangs aus einem Pergamentstreifen, der, über den Rücken der vereinigten Bogen gelegt, mit diesen durch Umnähung verbunden wurde. Die von innen durch den Bruch gestoßene Nadel führte dabei den Faden um den Bund herum und wieder von außen nach innen durch den Bruch des Bogens hindurch; bei dem folgenden Umstich wurde der nächste Bogen angereiht und so fort. Solcher Bünde finden sich bei kleinen Formaten zwei, einer oben und einer unten, bei großen Bänden, namentlich Folianten, drei, vier und mehr. Die überstehenden Enden des Bundes wurden, nachdem das Buch auf diese Weise geheftet war, durch Einschnitte im Deckel durchgezogen und außerdem durch Überkleben mit Stoff oder Papier an diesem befestigt.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts, etwa seit Erfindung der Buchdruckerkunst, tritt an Stelle des Pergamentstreifens die hanfene Schnur, welche sich zuerst in Büchern deutschen Ursprungs findet. Daneben kommt auch der Lederbund vor, und zwar von der Zeit an, wo das gegerbte Schweinsleder (Schweinspergament) als Überzug des Deckels Verwendung fand. Der Lederbund tritt meist als Doppelbund auf, d. h. der Lederstreifen wurde, soweit er auf dem Rücken des Buchkörpers auflag, aufgeschlitzt, während die freien Enden ganz blieben. Man nahm vermutlich an, daß das Leder eine größere Haltbarkeit habe als die Hanfschnur. Daß dies ein Irrtum war, lehrt die Erfahrung, der zufolge der Lederbund sich an alten Büchern im Falz meist brüchig erweist. Nur Schweinslederbünde haben sich besser gehalten. Die weiteste Verbreitung hatte der Lederbund als einfacher Bund in Italien, als Doppelbund in Deutschland; dort bestand er meist aus Kalbleder und war mittelst zweimaligen Durchziehens am Deckel befestigt; hier aus Rinds- oder Schweinsleder und wurde mit Holzstiften auf hölzernen Deckeln aufgestiftet, nachdem das Holz an entsprechender Stelle in Bundbreite weggestochen war.

Der Doppelbund wird dann auch aus zwei vereinigten Hanfschnüren hergestellt und bleibt bis in unser Jahrhundert hinein in Übung, während der Doppellederbund kaum noch nach dem Jahre 1700 angewendet sein dürfte.